Alles will raus

Süßkirsche in voller Blüte

Die Süßkirsche steht Ende März bereits in voller Blüte – drei Wochen früher als im vergangenen Jahr. Foto: Marion Menrath

Draußen tobt der Frühling. Die Süßkirsche steht Ende März in voller Blüte – im vergangenen Jahr hatte sie sich noch drei Wochen länger bis 21. April Zeit gelassen. Spatzen wie Elstern sammeln fleißig Nistmaterial. Bei den Insekten sind leider nicht nur Hummeln und Bienen bereits voll aktiv: Auf den Rosen haben Blattläuse überwintert; an den Buchsbäumen nagt schon wieder der Zünsler.
Drinnen wird es langsam eng für die überwinternden Pflanzen. Im Sommer neigt man dazu, immer mehr mediterrane Gewächse anzusammeln, Zitrusgewächse, Oleander, Olivenbäume – ohne an die dunkle Jahreszeit zu denken. Die meisten dieser Pflanzen wollen hell und kühl, aber einigermaßen frostfrei überwintern. Wer keinen Wintergarten hat, kann diese Wünsche nur schwer erfüllen.
Ich habe etwas Wintergarten-Ähnliches, einen überdachten Balkon mit sehr viel Licht. Bei den derzeitigen Temperaturen wird es dort aber sehr warm, wenn tagsüber keiner zum Lüften da ist. Einige Pflanzen treiben deshalb wie verrückt aus.

Blühende Fuchsie im März

Für die überwinternden Fuchsien ist es schon fast Frühsommer. Foto: Marion Menrath

Für die Fuchsien ist es schon fast Frühsommmer, so wie die blühen. Ironie der Geschichte: Die angeblich winterharte Fuchsie im Garten, die in Irland zu riesigen Hecken heranwächst, ist natürlich trotz des minimalen Frosts komplett zurückgefroren und wird sich, wenn überhaupt, wahrscheinlich erst im Frühsommer mit neuen Trieben zurückmelden.

Doch was tun mit der nicht-winterharten Fuchsie? Drinnen ist ihr mittlerweile zu warm; draußen drohen noch mindestens bis Ostern Nachtfröste. Morgens rausbringen und abends bei Frostgefahr reintragen, wäre eine aufwendige Lösung. Auf der Eingangstreppe wird demnächst ein Platz frei, nachdem Miniosterglocken und Krokusse längst verblüht sind.

Was wahrscheinlich schon raus in den Garten könnte, sind die Oliven- und Zitronenbäumchen. Beide sind ebenfalls bereits am Austreiben. Während die jungen Triebe frostempfindlich sind, sollten die alten Pflanzen eigentlich kurzfristige Temperaturschocks bis minus zehn Grad abkönnen.

Banane mit Überwinterungsschäden

Die Banane war auf dem kalten Balkon kurz vor dem Absterben. Die meisten Blätter waren schon braun. Foto: Marion Menrath

Bei zwei Pflanzen habe ich mich mit der Überwinterungsmethode sehr verschätzt. Die Bananenstaude, die ich im Herbst von einer Freundin geschenkt bekam, mochte den kalten Balkon gar nicht. Die Pflanzen aus Tropen und Subtropen halten überhaupt nichts von frostigen Temperaturen. Im Februar durfte die Staude ins Arbeitszimmer umziehen. Dort steht sie jetzt direkt neben der Heizung und hat sich wieder gut erholt. Dabei soll es ganz in der Nähe in Griesheim eine winterfeste Banane in einem Garten geben. Möglicherweise handelt es sich aber um verschiedene Arten. Bananen vertragen sich übrigens schlecht mit Parkett und Laminat: Sie scheiden nämlich über die Blattränder Wassertropfen aus, wissenschaftlich Guttation genannt. Dies soll vor allem nachts passieren, wenn die Pflanzen ihre Spaltöffnungen (Stomata) geschlosssen haben, der Wasserdruck in der Wurzel hoch ist oder die Luft bereits mit Wasserdampf gesättigt ist. Deshalb liegen rund um die Banane jetzt Lätzchen bereit.

Chili mit Weißen Fliegen. Foto: Marion Menrath

Chili mit Weißen Fliegen. Foto: Marion Menrath

Einen umgekehrten Weg von drinnen nach draußen ging die Chilipflanze. Bis Dezember hat die Überlebende vom letzten Sommer mit vielen kleinen Schötchen noch für die nötige Schärfe im Essen gesorgt. Dafür bekam sie im Arbeitszimmer bei 20 Grad einen Logenplatz direkt am Fenster. Mittlerweile weiß ich, dass Chili im Winter ein massives Schädlingsproblem haben. Meine wurde fast von Weißen Fliegen aufgefressen, Mottenschildläusen, die auch gerne in Gewächshäusern auftreten. Nachdem die Insekten auch auf andere Zimmerpflanzen wanderten, habe ich die Chili zweimal mit einem umweltfreundlichen Mittel mit Kaliseife besprüht. Seitdem sind die Insekten zwar eingedämmt, aber nicht völlig beseitigt. Die Chili steht jetzt auf dem Balkon. Sie ist auf dem Sprung in den Garten oder gleich in die Grüne Tonne, wenn die Insekten wiederkehren.

 

Huckepack-Tag

Alles muss rein: Bananenstaude, Zitronenbäumchen und Königin der Nacht sind jetzt in den Wintergarten umgezogen. Foto: Marion Menrath

Alles muss rein: Bananenstaude, Zitronenbäumchen und Königin der Nacht sind jetzt in den Wintergarten umgezogen. Foto: Marion Menrath

Heute war Huckepack-Tag. Lange habe ich versucht, zu verdrängen, dass der Winter naht. Nur zwei, drei frostige Tage gab es bisher. Das haben die nicht winterfesten Pflanzen im Garten bisher gut weggesteckt. Vor dem Wohnzimmerfenster halten noch immer zwei bis drei Tomatenpflanzen durch; die Früchte sind jetzt aber alle abgeerntet. Continue reading

Nach dem Sturm

Nachdem das kurze, aber heftige Unwetter am späten Dienstagnachmittag im Rhein-Main-Gebiet mal schnell den S-Bahn-Verkehr und den Flughafen lahmgelegt hat, bin ich doch mit etwas Bauchgrimmen nach Hause gefahren.

Am Arbeitsplatz in Heppenheim wurde der Himmel mitten am Tag bedrohlich dunkel. Unwetter in Heppenheim Es stürmte heftig und einige Geschäftsleute in der Innenstadt konnten gerade noch Ständer mit Kleidern oder Taschen ins Trockene bringen. Dann schüttete es einige Zeit und dann war der Spuk schon wieder vorbei. In Heppenheim selbst wurde nur ein einziger umgestürzter Baum gemeldet.

Zuhause in Griesheim führte der erste Weg in den Garten. Die erste Bestandsaufnahme fiel positiv aus: Alle Bäume und Sträucher waren an ihrem Platz, minus einiger Blätter; auch das Haus hatte keinen Ziegel verloren (vermutlich immer noch der erste Satz von 1983). Da das Unwetter von Westen kam, blieben sogar die mittlerweile sehr schweren Tomatenpflanzen vor dem Wohnzimmerfenster an der Südseite verschont.

Unerwünscht: Mögen die Fühler noch so putzig aussehen, die gefrässige Spanische Wegschnecke bekommt in meinem Garten kein Aufenthaltsrecht. Foto: Guillaume Brocker/Wikipedia

Unerwünscht: Mögen die Fühler noch so putzig aussehen, die gefrässige Spanische Wegschnecke bekommt in meinem Garten kein Aufenthaltsrecht. Foto: Guillaume Brocker/Wikipedia

An der Westseite musste ich eine große Glockenblume wieder aufrichten und von zwei dicken roten Nacktschnecken befreien. Diese Monster- Spanischen Wegschnecken dachten wohl, wenn der Stengel erst einmal auf der Erde liegt, kommen sie leichter an die delikaten Blätter. Wo sind eigentlich meine stachligen Untermieter, wenn man sie mal braucht?
Außerdem hat es leider zwei Fuchsienzweige erwischt und eine Freilandtomate musste wegen eines abgeknickten Stengels sorgfältig geschient werden.

Den größten Schreck bekam ich am Schluss auf der Terrasse: Dort lag ein großer Kirschbaumzweig mit schon angewelkten Blättern herum. Sollte es nächstes Jahr noch schlechter mit der Kirschenernte aussehen? Doch dem Bäumchen, das übrigens auf der entgegengesetzten Hausseite steht, schien kein Ast zu fehlen. Die Lösung wusste der Mann, als er vom Sport kam. Den Ast hat er von Freunden geschenkt bekommen, um daraus Kirschholz-Chips für die nächsten Grillexperimente herzustellen. Nun denn, dann ist ja alles noch mal gut gegangen.