Januarrosen und Heuschnupfen im Winter

Voll im Saft: Kleinblütige Rose im Januar. Foto: Marion Menrath

Voll im Saft: Kleinblütige Rose im Januar. Foto: Marion Menrath

In meinem Garten blüht derzeit eine echte Rarität, eine winterblühende Rose, eine echte Januarrose eben. Doch normal ist das natürlich nicht. Schuld ist der bisher anormal milde Winter, in dem letzte Rosen parallel zu Schneeglöckchen blühen. Der Rasen ist grasgrün, Gänseblümchen und Stiefmütterchen haben bis jetzt durchgehalten und treffen auf echte Winterblüher wie Winterschneeball, Wohlriechende Heckenkirsche, Schneekirsche, Zaubernuss und Winterjasmin.

Ungewöhnliche Schönheit: Januarröschen. Foto: Marion Menrath

Ungewöhnliche Schönheit: Januarröschen. Foto: Marion Menrath

Die vollständig belaubte, kleinblütige weiße Rose hat die spärlichen Frosttage im Dezember im Gegensatz zu ihren Verwandten in der Nachbarschaft auch nur aufgrund günstiger Umstände überlebt: Sie steht auf der Südseite, in der Nähe von Teich und Gartenterrasse, die Wärme speichern und wird von dichten Hecken gegen kalte Winde abgeschirmt.

Mitten im Januar müssen Allergiker schon Mittel gegen Heuschnupfen besorgen: Zumindest im Rheingraben fliegen bereits Haselnuss- und Erlenpollen. Auch die Vögel sind schon auf Frühling eingestellt. Insbesondere Meisen beginnen bereits, ihre Brutreviere abzustecken, wie der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland mitteilt. Deshalb bittet der Nabu in einer Pressemitteilung um Vorsicht bei der Reinigung von Nistkästen: „Jetzt ist keine gute Zeit, um Nistkästen sauber zu machen. Die ersten Blau- und Kohlmeisen könnten schon eingezogen sein“, warnt der baden-württembergische Nabu-Landesvorsitzende Andre Baumann.

Filigran: Blüten der Wohlriechenden Heckenkirsche. Derzeit blüht sie, als sei schon März. Foto: Marion Menrath

Filigran: Blüten der Wohlriechenden Heckenkirsche. Foto: Marion Menrath

Während sich gut genährte Standvögel breit machen, fürchtet der Nabu, dass später eintreffende Zugvögel  das Nachsehen haben könnten. Auch  Winterschläfer wie Fledermäuse oder Igel  könnten Probleme bekommen: Bei milden Temperaturen verbrauchten sie mehr Körperfett, so Baumann. Das könnte fehlen, wenn es doch noch richtig kalt wird.

„Die Natur ist schon ein bisschen durcheinander“, sagt auch Werner Kluge, Bereichsleiter im Forstamt Lampertheim (Kreis Bergstraße): „Die Vögel zwitschern zur Unzeit. Die Silberreiher stehen auf der Wiese, wo sie derzeit eigentlich noch nichts verloren haben“. Für den Wald sei das derzeit alles unproblematisch. Zwar sei es besser, wenn Schädlinge wie Borkenkäfer durch kalte Winter in Schach gehalten würden. Doch das könne noch kommen: „Wir rechnen schon noch damit, dass das kalte Wetter aus den USA rüberschwappt“, sagt Kluge. Zwar fangen Hasel, Weiden und einzelne Pappeln an zu blühen. Bei Buchen und Eichen, die das Gerüst des Waldes bildeten, seien aber  keine Knospen zu sehen und keine Schäden zu befürchten.

Trotzdem klagt auch Hessen-Forst über das milde Wetter. Die Wintermonate seien nämlich Haupterntesaison für Eichen und Buchen.  Weil der  Frost weiter auf sich warten lasse und viele Böden aufgeweicht seien, sei ein Holztransport oft nicht sinnvoll. Um den Waldboden zu schützen, werde derzeit nur auf weniger empfindlichen Waldstandorten geerntet, sagt Michael Gerst, Leiter des Landesbetriebs Hessen-Forst.

Frost  wünscht sich auch Willi Billau, Vorsitzender des Regionalbauernverbands Starkenburg.  Der derzeitige nasse Boden sei anfällig für Verdichtungen. Frost sei  zudem ein wichtiges Werkzeug für den Pflanzenbau. Dabei werde die Bodenstruktur gesprengt: „Das Ergebnis ist  ganz feiner Gartenboden“, so Billau. Für die Pflanzen sei der warme Winter noch  unproblematisch, auch wenn Winterzwiebeln und Erdbeeren   bereits austreiben. Wenn es aber im Februar  Temperaturen unter minus zehn Grad gebe, seien  die Pflanzen nicht darauf vorbereitet und „bekommen eins auf die Mütze“. Wintergetreide schaffe auch das, „solange es nicht minus 20 Grad ohne Schnee gibt“.

Die Winzer wünschen sich dagegen eisige Kälte und zwar möglichst  sofort.  Der warme Winter hat ihnen wahrscheinlich  die Eisweinlese verdorben. „Die Aussichten sind doch sehr eingeschränkt“, sagt Otto Guthier, Vorsitzender des Weinbauverbands Hessische Bergstraße und Geschäftsführer der Bergsträßer Winzer eG. Für Ende Januar seien Temperaturen um minus fünf Grad angesagt. Zur Eisweinlese sollten es   mindestens minus sieben Grad sein. Zudem sind die Trauben bei feuchtwarmen Wetter von Fäulnis  bedroht. Bis Ende Januar wollen die Bergsträßer Winzer dem Winter noch eine Chance geben. Anfang Februar werden die Reben geschnitten; dann müssen die Trauben runter.

 

Halbgefrorenes

rose_gefroren2

Vor Schock erstarrt sind diese Rosenblüten nach dem ersten Nachtfrost Ende November. Foto: Marion Menrath

Gartenbesitzer müssen jetzt stark sein. Allmählich macht der Winter doch ernst. Zudem hat man nicht mehr so viel vom Garten, wenn es morgens beim Weggehen noch dunkel ist und abends beim Heimkommen schon wieder. Mitte vergangener Woche gab es schon einen Vorgeschmack mit zugefrorenen Autoscheiben und schockgefrosteten Rosen in der Nachbarschaft. Bei mir hat es in dieser Nacht die letzten Tomatenpflanzen dahin gerafft. Ich wollte mal sehen, wie lange sie geschützt von der Hauswand vor dem Wohnzimmerfenster durchhalten. Am 26. oder 27. November war es vorbei. Continue reading

Huckepack-Tag

Alles muss rein: Bananenstaude, Zitronenbäumchen und Königin der Nacht sind jetzt in den Wintergarten umgezogen. Foto: Marion Menrath

Alles muss rein: Bananenstaude, Zitronenbäumchen und Königin der Nacht sind jetzt in den Wintergarten umgezogen. Foto: Marion Menrath

Heute war Huckepack-Tag. Lange habe ich versucht, zu verdrängen, dass der Winter naht. Nur zwei, drei frostige Tage gab es bisher. Das haben die nicht winterfesten Pflanzen im Garten bisher gut weggesteckt. Vor dem Wohnzimmerfenster halten noch immer zwei bis drei Tomatenpflanzen durch; die Früchte sind jetzt aber alle abgeerntet. Continue reading