Rote Emmalie und Rosa Tannenzapfen

Die Rote Emmalie ist eine relativ neue Kartoffelsorte mit rotem Fleisch und roter Schale. Foto: Marion Menrath

Die Rote Emmalie ist eine relativ neue Kartoffelsorte mit rotem Fleisch und roter Schale. Foto: Marion Menrath

Die Rote Emmalie ist da – und sie hat ihre Freunde mitgebracht. Zum Glück beanspruchen sie nicht viel Platz. Jedenfalls jetzt noch nicht. Es geht um Kartoffeln.

Im vergangenen Jahr habe ich zum ersten Mal in meinem Ziergarten Kartoffeln angebaut. Im Kleingarten brauchen diese ganz schön viel Platz, der monatelang für nichts anderes zur Verfügung steht. Doch man kann Kartoffeln auch quasi hochkant anbauen, nämlich in stabilen Säcken. Im vergangenen Jahr habe ich das, inspiriert durch Bücher, zum ersten Mal ausprobiert.

1,75 Kilogramm der französischen Gourmetkartoffeln La Ratte und Vitelotte habe ich  Ende Oktober kurz vor dem Frost geerntet. Ein schönes Ergebnis, aber bei weitem keine Massenproduktion. Beide Sorten sind leider nicht sehr ertragreich. Doch wenn schon eigene Kartoffeln, dann soll es etwas Besonderes sein, das nicht in jedem Supermarkt zu haben ist.

 

1,75 Kilogramm der französischen Sorten La Ratte und Vitelotte war das Ergebnis der Kartoffelernte 2012. Foto: Marion Menrath

1,75 Kilogramm der französischen Sorten La Ratte und Vitelotte war das Ergebnis der Kartoffelernte 2012. Foto: Marion Menrath

Die blaufleischige Vitelotte, die von peruanischen Ursorten abstammen soll, und vor 1850 entstanden ist, hat Lust auf mehr bunte Kartoffeln gemacht. Rot oder blau werden sie durch Anthocyane, Pflanzenfarbstoffe, die auch Obst und Gemüse färben und als Radikalfänger gesundheitlich positive Auswirkungen haben sollen. In Kartoffeln sind sie in Europa relativ selten. Solanum tuberosum, als Nachtschattengewächs mit der Tomate verwandt, stammt wie diese aus Südamerika. Während in Deutschland vielleicht 20 Sorten den Markt dominieren, werden in Peru 3000 Sorten in kleinen Mengen angebaut.  Wie diese enorme biologische Vielfalt aussieht, zeigt folgender Link: Kartoffelvielfalt in Peru

 

Doch mittlerweile ist auch in Europa das Bewusstsein für die Vielfalt von Kartoffeln erwacht. Über das Internet kommen Käufer und Verkäufer schnell zusammen und seltene Schätzchen verbreiten sich. Die Rote Emmalie, die durchgehend rot gefärbt ist, hat beispielsweise Karsten Ellenberg in Barum bei Uelzen gezüchtet. Sie soll festkochend sein, würzig schmecken und sowohl im Kartoffelsalat als auch in Gnocchi eine gute Figur machen.

Seltene Kartoffeln: Blue Salad, Edzell Blue und Arran Victory haben blaue Schalen; Blue Salad auch blaues Fleisch. Linda (obere Reihe, Zweite von links) hat nur dank eines Freundeskreises überlebt. Mayan Twilight (obere Reihe, rechts) hat rote Punkte. La Ratte und Rosa Tannenzapfen (unten und Mitte) sind hörnchenförmig. Foto: Marion Menrath

Seltene Kartoffeln: Blue Salad, Edzell Blue und Arran Victory haben blaue Schalen; Blue Salad auch blaues Fleisch. Linda (obere Reihe, Zweite von links) hat nur dank eines Freundeskreises überlebt. Mayan Twilight (obere Reihe, rechts) hat rote Punkte. La Ratte und Rosa Tannenzapfen (unten und Mitte) sind hörnchenförmig. Foto: Marion Menrath

Doch ich will noch weitere Sorten anbauen: Salad Blue ist eine festkochende, blaufleischige schottische Sorte mit hellblauen Blüten. Edzell Blue und Arran Victory sind weitere schottische  Kartoffeln mit lila Schalen, aber gelbem Fleisch. Leider kann ich sie rein äußerlich kaum voneinander unterscheiden. La Ratte und Rosa Tannenzapfen sind beide länglich und stammen aus dem 19. Jahrhundert. Die gelb-rosa gefleckte Mayan Twilight ist dagegen eine schottische Neuzüchtung der südamerikanischen Kartoffelart Solanum phureja, die im bolivianischen Hochland gedeiht.

Und dann ist da noch Linda, die wohl einzige Kartoffel mit einem eigenen Freundeskreis. Als der Züchter sie 2004 vom Markt nehmen wollte, weil der Sortenschutz  nach 30 Jahren ausläuft, kämpfte der Freundeskreis für die Rettung der deutschen Sorte. Seit 2009 hat sie wieder eine Zulassung in Großbritannien und darf deshalb auch in Deutschland weiter angebaut werden.

Doch bevor es soweit ist, müssen alle Kartoffeln erst einmal keimen. Dann dürften auch die Eisheiligen vorbei sein.

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