Nachtblüher im Garten

Die Nachtviole (Hesperis matronalis) ist als Kreuzblütler verwandt mit Raps, Rettich, Senf- und Kohlarten. Sie duftet nachts betörend nach Veilchen und Nelken. Foto: Marion Menraht

Die Nachtviole (Hesperis matronalis) ist als Kreuzblütler verwandt mit Raps, Rettich, Senf- und Kohlarten. Sie duftet nachts betörend nach Veilchen und Nelken. Foto: Marion Menraht

Wer tagsüber arbeitet, freut sich, wenn es auch nachts noch im Garten blüht und duftet. Nachtviole heißt das tagsüber unscheinbare Gewächs, das mir im Frühjahr manchen Abend versüßt hat. Mittlerweile ist sie leider verblüht, aber möglicherweise gibt es im Herbst noch mal ein Wiedersehen mit Nelken- und Veilchenduft im Mondschein.
Hesperis matronalis stammt ursprünglich aus Südosteuropa, wächst aber als alte Bauerngartenpflanze mittlerweile wild in Deutschland. Als Kreuzblütler ist die Nachtviole verwandt mit Raps, Rettich, Senf- und Kohlarten. Bei mir schlummerten die Samen verborgen im Garten, bis wir vor zwei Jahren eine Pergola erneuerten und dafür ein Stück Garten umgegraben wurde. Bald machte sich eine Staude breit, die ich vorher noch nicht gesehen hatte.

Die wilde Form blüht violett. Meine weiß-blühende Sorte mit panaschierten (gescheckten) Blättern leuchtet im Mondlicht noch intensiver. Und sie duftet nachts betörend nach Veilchen und Nelken. Natürlich tut die Pflanze das nicht, um den Menschen zu gefallen, sondern um Nachtfalter zur Bestäubung anzulocken.

Da die Konkurrenz tagsüber groß ist, haben sich etliche Blumen auf die Nacht spezialisiert.

Blühende Nachtkerze (Oenothera biennis). Der Neophyt entfaltet seine Blüten in wenigen Minuten. Foto: AnRo0002/Wikimedia

Blühende Nachtkerze (Oenothera biennis). Der Neophyt entfaltet seine Blüten in wenigen Minuten. Foto: AnRo0002/Wikimedia

Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) stammt aus Nordamerika, wächst aber schon seit dem 17. Jahrhundert wild in Deutschland. Die gelben Blüten öffnen sich abends und sind ebenfalls an Nachtfalter angepasst. Sie öffnen sich in wenigen Minuten. Die Pfahlwurzeln jüngerer  Pflanzen soll man wie Schwarzwurzeln kochen und essen können, was ich aber noch nie probiert habe. Auch Blätter und Blüten sind essbar. Wegen seines hohen Gehalts an Linolsäure bedeutsam ist das aus den Samen gewonnene Nachtkerzenöl. Es wird in Kosmetika gegen trockene Haut und Neurodermitis eingesetzt.

Ebenfalls nachts blüht die einheimische Weiße Nachtnelke, besser bekannt als Weißes Leimkraut (Silene alba). Ihre Schwester, das Rote Leimkraut (Selene dioica), blüht dagegen tagsüber und wird von Tagschmetterlingen und Hummeln besucht. Auch Madonnenlilien, Taglilien, Geißblatt oder die giftige Engelstrompete überzeugen mit nächtlichem Duft. In ihrer südamerikanischen Heimat wird letztere von Fledermäusen bestäubt. Ebenso wie der Weiße Stechapfel ist sie eine der wenigen Nachtschattengewächse, die nachts blühen oder zumindest intensiver duften. Woher der Name Nachtschatten stammt, ist nicht gänzlich geklärt. Wegen des hohen Gehalts an Alkaloiden wurden viele Arten früher als Arzneipflanzen verwendet. Andererseits gehören zu den Nachtschattengewächsen auch weit verbreitete Nutzpflanzen wie Tomaten, Kartoffeln, Paprika und Auberginen.

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