Mickrige Tomaten

Pralle Tomatenernte 2012: Cocktail-, Fleischtomaten, schwarze und grüne - alles war dabei. Foto Marion Menrath

Pralle Tomatenernte 2012: Cocktail-, Fleischtomaten, schwarze und grüne – alles war dabei. Foto Marion Menrath

So langsam werde ich unruhig. Im Garten wuchert alles, der Vollfrühling ist endlich angekommen. Nur meine selbst gesäten Tomatenpflanzen halten nicht Schritt. So wie letztes Jahr, als ich in August/September kaum noch wusste, wohin mit den Tomaten sollte es auch dieses Jahr werden.

Das Beet vor dem Wohnzimmerfenster ist schon vorbereitet. Dort haben die Pflanzen im üppigen Kübel genügend Erde um sich auszubreiten.

Statt Blumen: Tomatenernte vor dem Wohnzimmerfenster. Foto: Marion Menrath

Statt Blumen: Tomatenernte vor dem Wohnzimmerfenster. Foto: Marion Menrath

Vor allen Dingen stehen sie aber überdacht und trotzdem luftig. Das ist in unseren Breiten wegen der Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) von Tomaten mittlerweile leider fast unverzichtbar geworden. Die Pilzerkrankung, die auch andere Nachtschattengewächse befällt, beispielsweise Kartoffeln, führt sonst oft zum Totalausfall der Ernte. Fünf, maximal sechs Pflanzen passen vor das Wohnzimmerfenster. Im Garten ist leider kein Platz für ein Tomatenhaus. Mittlerweile gibt es aber Krautfäule-tolerante Sorten, mit einer davon habe ich seit zwei Jahren gute Erfahrungen im Freiland gemacht.

Was nun leider noch fehlt, sind setzreife Tomatenpflänzchen. Während um mich herum die Nachbarn schon Tomaten gepflanzt haben, mickern meine selbstgezogenen Setzlinge noch immer herum.

Noch mickrig: Die Tomatenpflänzchen mögen das Wetter nicht. Foto: Marion Menrath

Noch mickrig: Die Tomatenpflänzchen mögen das Wetter nicht. Foto: Marion Menrath

Ich habe natürlich viel zu spät ausgesät, nämlich erst vor einem Monat. Aber vorher war das Wetter einfach zu schlecht. Auch so sind dieses Jahr nur knapp zwei Drittel der Samen gekeimt – 15 von 24. In den Vorjahren hatte ich dagegen praktische keine Ausfälle.

Warum ich dann nicht im nächsten Gartenmarkt Pflänzchen kaufe? Weil meine Tomaten etwas Besonderes sind; die überwiegend alten Sorten (und eine neue) habe ich vom Internetdealer meines Vertrauens erworben. In diesem Jahr habe ich folgende Sorten ausgesät:

  • Andenhorn: Eine Sorte aus Südamerika mit hörnchenförmigen, großen Tomaten, deren Form an Spitzpaprika erinnert und sehr viel Fleisch und wenig Kerne hat.
  • Auriga: Orangene Tomate, soll würzig-süß schmecken, ertragreich sein und aus der ehemaligen DDR stammen.
  • Feuerwerk: Alte russische Sorte, optisch sehr ansprechend, rot-gelb gestreift.
  • Philovita, F1-Hybride. Eine rote, sehr süße und ertragreiche Cocktailtomate. Für diese Sorte bin ich schwach geworden, sie  spaltet die Hobbygärtnerwelt. Gezüchtet wurde sie von De Ruiter Seeds, seit 2008 eine hundertprozentige Tochter von Monsanto. Monsanto wiederum ist berüchtigt dafür, weltweit Saatgutpatente aufzukaufen und die Patente insbesondere im Umgang mit Kleinbauern in der Dritten Welt rüde durchzusetzen. F1-Hybride bedeutet zudem, dass die Sorte nicht samenfest ist; das heißt bei den Nachkommen werden erwünschte Eigenschaften in nicht vorhersehbarer Weise vererbt.  F1-Hybriden müsse deshalb aufwendig immer neu aus zwei Elternsorten gekreuzt werden; entsprechend teuer sind die Samen. Gentechnik ist dabei übrigens nicht im Spiel. Doch wie man es dreht und wendet: Sie war bisher mit Ausnahme eines Wildlings vom Kompost in den beiden vergangenen Jahren die einzige, die bei mir im Freiland, völlig ohne Schutz, hohe Erträge gebracht hat und das bis zum ersten Frost.
  • Schwarzer Prinz: Eine alte russische Sorte aus Sibirien mit dunkelroter, purpurner Schale, die sehr gut schmecken soll. Der Prinz soll dieses Jahr die Schwarze Krim ablösen, ebenfalls eine schwärzliche russische Sorte, deren schwere Früchte bis 350 Gramm aber hohe Anforderungen an eine stabile Anbindung der Pflanzen stellen. Nun habe ich allerdings (zu spät) gelesen, dass auch die Prinztomaten dieses Gewicht erreichen.

Und falls zufällig jemand von der EU-Kommission mitlesen sollte. Ich habe diese Tomatensamen (mit Ausnahme der Philovita) natürlich als Zierpflanzen gekauft und baue sie wegen der hübschen Blüten auch im Blumenbeet vor dem Wohnzimmerfenster an. Die meisten dieser wunderbaren alten Bauernsorten haben nämlich keine Saatgutzulassung in der EU und wohl auch keine Chance eine zu bekommen.

In dieser Richtung droht übrigens neues Ungemach aus Brüssel, denn die EU-Kommission will das Saatgutrecht novellieren. Viele Initiativen, die sich für Vielfalt und alte Sorten auf dem Acker einsetzen, befürchten das Schlimmste. Spiegel zu Saatgutverordnung Eine erste Fassung las sich so, dass selbst Hobbygärtner kein Samenkörnchen mehr austauschen dürften. Das ist wohl schon vom Tisch. Auch “Mikrounternehmen” unter zwei Millionen Euro Umsatz sollen außen vor bleiben. Doch was ist mit größeren Unternehmen? Die Materie ist komplex. Auf alle Fälle sollte man die EU-Kommission im Auge behalten: Save our Seeds

One thought on “Mickrige Tomaten

  1. Seit einigen Jahren baue ich in kleinen Mengen auch bunte Kartoffeln an. In einem Kartoffelsalat sorgen sie immer für einen tollen Effekt. Meine derzeitigen Sorten sind Rote Emma, Vitelotte, Lila Finger und eine mir namentlich Unbekannte, die hell fliederfarbenes Fleisch hat. Emma mal ausgenommen, sind diese Sorten wegen ihrer dunkleren Schale und auch weil sie recht klein bleiben, bei der Ernte nicht so leicht zu finden. Deshalb ziehe ich sie in großen Kübeln heran, die ich zunächst nur halbvoll mit Erde fülle. Wenn das erste Kartoffellaub erscheint, kommt etwas Erde drüber, damit ahme ich das Anhäufeln nach, bis der Kübel voll ist. Die Ausbeute im Kübel ist recht hoch, vielleicht gefällt es den Kartoffeln, dass sich die Erde darin schneller erwärmt.

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