Langsamer Abschied vom Buchs

Buchsbaumzünsler auf Buxus sempervirems

Trauriger Anblick: Dieser Buchsbaum macht seinem Beinamen “sempervirens” (immergrün) keine Ehre mehr. Er ist stark mit Buchsbaumzünslern befallen und wurde mittlerweile entfernt. Foto: Marion Menrath

Vor drei Jahren im Juni fing es an: Die kleine Buchsbaumhecke am Kirschbaum und die fünf größeren Büsche zeigten Fraßschäden an Blättern. Der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) war auch in meinem Garten angekommen.

Der Schädling ist wahrscheinlich mit Buchssetzlingen aus Ostasien nach Europa eingeschleppt worden. Erstmals in Deutschland beobachtet wurde er 2006. Seitdem breitet er sich rasant aus. Er ist extrem wirtsspezifisch und befällt hauptsächlich die Arten Buxus sempervirens und Buxus microhylla (Gewöhnlicher und Japanischer oder Kleinblättriger Buchsbaum), die in Mitteleuropa die häufigsten sind.

Die erwachsenen Buchsbaumzünsler sind unauffällige Kleinschmetterlinge mit maximal 45 Millimeter Flügelspannweite. Foto: Hubert Berberich/Wikipedia

Die erwachsenen Buchsbaumzünsler sind unauffällige Kleinschmetterlinge mit maximal 45 Millimeter Flügelspannweite. Foto: Hubert Berberich/Wikipedia

Die erwachsenen Falter sind unauffällige weiß-braune Kleinschmetterlinge mit einer Flügelspannweite bis 45 Millimeter. Die Weibchen legen bereits ab März bis zu 150 Eier ins Innere der Buchsbaumpflanzen. Die daraus schlüpfenden Raupen fressen zunächst Blätter, später auch Rinde, worauf dann ganze Triebe absterben können.

Sieht niedlich aus, wie die Raupe Klimmzüge macht. Weniger schön ist, dass die Raupe des Buchsbaumzünslers sich mit ihren Geschwistern über meine Buchsbäumchen hermacht. Foto: Marion Menrath

In diesem Glas ist diese Raupe des Buchsbaumzünslers sehr auffällig gefärbt. In ihrer natürlichen Umgebung verschwindet sie aber vor dem Hintergrund. Foto: Marion Menrath

Die grünen Raupen mit schwarzen Punkten bleiben im Inneren der Büsche lange unbemerkt. Sie sind am leichtesten an den Gespinsten zu erkennen, in deren Nähe sie sich aufhalten. Da die Raupen Giftstoffe aus dem Buchs einlagern, haben sie in Mitteleuropa keine natürlichen Feinde.
Zur Bekämpfung wird empfohlen, möglichst viele Raupen abzulesen. Manch Gärtner behandelt seine Buchsbäume regelmäßig mit dem Hochdruckreiniger. Auch biologische Mittel, die lebende Bakterien der Art Bacillus thuringiensis oder Neemöl enthalten, wirken. Chemische Mittel kommen nicht in meinen Garten.
Problem: Da die Zünsler in einem Jahr bis zu vier Generationen hervorbringen können, muss man ständig dran bleiben. Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob es der Aufwand auf Dauer wert ist.
Gut sortierte Gärtnereien haben mittlerweile Alternativen zum Buchs im Programm, die aber noch deutlich teurer sind: Beispielsweise Japanische Stechpalme (Ilex crenata), Buchsblättrige Berberitze (Berberis buxifolia), Zwergliguster (Ligustrum vulgare) oder Heckenmyrte (Lonicera nitida).

Ich habe mittlerweile zwei der am meisten betroffenen Büsche gerodet und auf der so entstandenen Freifläche schattenverträgliche Stauden wie Tränendes Herz, Waldanemone, Waldgeißbart, Eisenhut, Fingerhut und einen Farn angepflanzt. Waldgeißbart, Eisen- und Fingerhut sind leider dieses Jahr nicht wieder aufgetaucht, wahrscheinlich mögen sie den Griesheimer Sandboden nicht. Doch das ist eine andere Geschichte.

Die kleine Hecke am Kirschbaum, die vergangenes Jahr komplett abgenagt war, hat wieder ausgeschlagen. Allerdings hatte ich zuvor schon wieder 40 – 50 Raupen abgelesen, die mangels Blättern schon an der Rinde nagten.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer kommt vom Hochrhein in Grenzach-Wyhlen: Dort hatte der Zünsler 2010 auf 100 Hektar den natürlich vorkommenden Buchswald in einem Naturschutzgebiet völlig kahl gefressen. Mittlerweile berichtet der BUND, dass sich der Bestand an einigen sonnigen Stellen erholt habe.
Internet www.buchsbaumzuensler.net

3 thoughts on “Langsamer Abschied vom Buchs

  1. Schöner Blog !!
    ich habe selbst Beobachtungen gemacht zum Buchsbaumzünsler und ein Video erstellt. Die Vögel fressen offenbar unbeschadet alle Raupen weg bei meinem Wohnort bei Heidelberg (verschiedene Stellen) Wenn die Vögel gefüttert werden umso mehr. Ich muss nicht mehr spritzen. Hier der Link
    https://www.youtube.com/watch?v=mfwjBw_tC70
    das sollte viele wissen…
    Grüße

  2. Hallo ihr Lieben,

    mittlerweile wird schon von Spatzen beobachtet, wie Sie den Buchsbaumzünsler verspeisen. Total beeindruckend wie schnell sich die Natur anpasst. Wollen wir nur hoffen, dass nicht noch mehr Schädlinge sich so schnell verbreiten, denn die Natur braucht Immer ein bisschen.

    LG
    Martin

    • Spatzen habe ich leider noch nicht beim Raupensammeln beobachtet, obwohl ich von beiden (Spatzen und Raupen) genügend im Garten habe. Mittlerweile verteidige ich die letzten beiden Buchsbaumbüsche, hauptsächlich mit Bacillus thuriengiensis. Leider arbeiten die Bakterien laut Packungsaufdruck erst ab 15 Grad Celsius zuverlässig. Im Frühjahr habe ich deswegen lange gezögert, das Präparat einzusetzen. Da sind die Raupen, von denen ich ca. 60 Stück von Hand abgesammelt habe, in der Zwischenzeit fett und rund geworden.
      Viele Grüße
      Marion

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