Im Früchtewunderland auf Madeira

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Früchtevielfalt in der Markthalle von Madeiras Hauptstadt Funchal. Foto: Marion Menrath

Wer samstags in der Markthalle von Madeiras Hauptstadt Funchal steht, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Bananen, Papayas, Avocados und Mango sind zwar längst auch in Deutschlands Supermärkten zu kaufen, doch nicht in dieser Frische und Vielfalt. Das ganzjährig milde Klima macht es möglich. Passionsfrüchte (Maracuja) gibt es beispielsweise in verschiedenen Geschmacksrichtungen – einige schmecken eher nach Banane, andere nach Zitrone. Andere Früchte und Gemüse sieht man dagegen selten oder nie in Mitteleuropa.
Pimpinela heiße das Gemüse auf einem der Tapas, sagte die freundliche Inhaberin in der Taberna Zézinho das Moças in Funchal.

Chayote-Früchte in Funchals Markthalle. Foto: Frank Fleischacker

Pimpinela heißt auf Deutsch Chayote und gehört in die Familie der Kürbisgewächse. Foto: Frank Fleischacker

Im Standardmenü werden dort jeden Tag sechs andere, fantasievoll komponierte Tapas serviert. Unser Favorit waren Granatapfelkerne mit Frischkäse auf einem leicht angerösteten Brot. Die Pimpinela schmeckt am ehesten nach Kohlrabi. Sie stammt aus der Familie der Kürbisgewächse und wird in Deutschland als Chayote verkauft, wie wir mittlerweile wissen. Die Madeira-Bananen sind kaum kleiner als die aus Südamerika, schmecken aber wie die Verwandten von den Kanaren wesentlich intensiver. Auch Cherimoya, Surinamkirschen (Pitanga), Guaven und Baumtomaten werden angebaut. Die Knabberei, die in Kneipen zum Getränk serviert wird, hielten wir zunächst für in Salzlake eingelegte Weiße Bohnen. Es waren aber Kerne der Weißen oder Gelben Süßlupine, eine andere Hülsenfrucht, die im Gegensatz zu  mitteleuropäischen Lupinen kaum noch giftige Bitterstoffe enthält. Der Rest wird wohl durch ausgiebiges Einlegen und Kochen in Salzwasser entfernt.

Wer all das einmal in natura wachsen sehen will, ist in Fajã dos Padres am richtigen Ort. Die winzige Landzunge am Fuß einer 250 Meter hohen Felsküste in der Nähe der berühmten Steilklippe Cabo Girão bietet besondere Klimabedingungen, die den Anbau vieler tropischer Früchte ermöglichen. Die Felswand speichert die Wärme und schützt gegen kalte Winde aus dem Norden. Die Landzunge ist nur mit dem Boot oder einem abenteuerlich ächzenden Panoramalift zugänglich, der nach jeder Fahrt vier Minuten Verschnaufpause braucht.

Faja dos Padres. Foto: Frank Fleischacker

Faja dos Padres auf Madeira ist eine winzige Landzunge auf Madeira, die nur per Boot oder über einen 250 Meter hohen Lift zu erreichen ist. Die besondere Lage ermöglicht den Anbau vieler tropischer Früchte. Foto: Frank Fleischacker

Der Name bezieht sich auf die ursprünglichen Eigentümer, den Jesuitenorden, der dort 150 Jahre lang Malvasia-Wein angebaut haben soll. Es folgten Zuckerrohr und bis in die achtziger Jahre eine umfangreiche Bananenplantage. Die jetzigen Besitzer strukturierten den Betrieb um und stellten seit 2008 auf ökologische Landwirtschaft um.

Mangobaum auf Madeira. Foto: Marion Menrath

Mangos wachsen wie bei uns Zwetschgen am Baum. Foto: Marion Menrath

Neben 1,5 Hektar Bananen gibt es mittlerweile zwei Hektar Mangobäume mit 20 verschiedenen Sorten, je ein Hektar Malvasia-Weinreben und Avocadosträucher, dazu Feigen, einzelne Papayabäume, Guaven, Surinamkirschen und einen Hausgarten zur Versorgung des Restaurants.

Avocadosträucher auf Madeira. Foto: Marion Menrath

Avocadosträucher auf Madeira. Foto: Marion Menrath

Parallel zur Landwirtschaft wurde auch die touristische Infrastruktur ausgebaut. Zwar gibt es auf Madeira noch weitere solcher, nur mit Boot und Seilbahnen zugänglichen Felder am Fuße von Klippen, beispielsweise die Fajãs do Cabo Girão an dem berühmten gleichnamigen Aussichtspunkt und die Fajã da Rocha do Navio bei Santana im Norden. Günstige Klimaverhältnisse belohnen den hohen Aufwand. Doch nur im Fajã dos Padres hat sich daraus eine kleine touristische Oase entwickelt. Neben dem Restaurant gibt es einen kleinen Badebetrieb mit Liegen und Sonnenschirmen am Bootssteg. Außerdem haben die Besitzer die ursprünglichen Häuser von Landarbeitern in Ferienvillen umgebaut. Ein Mitfahrer im Lift schwärmt uns von der fantastischen Ruhe abends vor.

Für die Tagesgäste endet der Liftbetrieb nämlich um 18 Uhr. Dann ist in der Hochsaison der Andrang so groß, dass man manchmal mehrere Fuhren abwarten muss, bis man mitkommt. Der Lift ist nur für maximal acht Leute zugelassen und pausiert nach jeder Fahrt wie erwähnt vier Minuten. Als sich kurz vor der Abfahrt noch zwei Bauarbeiter reindrängen, ächzt der nun offiziell überladene Lift noch schlimmer als auf der Hinfahrt. Ein Geheimtipp ist das in vielen Reiseführern erwähnte und von Funchal schnelle erreichbare Stück Land nämlich längst nicht mehr. Dem tragen auch die Besitzer Rechnung. Das nächste Projekt ist schon im Bau: Eine Seilbahn mit zwei Kabinen soll den Zugang künftig vereinfachen.

 

3 thoughts on “Im Früchtewunderland auf Madeira

  1. Eine tolle Insel ist das. Klasse Eindrücke, die du hier beschrieben hast. Das tolle an Madeira ist die Vielfalt. Botanisch, so wie du es hier beschreibst, aber auch landschaftsmäßig. Ich bin entlang der Levadas (die Bewässerungsstraßen der Bauern) mehrere Wanderungen gemacht. Unter anderem auch in die Berge, wo sich das Klima und das Naturschauspiel total verändert. Eine Reise dorthin ist ein Abenteuer an Sinneseindrücken. Ich komme ins Schwärmen … ;-)

    Viele Grüße

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