Halbgefrorenes

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Vor Schock erstarrt sind diese Rosenblüten nach dem ersten Nachtfrost Ende November. Foto: Marion Menrath

Gartenbesitzer müssen jetzt stark sein. Allmählich macht der Winter doch ernst. Zudem hat man nicht mehr so viel vom Garten, wenn es morgens beim Weggehen noch dunkel ist und abends beim Heimkommen schon wieder. Mitte vergangener Woche gab es schon einen Vorgeschmack mit zugefrorenen Autoscheiben und schockgefrosteten Rosen in der Nachbarschaft. Bei mir hat es in dieser Nacht die letzten Tomatenpflanzen dahin gerafft. Ich wollte mal sehen, wie lange sie geschützt von der Hauswand vor dem Wohnzimmerfenster durchhalten. Am 26. oder 27. November war es vorbei.

Und die Erkenntnis lautet wieder einmal, dass Tomaten kein bisschen Frost vertragen. Zwar sind sie in ihrer Heimat mehrjährig. Aber hierzulande bräuchte mal wohl ein sehr geräumiges, heizbares Gewächshaus, um sie über den Winter zu bringen. Da sie schon im Spätherbst immer krankheitsanfälliger werden (nur Andenhorn sah bis zuletzt kerngesund aus), lohnt sich der Aufwand einfach nicht.

Für die Rosen war der Frost das Signal, alle Blühversuche einzustellen und sich allmählich auch von den Blättern zu trennen.
rose_gefrorenWobei meine Kletterrosen noch immmer eisern an den Blättern festhalten – bis zuletzt. Andere Gartenpflanzen sind leider nicht so zurückhaltend. Nur eine Woche war ich Ende November fort. Danach konnte ich in unserer Einfahrt regelrecht durch das Laub waten. Die Nachbarn waren nicht entzückt.

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Zum Finale im Herbst überzeugt der Wilde Wein mit satten Rottönen. Man muss nur aufpassen, dass die wuchskräftigen Pflanzen nicht gleich das ganze Haus in Beschlag nehmen und Fenster und Dach überwuchern. Foto: Marion Menrath

Am gesittetsten verhält sich im Herbst der Wilde Wein an der Hauswand. Er verliert ab Ende Oktober einfach Blatt für Blatt und sorgt dabei noch einige Zeit für kräftige, rote Farbakzente. Weil die Blätter so groß und schwer sind, fallen sie meist ins Beet darunter. Dort können sie gerne bis zum Frühjahr bleiben und dabei noch empfindliche Pflanzen vor Frost schützen. Nur ab Februar sollte das Laub wieder weg: Sonst erstickt es die Veilchen, die früh austreiben, weil sie sonst keine Chancen mehr gegen größere Pflanzen haben. Liegenbleiben darf das Weinlaub dagegen unter den Himbeeren, wo es als natürliche Mulchdecke die Wurzeln vor Frost schützen soll.

Eine andere Strategie verfolgt die üppige Weigelie an der Einfahrt, die gerne alle Blätter auf einmal abwirft. Dann hat man einmal Material für eine ganze Biotonne. Dann ist es aber auch vorbei.

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Alles muss runter: Die Frühlingstamariske lässt sich im Herbst Zeit, bis die nadelartigen Blätter alle abgefallen sind. Tipp: Niemals über eine Einfahrt pflanzen, sonst nimmt das Fegen kein Ende. Foto: Marion Menrath

Am nervendsten sind die nadelartigen, zarten Blätter der Frühlingstamariske, die bei uns bis über die Einfahrt wächst. Die fiedrigen Blättchen sind schwer zusammenzufegen, weil sie sich in die kleinste Pflasterritze krallen. Tipp: Niemals über eine Einfahrt pflanzen, sondern in eine ruhige, sonnige Gartenecke, wo sie Platz hat. Frühlingstamarisken verkraften nämlich oft einen Schnitt nicht gut und sehen dann lange Zeit noch sparriger aus als normal. Und die Zweige sollten auch nicht über einen Goldfischteich ragen. Denn auch im Wasser machen sich die abgestorbenen Triebe nicht gut. Unserer können wir das Schneiden nicht ersparen, sonst sind irgendwann die Garagen nicht mehr benutzbar. Der Tipp kommt einige Jahrzehnte zu spät. Warum ich trotzdem an diesem Charakterstrauch hänge, zeigt ein Bild aus dem Frühjahr, wo sie ihren großen Auftritt hat.

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Im Frühling hat die Frühlingstamariske, wie es der Name vermuten lässt, ihren großen Auftritt. Dafür verzeiht man ihr auch die Allüren im Herbst, wenn sie die nadelartigen Blatttriebe weiträumig verstreut. Foto: Marion Menrath

2 thoughts on “Halbgefrorenes

  1. Sehr guter Beitrag! Dazu hätte ich einige Fragen: Mein Nachbar hat wilden Wein am Gartenzaun und der wuchert wie wild. Ich habe vor einigen Jahren den Fehler gemacht und die langen Triebe abgeschnitten. Die habe ich dann in den Häcksler getan und das Kleingestückelte in meinem Garten verteilt. Ich muss Ihnen ja sicher nicht sagen was passiert ist? Ich hatte nach kurzer Zeit überall den wilden Wein. Wenn ich das hier lese da stellt sich mir doch ne Frage. Wenn die blätter liegen bleiben, bilden die keine Wurzeln? Das laub sieht ja wirklich dekorativ aus und wenn es Ende Oktober runter fällt und noch schöne sonnige Oktobertage zu erwarten sind, dann kann das doch Austreiben?

    • Liebe Mille,

      ab und zu treibt bei mir mal ein wildes Weinlein in einem Blumenkübel aus. Das stammt aber eher aus den Beeren, die die Vögel verschleppen. Im Garten habe ich aber noch wesentlich wuchskräftigers Kraut als den wilden Wein, der sehr spät austreibt. Im Spätherbst habe ich beispielsweise viele Triebe vom Kleinen Immergrün gerodet, das anfing die Beete zu erobern. An einer Ecke der Hauswand wächst eine Fingerblättrige Akebie (Schokoladenwein). Die behält die Blätter sehr lange, bleibt teilweise wintergrün und blüht schon im April (und duftet dabei wunderbar). Die nutzt den Wilden Wein als Kletterhilfe, der vollkommen darunter verschwindet. Nächstes Frühjahr muss ich die Frühlingstamariske retten, die sehr sonnenhungrig ist und allmählich von der Akebie zugewuchert wird. Vom Bambus, den meine Vorvorgängerin leichtsinnigerweise ohne Wurzelsperre gepflanzt hat, will ich erst gar nicht anfangen. Meterweise entfernt treibt der wieder aus. Der wartet nur, bis das Haus irgendwann schwächelt, um dann mitten im Wohnzimmer ans Tageslicht zu kommen.

      Aber die Blätter vom Wilden Wein sollten eigentlich auch aus anderen Gründen harmlos sein: Bevor der Weinstock sich davon trennt, baut er das Chlorophyll ab. Und soweit ich mich erinnere, wächst auch eine Trennschicht zwischen Blatt und Pflanze heran, bevor das Blatt von selbst abfällt. Die sollten danach nicht mehr austreiben können. Tatsächlich ist im Frühjahr alles im braune Pampe gewesen.

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