Exoten im Freiland

Ein Hauch Tropen in Südhessen: Diese Bananenstauden stehen ganzjährig im Garten. Foto: Anton Gauder

Ein Hauch Tropen in Südhessen: Diese Bananenstauden stehen ganzjährig im Garten. Foto: Anton Gauder

Wieder etwas dazu gelernt. Beiläufig hatte ich im letzten Beitrag erwähnt, dass es in Griesheim einem Hobbygärtner gelungen ist, Bananenstauden und andere Exoten im Freiland zu überwintern. Und schwupps schon meldet er sich und ich bin jetzt um einiges schlauer, wenns ums Überwintern von Pflanzen aus den Tropen und Subtropen geht.
Dass Mandelbäume an der Bergstraße fast so üppig wie im Süden blühen, Kiwis in Innenhöfen und Feigen im Schutz von Hauswänden reifen, ist schon fast normal. Doch wenn im Vorgarten von Anton und Monika Gauder in Griesheim die Bananenstauden sprießen, halten Fußgänger und Radfahrer an, um die üppigen Pflanzen zu bewundern. Die meisten wollen dann wissen, ob Gauders die Pflanzen drinnen überwintern.

Monika und Anton Gauder kennen sich mit exotischen Pflanzen aus. Foto: Marion Menrath

Monika und Anton Gauder kennen sich mit exotischen Pflanzen aus.Ungewöhnlich früh haben die Bananenstauden im Freiland dieses Jahr wieder ausgetrieben und sind schon zwei Meter hoch. Foto: Marion Menrath

Doch das ist nicht der Fall. “Die sind schon vier Jahre draußen in der Erde”, berichtet der 65-Jährige. Die Bananen haben im Freiland schon strenge Winter mit Temperaturen bis minus 15 Grad überlebt. Die Liebe zu Bananen hat das Ehepaar von Urlauben auf der Kanareninsel Teneriffa mitgebracht, wo beide die aromatischen kleinen Kanarenbananen genossen und in den Plantagen spazierengingen.
Aus drei kleinen Pflanzen sind mittlerweile 16 Scheinstämme geworden, die bei der Gattung Musa aus ineinander geschachtelten Blattscheiden bestehen. Neben Bananen kann man auch Olivenbäume, Passionsblumen und Feigen im Freiland überwintern, mit entsprechenden Vorkehrungen, versteht sich. Anton Gauder verrät, wie es gelingt.

Die Bananen hat er ausgepflanzt, weil die Rhizome auf die es ankommt, im Boden besser vor Frost geschützt sind als in einem Kübel. Wegen der Größe der Pflanzen stoße der Wintergarten irgendwann an seine Grenzen, sagt Monika Gauder. Um die Pflanzen hat Anton Gauder im Spätherbst mit etwas Abstand eine Art Gehege aus Kaninchendraht, feinem Maschendraht, gebaut. Das hat er mit viel trockenem Laub aufgefüllt. Die Scheinstämme hat er etwas höher abgesägt – die großen Blätter werden im Winter sowieso braun.
Laub isoliere gut, sagt Gauder. Von Noppenfolie hält er nichts – darunter verrotteten die Pflanzen nur. Dennoch dürfe die Wurzel auch im Winter nicht total austrocknen. Er wässert die Pflanzen über ein Rohr, dass bis zum Boden reicht, damit das Laub trocken bleibt.
Im Frühjahr treiben die Bananenstauden in der Mitte der Scheinstämme wieder aus – in diesem Jahr ungewöhnlich früh, sodass die Pflanzen schon wieder zwei Meter hoch sind. Im Sommer legen sie gut einen Meter zu und wachsen bis in den ersten Stock des Einfamilienhauses.
Nur geblüht und Früchte getragen haben die Stauden noch nicht. Doch das kann noch kommen, denn eigentlich ist je nach Art erst ab dem vierten Jahr damit zu rechnen. Wobei der Griesheimer nicht genau weiß, welche Musa-Art er im Garten hat. Als winterhärteste Art gilt die Musa Basjoo, die Japanische Faserbanane, die aber aus China stammt und auch in Mitteleuropa blühen soll.

Auch die beiden Olivenbäume überwintern im Freiland. Sie sind einfach zu groß für den Wintergarten geworden. Foto: Anton Gauder

Auch die beiden Olivenbäume überwintern im Freiland. Sie sind einfach zu groß für den Wintergarten geworden. Foto: Anton Gauder

Reichlich Früchte getragen haben aber die beiden 60 und 75 Jahre alten Olivenbäume im Garten, die Gauder ebenfalls seit vier Jahren hat. “In den ersten Jahren habe ich die immer in den Wintergarten gebracht”, erläutert Gauder. Doch um die schweren Pflanzen zu bewegen, waren vier Männer nötig. Jetzt bleiben die Oliven draußen. Die Töpfe werden gut mit Schaumstoff eingepackt und die Bäume mit einem Zelt gegen Wind, Schnee und zu viel Regen geschützt. An sehr kalten Tagen stellt Anton Gauder im Zelt eine Partylichterkette an, die etwas Wärme abgibt.

Die Feigen treiben parallel zu den Blättern gleich neue Fruchtansätze aus. Foto: Marion Menrath

Die Feigen treiben parallel zu den Blättern gleich neue Fruchtansätze aus. Foto: Marion Menrath

Auch die beiden Feigenbäume wurden mit Zeltplanen geschützt – sie treiben derzeit nicht nur Blätter, sondern gleich neue Fruchtansätze aus. Und selbst die Passionsblume im Innenhof strebt schon wieder nach oben. Sie ist die Nachfolgerin einer winterharten Pflanze, die nach Lianenart den benachbarten Kirschbaum eroberte.

Nur die Zitrusgewächse, für die Monika Gauder zuständig ist, Zitronen, Mandarinen und Orangen, stehen noch geschützt im Wintergarten. Sie tragen Blüten und Früchte. Während die Pflanzen selbst etwas Frost vertragen, fallen Blüten und Früchte ab, wenn die Temperatur unter null Grad sinkt.

5 thoughts on “Exoten im Freiland

  1. Ich habe vor 2 Jahren einen Orangenbaum geschenkt bekommen und hüte ihn wie meinen Augapfel. Nun lese ich hier, dass die Bäume bei euch ins Freie dürfen. Das finde ich toll und werde das auch ausprobieren. Mein Bäumchen ist 30 cm hoch (ohne Topf). Kann ich es schon wagen?

    • Im Sommer sollte es eigentlich kein Problem sein, Zitrusgewächse nach draußen zu stellen. Ich würde aber vielleicht noch die Eisheiligen Mitte Mai abwarten, wenn das Bäumchen noch nie draußen war. Besonders empfindlich sind wohl Blüten und Früchte. Da meine aus Kernen selbstgezogenen Zitronenbäumchen noch nie geblüht haben, stehen sie auch schon mit dem Olivenbäumchen im Garten.

  2. Sehr interessanter Artikel. Danke! I.ü. kann man durchaus auch bestimmte Palmen, Yuccas oder Agaven mit ein wenig Winterschutz bei uns auspflanzen…
    Liebe Grüße
    tom

  3. HALLO ICH BESITZE 2 musa basjoo BANANENPFLANZEN DIE JETZT NOCH IN TÖPFE SIND MEINE FRAGE KANN ICH DIESE JETZT NOCH IM GARTEN IN DIE ERDE BRINGEN UND DANN WINTERFEST MACHEN?

    MFG INGO

    • Hallo Ingo,
      ich würde das nicht mehr riskieren. Bei den Bananen des Nachbarn stirbt im Winter immer der gesamte oberirdische Teil ab. Es dauert dann bis Mai, bis die Blätter wieder über den Zaun hinausragen. Aber so spät im Jahr haben die Pflanzen kaum noch Zeit, sich unterirdisch auszubreiten. Es wird ja auch bei wärmeliebenden Obstbäumen wie Aprikosen empfohlen, die lieber im Frühjahr zu pflanzen. Mir ist aber vor zwei bis drei Jahren auch eine Banane im Kübel eingegangen, die noch bis November draußen war. Das sah auch nach einem warmen Herbst aus und plötzlich kam dann doch über Nacht der Frost. Meine Zitronen- und Olivenbäumchen sind da wesentlich unproblematischer und nicht so leicht umzubringen.

      Viele Grüße
      Marion

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