Erstfrühling mit Forsythien

Erste Blüten an Forsythien

Die Forsythien treiben schon die ersten Blüten. Sie sind Zeigerpflanzen für den Erstfrühling. Foto: Marion Menrath

Kaum steigt die Temperatur um ein paar Grad, geht es mit dem Frühling voran. Die Schneeglöckchen wurden von Krokussen und frühen Osterglocken abgelöst. Amseln fangen zaghaft an, in der Abenddämmerung zu singen und auch das Zwitschern der Spatzen hört sich munterer an. In einigen Gärten treiben schon die ersten Forsythien aus. Der zu den Ölbaumgewächsen gehörende Strauch ist mit seinen leuchtend gelben Blüten eine so imposante und weit verbreitete Erscheinung, das er eine wichtige Zeigerpflanze im phänologischen Kalender ist.
Phänologisch bedeutet, dass die Jahreszeiten nach dem Erscheinen bestimmter Pflanzen unterteilt werden. Blühen die Forsythien, hat beispielsweise der Erstfrühling den Vorfrühling abgelöst. Gärtner sollten dann zur Schere greifen, um den Rosen einen Frühjahrsschnitt verpassen. Eine weitere Zeigerpflanzen für den Erstfrühling ist die Stachelbeere, die dann austreibt. Das ist aber natürlich weniger auffällig als die leuchtend gelben Forsythien.

Ökologisch betrachtet, sind Forsythien allerdings komplett nutzlos. Bienen und Hummeln ignorieren sie. Höchstens bieten sie mal Platz für ein Vogelnest.
Die meisten der in Mitteleuropa gepflanzten Sträucher sind nämlich Hybriden (Forsythia x intermedia) der beiden ostasiatischen Arten Forsythia suspensa und Forsythia viridissima. Die Blüten dieser Hybriden sind unfruchtbar und produzieren weder Nektar noch Pollen. Bienen und Hummeln suchen hier vergeblich nach Nahrung. Die Pflanzen werden ausschließlich über Stecklinge vermehrt.

Die Hybridsorten haben sich wohl als Gartenpflanzen durchgesetzt, weil die Blüten sowohl größer als auch zahlreicher als die der Elternpflanzen sein sollen.
Zumindest eine Sorte, die Forsythia Beatrix Farrand, soll aber nach Angabe von Baumschulen zumindest Pollen produzieren und später auch Früchte tragen.

Dann gibt es neben vielen ostasiatischen Arten noch die Europäische Forsythie (Forsythia europaea), die auf dem Balkan vorkommt (insbesondere von Serbien bis Albanien) und ebenfalls Pollen produziert. In Deutschland ist sie aber eine Seltenheit – bei heimischen Anbietern habe ich diese Art nicht gefunden.

Wer auf den gelben Blütenrausch nicht verzichten mag, sollte zumindest an anderer Stelle im Garten etwas für hungrige Insekten parat haben.

Eine Holzbiene besucht Blüten der Wohlriechenden Heckenkirsche. Foto: Marion Menrath

Eine Holzbiene besucht Blüten der Wohlriechenden Heckenkirsche. Foto: Marion Menrath

Mein Lieblingsstrauch in dieser Jahreszeit kommt ebenfalls aus Ostasien: Die Wohlriechende Heckenkirsche, Lonicera fragrantissima, stammt aus China und ist ein ausgesprochener Frühblüher. Die ersten weißen Blüten erscheinen schon im Dezember. Zwischendurch ist Schnee auf die Blüten gefallen und harter Frost drüber weggegangen. Dann stirbt ein Satz Blüten frühzeitig ab. Doch sobald es wärmer wird, treiben die nächsten Knospen aus.

Zugegeben: Die Heckenkirsche liefert niemals einen solchen Blütenrausch wie Forsythien oder auch Kirschbäume und sie bildet mit ihrem eher lockeren Wuchs auch keine blickdichten Hecken. Dafür blüht sie über einen langen Zeitraum, kann locker bis Anfang April durchhalten.

Früchte der Wohlriechenden Heckenkirsche. Foto: Marion Menrath

Da die Blüten bei Bestäubern sehr begehrt sind, bildet die Wohlriechende Heckenkírsche im Mai viele herzförmige Früchte. Foto: Marion Menrath

Die Blüten haben selbst für Menschen einen intensiven honigartigen Duft. Am Hauseingang platziert, ist der Strauch ein permanentes Versprechen auf den nächsten Frühling. Bienen und Hummeln finden sie unwiderstehlich. Die Bestäuber waren im vergangenen Jahr so fleißig, dass sich unzählige herzförmige, rote Beeren entwickelt haben. Da wiederum stehen die Amseln drauf.

2 thoughts on “Erstfrühling mit Forsythien

    • Erwischt! Es ist jedes Jahr das Gleiche: Man wartet monatelang auf den Frühling, bestaunt tagelang, wie die ersten Schneeglöckchen und Krokusse austreiben und blühen. Irgendwann in einem warmen April geht es dann Schlag auf Schlag: Kirschbaum blüht; Apfelbaum blüht; Kirschbaum ruckzuck verblüht, weil eh auf dem absterbenden Ast; Apfelbaum setzt schon Früchte an; Flieder blüht überall, nur nicht bei mir, weil er zu dunkel steht; Weigelie und Rosen blühen; Unwetter drückt Weigelien- und Rosenblüten runter, sodass die Zweige in die Einfahrt hängen und ein Teil der Pracht runter muss. Gleichzeitig streut die Frühlingstamariske sägespänartige Blütenreste in die Einfahrt. Fortsetzung folgt…

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