Enttäuschung im Pflanzsack

Bunte, aber kärgliche Ernte: 436 Gramm lautete die Bilanz der Ernte in drei Pflanzsäcken in der Saison 2013. Es dominieren die Sorten Rote Emmalie und Vitelotte. Rechts sind zwei blasslila Knollen der Sorte Arran Victory zu sehen. Foto: Marion Menrath

Bunte, aber kärgliche Ernte: 436 Gramm lautete die Bilanz der Ernte in drei Pflanzsäcken in der Saison 2013. Es dominieren die Sorten Rote Emmalie und Vitelotte. Rechts sind zwei blasslila Knollen der Sorte Arran Victory zu sehen. Foto: Marion Menrath

Die dümmsten Bauern haben ja bekanntlich die dicksten Kartoffeln. Behauptet jedenfalls ein geläufiges Sprichwort. Was es über die Intelligenz des Gärtners aussagt, wenn dieser kaum mehr erntet, als er gepflanzt hat, darunter viele putzige Minikartoffeln, darüber wage ich dagegen nicht zu spekulieren.
Es waren im vergangenen Jahr exakt 435 Gramm aus drei Pflanzsäcken mit insgesamt 60 Liter Erde und das nach etwa vier Monaten Wachstum. Die geplante Verkostungsaktion bunter Kartoffeln mit Freunden musste ausfallen; die Menge reichte gerade für Pellkartoffeln für Zwei. Am Geschmack der bunten Miniernte war aber nichts auszusetzen.Ist das Experiment, Kartoffeln im Pflanzsack anzubauen, also grandios gescheitert? Das lässt sich noch nicht eindeutig sagen. Bei der Premiere 2012 sind immerhin 1,75 Kilogramm Kartoffeln zusammengekommen und das mit nur zwei Pflanzsäcken und den nicht so ertragreichen französischen Hörnchenkartoffeln La Ratte und Vitelotte. Immerhin wird die Methode in Büchern wie “Der Selbstversorger-Balkon” von Michael Breckwoldt als geeignet für Gärtner mit einem einigermaßen großen Balkon eingestuft.

Frühes Stadium der Kartoffelanzucht im Pflanzsack. Die Triebe werden immer wieder mit Erde bedeckt, bis der Pflanzsack voll ist. Foto: Marion Menrath

Frühes Stadium der Kartoffelanzucht im Pflanzsack. Die Triebe werden immer wieder mit Erde bedeckt, bis der Pflanzsack voll ist. Foto: Marion Menrath

Die Saison 2013 war geprägt durch den kühlen und nassen Frühling. So wurde es Juni, bis die meisten Kartoffeln endlich in die Erde kamen. Im Vorjahr war ich einen Monat früher dran. Und auch der Sommer war nach einer kurzen Hitzewelle oft regnerisch. Die Kartoffeln wollten lange nicht blühen. Doch erst nach der Blüte bilden sie anständig Knollen aus. Zudem nahmen Schnecken überhand und nagten am Kartoffellaub.
Deutschlandweit war 2013 kein gutes Kartoffeljahr. Das Bundeslandwirtschaftsministerium berichtete im Herbst von einem mit 9,2 Millionen Tonnen um 13,4 Prozent unter dem Vorjahr liegenden Ertrag. Im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt fiel die Ernte sogar um 17,7 Prozent geringer aus.
Dazu kamen hausgemachte Probleme: Kartoffeln sind nährstoffhungrige Starkzehrer, die gerne frischen Kompost mögen. Zwei der Pflanzsäcke waren jedoch über den Winter draußen stehengeblieben. Dort trieben Knollen, die den Winter überstanden haben wieder aus, darunter die hübsche und delikate blaue Trüffelkartoffel Vitelotte. Bis zur eigentlichen Pflanzzeit hatte diese schon viel Laub angesetzt. Größere Erdarbeiten kamen nicht mehr in Frage.

Kartoffeln im Pflanzsack. Dieses Foto entstand in der besseren Saison 2012. Im vergangenen Jahr haben Schnecken immer wieder das Kartoffellaub dezimiert. Foto: Marion Menrath

Kartoffeln im Pflanzsack. Dieses Foto entstand in der besseren Saison 2012. Im vergangenen Jahr haben Schnecken immer wieder das Kartoffellaub dezimiert. Foto: Marion Menrath

Nur ein Pflanzsack, der für die 2004 in Deutschland gezüchtete Rote Emmalie, wurde strikt nach Anleitung bepflanzt: Erst den Pflanzsack zu einem Drittel mit Erde füllen; dann bis zu fünf vorgetriebene Kartoffeln rein und eine weitere Erdschicht drüber füllen. Wenn die Sprosse zehn Zentimeter hoch sind, werden sie mit Erde bedeckt. Dies wird fortgesetzt, bis der Pflanzsack fast bis oben gefüllt ist.
Das Ganze soll die Sprossen wie beim Anhäufeln im Freiland immer wieder zur Knollenbildung anregen. Bei der Premiere 2012 waren die oberen Erdschichten jedoch fast knollenfrei. Dafür wuchsen die Kartoffeln dicht an dicht am Boden des Sacks.
Eigentlich wollte ich die Kartoffelexperimente nun beenden. Doch jetzt sind die neuen Gartenkataloge eingetroffen mit blau-, rot- und gelbfleischigen Schönheiten, darunter die blauviolette “Blaue Schweden”, die rote “Highland Burgundy Red” aus Schottland, Bamberger Hörnchen oder die gute alte Linda aus Deutschland. Spezialversender bieten mehr als 150 Sorten, während das Angebot im Supermarkt aus maximal zehn Sorten besteht.

Genügsam: Topinambur (Helianthus tuberosus) ist ein mit der Sonnenblume verwandter Korbblütler. Er soll dieses Jahr meine Pflanzsäcke verschönern. Foto: Darkone/Wikipedia

Genügsam: Topinambur (Helianthus tuberosus) ist ein mit der Sonnenblume verwandter Korbblütler. Er soll dieses Jahr meine Pflanzsäcke verschönern. Foto: Darkone/Wikipedia

Trotzdem will ich erst einmal keine Kartoffeln mehr pflanzen. Stattdessen will ich es im Pflanzsack mit den genügsameren Topinambur versuchen, die man schon ab Mitte März setzen kann. Im Kleingarten meiner Eltern diente der mit den  Sonnenblumen verwandte Korbblütler als Zierpflanze. Gegessen haben wir die Knollen damals nicht. Das will ich jetzt nachholen.

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