Der Spatz ist der König der Wintervögel

Männlicher Hausspatz

Männlicher Haussperling Foto: Arnold Paul/Wikipedia

Jetzt ist es amtlich: Der Hausspatz ist erneut der König der Wintervögel, gefolgt von Kohlmeisen und Blaumeisen auf den Plätzen zwei und drei. Exakt in dieser Reihenfolge habe ich die Vögel in meinem Garten auch gezählt: 22 Hausspatzen (was für ein Geflatter!), vier Kohlmeisen, drei Blaumeisen. Nicht gezählt habe ich leider das Elstern- und Türkentaubenpaar aus dem Nachbargarten, die sich in der Zählstunde rar machten, die beiden Amseln, die sich nach Abschluss der Zählung über die Reste der Beeren vom Wilden Wein hermachten und den Zaunkönig, der eines Tages – auch nach der Zählung – völlig ohne Scheu in der Heckenkirsche vor dem Fenster herumturnte.

Zum sechsten Mal hatte der Nabu in der zweiten Januarwoche zu einer bundesweiten Zählaktion der Gartenvögel aufgerufen. 92.000 Teilnehmer haben Ergebnisse aus über 61.000 Gärten übermittelt. In den jeweils einstündigen Beobachtungszeiträumen seien über 2,5 Millionen Vögel gezählt worden, schreibt der Nabu in einer Pressemitteilung. Pro Zählstelle wurden im Schnitt 41 Vögel erfasst.

Die Naturschützer erhoffen sich von der Zählaktion, frühzeitig Erkenntnisse über den Rückgang einzelner Arten zu gewinnen. Während die Amseln auf Platz vier sich von den Rückgängen durch das Usutu-Virus bereits wieder erholt haben, bereiten aktuell die Grünfinken Sorgen. Mit 1,8 Vögeln pro Garten seien nur noch etwas mehr als halb so viele Grünfinken wie 2011 gezählt worden. Als Grund vermutet der Nabu das 2009 erstmals beobachtete „Grünfinkensterben“. Es wird durch eine Infektion mit dem parasitären Einzeller Trichomonas gallinae verursacht, der besonders an sommerlichen Futterstellen und Vogeltränken übertragen wird. Viele Tauben beherbergen den Parasiten, ohne selbst krank zu werden. Warum ausgerechnet Grünfinken so empfindlich reagieren, weiß niemand. Der Nabu empfiehlt, sofort Futterstellen und Tränken abzubauen, wenn tote oder kranke Vögel gesichtet werden.

Blaumeise an der Futterstelle. Foto: Marion Menrath

Blaumeise an der Futterstelle. Die kleinen Turner kommen allerdings nur dann zum Zug, wenn Spatzen und Kohlmeisen anderweitig beschäftigt sind. Foto: Marion Menrath

Auch bei den Spatzen ist längst nicht alles Gold, was glänzt: Während Kohlmeisen in 92,8 Prozent der Gärten gesichtet wurden, tauchen Haussperlinge nur in 57,8 Prozent der Zählungen auf, mit einem Schnitt von sechs Tieren pro Garten. So gesehen, beherberge ich die Spatzen von fast vier Gärten, also noch für drei Nachbarn, bei mir. Und seit Mitte des 20. Jahrhunderts gibt es so starke Rückgänge der Bestände, dass der Hausspatz 2002 in Deutschland zum Vogel des Jahres ernannt wurde.  Die Naturschützer vom Nabu machen dafür den Rückgang an Nistmöglichkeiten durch die zunehmenden Fassadensanierungen und den Futtermangel in einer zunehmend aufgeräumten Landschaft verantwortlich.

Auch in meiner Kleinstadt sind die Veränderungen zu sehen: In den vergangenen 15 Jahren wurden immer mehr Gärten in den schlauchförmigen Grundstücken mit weiteren Häusern bebaut. Ältere kleine Häuser werden abgerissen und durch neue größere ersetzt. Die Spatzen leben bei uns im Sommer im Wilden Wein, der die ganze Westfront des Hauses bedeckt, dort nisten sie auch; im Winter übernachten sie notgedrungen in einer Bambushecke. Müssten wir die Hauswand dämmen, wäre das Spatzenbiotop mit einem Schlag futsch und die Vögel quasi obdachlos.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>