Das Wespennest

Wespennest im Efeu

Auch wenn das Wespennest im Efeu verborgen ist, sollte man nicht hineingreifen. Foto: Marion Menrath

Endlich weiß ich, was die Redewendung “In ein Wespennest stechen” bedeutet. Das heißt, hineingestochen habe ich nicht, eher hineingegriffen, jedenfalls fast. Dass die Wespen solche Annäherungsversuche nicht gut finden, kann man sich denken. Dass ich nichts von ihrer Anwesenheit wusste, lassen die Hautflügler auch nicht gelten.
Zu den aufwendigsten Aufgaben im kleinen Hausgarten gehört es, die ganzen schlingenden, rankenden und wuchernden Gewächse halbwegs im Zaum zu halten. Ohne menschliche Eingriffe wäre das Haus schon längst im Dschungel verschwunden, der Gehweg und die Nachbarhäuser kämen dann als nächstes dran. Trotzdem ist es nicht gerade aufregend, die Büsche zur Straße hin zu trimmen und den Efeu am Gartenzaun immer wieder zu kürzen. Da selbst Efeu irgendwann unter der Trockenheit leidet, wollte ich ganz am Ende noch hier und da ein paar braune Blätter entfernen – blöderweise ohne Handschuhe.

Wespe auf Blüten der Waldrebe

Blüten statt Kuchen: Auch Wespen suchen wie ihre beliebteren Verwandten Nektar in Blüten und bestäuben diese dabei. Auf dem Foto saugt sie an Blüten der Waldrebe. Foto: Marion Menrath

Als mir das auffiel, war es natürlich schon spät. Ich war bis auf eine Handbreite an das Nest herangekommen. Sechs bis sieben Wespen schwirrten aufgeregt herum und eine davon attackierte gleich einmal die Hand. Autsch. Zum Glück blieb es bei dem einen Stich. Mit kalten Wasser gekühlt und ein Gel gegen Insektenstiche aufgetragen, war die Sache schnell wieder vergessen. Und es war auch der erste Stich seit mindestens zehn Jahren.

Übrigens haben sich schon die alten Römer mit den Hautflüglern beschäftigt. Bei ihnen gab es die Redewendung “irritare crabrones”, Hornissen reizen. Hornissen, die größte heimische Wespenart, haben auch die Engländer beeindruckt. “Stir up a hornet’s nest” heißt ein entsprechender Spruch. Im übertragenen Sinn ist damit gemeint, an etwas zu rühren, dass einige lieber vergessen hätten.

Wespe an Blüten der Waldrebe. Foto: Marion Menrath

Wespe an Blüten der Waldrebe. Foto: Marion Menrath

Trotz ihres schlechten Rufs sind auch die beiden häufigsten Arten, die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) viel weniger aggressiv als man denkt. Die meiste Zeit des Jahres sind sie damit beschäftigt, Insekten als Futter für ihre Brut heranzuschaffen. Doch ab August, wenn der letzte Nachwuchs ausgeflogen ist, müssen die Wespen nur noch für sich sorgen und stehen dann auf Süßes.

Mit meinen Untermietern an der Straße habe ich mich erst einmal arrangiert. Möglicherweise habe ich auch Glück gehabt: Die rötlichen Flügel, Antennen und Beine sprechen dafür, dass es sich um Gallische Feldwespen handeln könnten, die als vergleichsweise friedliche Vertreter ihrer Familie gelten. Ein zweites Nest ist wahrscheinlich an der Gartenterrasse in einem Jalousiekasten verborgen. Als auf der Terrasse neulich abends Burger serviert wurden, ließen sich die Wespen zum Glück nicht blicken. Noch immer am Rätseln bin ich, wo die ganzen Wespen hinter dem Haus herkommen, die sich derzeit den Nektar aus den Blüten der Waldrebe schmecken lassen. Möglicherweise gibt es also noch ein drittes Nest.

One thought on “Das Wespennest

  1. Ich selber habe panische Angst vor diesen Insekten, bin zwar noch nie gestochen worden aber meine Mutter hat leider auch schon öfters mit den Biestern Bekanntschaft geschlossen…

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