Loch in der Hecke

Die Lebensbäume an unserem Garten sind nicht mehr ganz dicht. Rechts klafft ein Loch, nachdem tote Bäumchen entfernt wurden. Foto: Marion Menrath

Die Lebensbäume an unserem Garten sind nicht mehr ganz dicht. Rechts klafft ein Loch, nachdem tote Bäumchen entfernt wurden. Foto: Marion Menrath

Manchmal kann Gärtnern kann schön anstrengend werden, vor allem wenn man sich nicht erst im nächsten Baumarkt mit elektrischen Helfern eindeckt. Drei Thujen am Rand einer sich über die gesamte Gartenbreite erstreckenden Hecke mussten weg. Die angeblichen Lebensbäume machen ihrem Namen keine Ehre mehr, schon seit vergangenem Sommer sind sie braun und mausetot.

„Die wuchern doch wie Unkraut. Die kann man gar nicht umbringen“, sagte ein Kollege. Doch, das geht sogar überraschend schnell. Die Gattung Thuja aus der Familie der Zypressengewächse ist wie viele Nadelgewächse anfällig für Trockenheit. Der durchlässige Griesheimer Sand verschärft das Problem. Außerdem vertragen die aus Nordamerika oder Asien stammenden Gehölze kein Streusalz. Auch diverse Pilze und Insekten wie die Thuja-Miniermotte oder Thuja-Borkenkäfer haben es auf Lebensbäume abgesehen.

Schäden hatten die an einen Gehweg grenzenden Sträucher schon nach dem trockenen Frühjahr 2010. Seitdem ging es mit der Hecke zusehends bergab. Doch nun drängte die Zeit. Seit März 2010 stehen Hecken sieben Monate im Jahr unter besonderem Schutz.

Laut Paragraf 39 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es verboten, „Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze“ zwischen 1. März und 30. September „abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen“. Ziel des Gesetzes ist es, brütende Vögel zu schützen.

Thujenhecke von oben. Das Bild entstand im Frühjahr 2013. Schon damals ist zu erkennen, dass die Sträucher links stark geschädigt sind. Die gesamte Hecke braucht auch dringend einen Pflegeschnitt. Foto: Marion Menrath

Thujenhecke von oben. Das Bild entstand im Frühjahr 2013. Schon damals ist zu erkennen, dass die Sträucher links stark geschädigt sind. Die gesamte Hecke braucht auch dringend einen Pflegeschnitt. Foto: Marion Menrath

„Das gilt auch für Hausgärten“, bestätigt Dieter Ohl, Pressesprecher im Regierungspräsidium (RP) Darmstadt, der oberen Naturschutzbehörde für Südhessen. Die selben Fristen gelten für Straßenbäume, weshalb die städtischen Bauhöfe im Februar ziemlich beschäftigt sind.

Für Bäume im Wald oder in Privatgärten gelten diese starren Fristen nicht. Doch auch bei diesen ist der Naturschutz zu beachten. Demnach ist es verboten, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Je nach Kommune greift ab einem bestimmten Stammumfang zudem eine Baumschutzsatzung.

Aber was ist nun mit toten Hecken, die so löchrig sind, dass sie keinen Schutz mehr bieten? Die Spatzen nutzen die Thujen allenfalls zur Zwischenrast. Zum Brüten bevorzugen sie Eibe, Weigelie oder Wilden Wein, der die gesamte Westfront des Hauses überwuchert. Ein Nest habe ich in den Lebensbäumen noch nie gesehen.

Im Naturschutzgesetz sind tote Hecken offenbar nicht vorgesehen. Ohl empfiehlt, „bevor man noch vom Nachbar angezeigt wird“, sich im Einzelfall bei der zuständigen unteren Naturschutzbehörde zu erkundigen. Die entsprechenden Umweltämter sind über Kreisverwaltungen oder die Stadtverwaltung Darmstadt erreichbar. Ausnahmen seien möglich. Drohen Bäume oder Sträucher gar auf Passanten zu fallen, greift die Verkehrssicherheitspflicht. „Schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen“ seien auch vom 1. März bis 30. September zulässig, so Ohl. Auch dabei müsse man aber sicherstellen, dass in der Hecke kein Nest ist.

Mittlerweile bin ich der Hecke (natürlich noch vor dem 1. März) mit Baumschere und Körperkraft auf die Äste gerückt und habe die drei toten Bäumchen entfernt. Meine Hecke hat nun nach der Fällaktion ein Loch. Ersatz muss her. Thujen und Kirschlorbeer gelten als ökologisch langweilig.

Die Lücke weckt Wünsche, denn der Garten ist voll. Um Neues unterzubringen, muss immer erst Altes Platz machen. Ein Zierapfelbäumchen, ein Holunder oder ein Sommerflieder, der an einer anderen Stelle eingegangen ist, wären nett. Auch ein Feigenbäumchen hätte ich gerne. Im Garten meiner Eltern gab es eine Hecke mit lauter verschiedenen Sträuchern – Blutjohannisbeere, Weigelie und Ranunkelstrauch wecken Erinnerungen an die Kindheit.

Doch diese Sträucher wachsen auch in die Tiefe, mehr als ich in dem schmalen Streifen zwischen Zaun und Gartenteich zur Verfügung stehen. Dass die Hecke auch im Winter blickdicht sein soll, schränkt die Auswahl ein. Vielleicht gibt es ja eine neue Eibe, kombiniert mit einem laubabwerfenden Strauch, so dass die Lücke im Winter nicht ganz so groß ist.