Enttäuschung im Pflanzsack

Bunte, aber kärgliche Ernte: 436 Gramm lautete die Bilanz der Ernte in drei Pflanzsäcken in der Saison 2013. Es dominieren die Sorten Rote Emmalie und Vitelotte. Rechts sind zwei blasslila Knollen der Sorte Arran Victory zu sehen. Foto: Marion Menrath

Bunte, aber kärgliche Ernte: 436 Gramm lautete die Bilanz der Ernte in drei Pflanzsäcken in der Saison 2013. Es dominieren die Sorten Rote Emmalie und Vitelotte. Rechts sind zwei blasslila Knollen der Sorte Arran Victory zu sehen. Foto: Marion Menrath

Die dümmsten Bauern haben ja bekanntlich die dicksten Kartoffeln. Behauptet jedenfalls ein geläufiges Sprichwort. Was es über die Intelligenz des Gärtners aussagt, wenn dieser kaum mehr erntet, als er gepflanzt hat, darunter viele putzige Minikartoffeln, darüber wage ich dagegen nicht zu spekulieren.
Es waren im vergangenen Jahr exakt 435 Gramm aus drei Pflanzsäcken mit insgesamt 60 Liter Erde und das nach etwa vier Monaten Wachstum. Die geplante Verkostungsaktion bunter Kartoffeln mit Freunden musste ausfallen; die Menge reichte gerade für Pellkartoffeln für Zwei. Am Geschmack der bunten Miniernte war aber nichts auszusetzen. Continue reading

Januarrosen und Heuschnupfen im Winter

Voll im Saft: Kleinblütige Rose im Januar. Foto: Marion Menrath

Voll im Saft: Kleinblütige Rose im Januar. Foto: Marion Menrath

In meinem Garten blüht derzeit eine echte Rarität, eine winterblühende Rose, eine echte Januarrose eben. Doch normal ist das natürlich nicht. Schuld ist der bisher anormal milde Winter, in dem letzte Rosen parallel zu Schneeglöckchen blühen. Der Rasen ist grasgrün, Gänseblümchen und Stiefmütterchen haben bis jetzt durchgehalten und treffen auf echte Winterblüher wie Winterschneeball, Wohlriechende Heckenkirsche, Schneekirsche, Zaubernuss und Winterjasmin.

Ungewöhnliche Schönheit: Januarröschen. Foto: Marion Menrath

Ungewöhnliche Schönheit: Januarröschen. Foto: Marion Menrath

Die vollständig belaubte, kleinblütige weiße Rose hat die spärlichen Frosttage im Dezember im Gegensatz zu ihren Verwandten in der Nachbarschaft auch nur aufgrund günstiger Umstände überlebt: Sie steht auf der Südseite, in der Nähe von Teich und Gartenterrasse, die Wärme speichern und wird von dichten Hecken gegen kalte Winde abgeschirmt.

Mitten im Januar müssen Allergiker schon Mittel gegen Heuschnupfen besorgen: Zumindest im Rheingraben fliegen bereits Haselnuss- und Erlenpollen. Auch die Vögel sind schon auf Frühling eingestellt. Insbesondere Meisen beginnen bereits, ihre Brutreviere abzustecken, wie der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland mitteilt. Deshalb bittet der Nabu in einer Pressemitteilung um Vorsicht bei der Reinigung von Nistkästen: „Jetzt ist keine gute Zeit, um Nistkästen sauber zu machen. Die ersten Blau- und Kohlmeisen könnten schon eingezogen sein“, warnt der baden-württembergische Nabu-Landesvorsitzende Andre Baumann.

Filigran: Blüten der Wohlriechenden Heckenkirsche. Derzeit blüht sie, als sei schon März. Foto: Marion Menrath

Filigran: Blüten der Wohlriechenden Heckenkirsche. Foto: Marion Menrath

Während sich gut genährte Standvögel breit machen, fürchtet der Nabu, dass später eintreffende Zugvögel  das Nachsehen haben könnten. Auch  Winterschläfer wie Fledermäuse oder Igel  könnten Probleme bekommen: Bei milden Temperaturen verbrauchten sie mehr Körperfett, so Baumann. Das könnte fehlen, wenn es doch noch richtig kalt wird.

„Die Natur ist schon ein bisschen durcheinander“, sagt auch Werner Kluge, Bereichsleiter im Forstamt Lampertheim (Kreis Bergstraße): „Die Vögel zwitschern zur Unzeit. Die Silberreiher stehen auf der Wiese, wo sie derzeit eigentlich noch nichts verloren haben“. Für den Wald sei das derzeit alles unproblematisch. Zwar sei es besser, wenn Schädlinge wie Borkenkäfer durch kalte Winter in Schach gehalten würden. Doch das könne noch kommen: „Wir rechnen schon noch damit, dass das kalte Wetter aus den USA rüberschwappt“, sagt Kluge. Zwar fangen Hasel, Weiden und einzelne Pappeln an zu blühen. Bei Buchen und Eichen, die das Gerüst des Waldes bildeten, seien aber  keine Knospen zu sehen und keine Schäden zu befürchten.

Trotzdem klagt auch Hessen-Forst über das milde Wetter. Die Wintermonate seien nämlich Haupterntesaison für Eichen und Buchen.  Weil der  Frost weiter auf sich warten lasse und viele Böden aufgeweicht seien, sei ein Holztransport oft nicht sinnvoll. Um den Waldboden zu schützen, werde derzeit nur auf weniger empfindlichen Waldstandorten geerntet, sagt Michael Gerst, Leiter des Landesbetriebs Hessen-Forst.

Frost  wünscht sich auch Willi Billau, Vorsitzender des Regionalbauernverbands Starkenburg.  Der derzeitige nasse Boden sei anfällig für Verdichtungen. Frost sei  zudem ein wichtiges Werkzeug für den Pflanzenbau. Dabei werde die Bodenstruktur gesprengt: „Das Ergebnis ist  ganz feiner Gartenboden“, so Billau. Für die Pflanzen sei der warme Winter noch  unproblematisch, auch wenn Winterzwiebeln und Erdbeeren   bereits austreiben. Wenn es aber im Februar  Temperaturen unter minus zehn Grad gebe, seien  die Pflanzen nicht darauf vorbereitet und „bekommen eins auf die Mütze“. Wintergetreide schaffe auch das, „solange es nicht minus 20 Grad ohne Schnee gibt“.

Die Winzer wünschen sich dagegen eisige Kälte und zwar möglichst  sofort.  Der warme Winter hat ihnen wahrscheinlich  die Eisweinlese verdorben. „Die Aussichten sind doch sehr eingeschränkt“, sagt Otto Guthier, Vorsitzender des Weinbauverbands Hessische Bergstraße und Geschäftsführer der Bergsträßer Winzer eG. Für Ende Januar seien Temperaturen um minus fünf Grad angesagt. Zur Eisweinlese sollten es   mindestens minus sieben Grad sein. Zudem sind die Trauben bei feuchtwarmen Wetter von Fäulnis  bedroht. Bis Ende Januar wollen die Bergsträßer Winzer dem Winter noch eine Chance geben. Anfang Februar werden die Reben geschnitten; dann müssen die Trauben runter.