Monsterraupen auf dem Vormarsch

Fraßspuren an der Buchsbaumhecke. Gespinste und kahle Triebe sind erste Spuren des Buchsbaumzünslers. Foto: Marion Menrath

Fraßspuren an der Buchsbaumhecke. Gespinste und kahle Triebe sind erste Spuren des Buchsbaumzünslers. Foto: Marion Menrath

Da bemüht man sich, einen für Schmetterlinge einladenden Garten zu gestalten und dann kommen die Falschen: Ein unscheinbarer schwarz-weißer Schmetterling muss sich hinterrücks eingeschlichen haben. Gesehen habe ich ihn nicht, wohl aber seinen Nachwuchs. Fünfzehn, bis zu vier Zentimeter große, grüne Raupen habe ich in den letzten Tagen aus meinen Buchsbäumchen abgesammelt. Es besteht kein Zweifel: Der Buchsbaumzünsler (Cydalama perspectalis) ist in Griesheim angekommen.
Dabei würde ich Stein und Bein schwören, dass vor wenigen Wochen davon noch nichts zu sehen war. Einige geschenkte Pflanzen aus Bensheim-Auerbach waren der Anlass, mal wieder ins Innere des Buchses zu blicken. Denn an der Bergstraße zwischen Heppenheim und Seeheim gab es bereits im vergangenen Jahr viele Hilferufe verzweifelter Hobbygärtner. Besonders auf Friedhöfen, wo Buchs oft als Randbepflanzung von Gräbern verwendet wird, finden die Raupen ein Schlaraffenland vor. Auf Friedhöfen in Freiburg gibt es bereits extra Abfalltonnen nur für Buchs. Vermutlich, damit die Raupen sich nicht hinterrücks wieder rausschleichen können. Mit Buchssetzlingen ist der Schädling wahrscheinlich aus Ostasien eingeschleppt worden. Erstmals in Deutschland beobachtet wurde er 2006. Seitdem breitet er sich aber rasant aus.
Am Hochrhein in Grenzach-Wyhlen hat der Zünsler 2010 auf 100 Hektar den Buchswald völlig kahl gefressen, nach dem das dortige Naturschutzgebiet benannt ist. Es war eines von nur wenigen großen natürlichen Vorkommen des Buchses in Deutschland. Da die Raupe Giftstoffe der Pflanze aufnimmt, sind natürliche Feinde rar. Im Lepiforum, das sich den in Europa vorkommenden Schmetterlingen widmet, wird behauptet, dass Haussperlingen die Raupen fressen würden.

Sieht niedlich aus, wie die Raupe Klimmzüge macht. Weniger schön ist, dass die Raupe des Buchsbaumzünslers sich mit ihren Geschwistern über meine Buchsbäumchen hermacht. Foto: Marion Menrath

Sieht niedlich aus, wie die Raupe Klimmzüge macht. Weniger schön ist, dass die Raupe des Buchsbaumzünslers sich mit ihren Geschwistern über meine Buchsbäumchen hermacht. Foto: Marion Menrath

Spatzen habe ich zwar reichlich im Garten; doch diese hatten im verregneten Mai kein rechtes Brutglück. Mitten in der Regenzeit habe ich große, schon befiederte, tote Junge auf dem Boden gefunden. Erwachsene Spatzen sind jedoch Körnerfresser und haben kein Bedarf mehr an tierischen Proteinen.

Der Befall des Buchses ist von außen erst spät zu erkennen. Auch meine Bäumchen haben noch fleißig neue Triebe produziert. Doch im Inneren gibt es schon viele Gespinste, kahle Triebe und Blätter mit silbrig schimmernden Stellen. Da mir Gift nicht in den Garten kommt, habe ich schon Verschiedenes ausprobiert:

  • Raupen per Hand absammeln. Dies funktioniert nur gut mit den großen Exemplaren und selbst diese tarnen sich sehr gut im Buchs und in Gespinsten.
  • Buchs innen mit hartem Wasserstrahl abduschen, um Raupen und Gelege zu zerstören. Funktioniert wahrscheinlich nur, wenn man diese direkt erwischt. Einige gehen auch mit Hochdruckreiniger ran.
  • Im Internet kursiert eine Mischung mit drei Esslöffel Weinessig, 2 Esslöffel Rapsöl auf einen halben Liter Wasser. Das soll die Atemöffnungen der Raupen verkleben. Hört sich arbeitsaufwendig an, weil der Buchs durch und durch benetzt werden muss. Ich werde das aber mal an einem kleinen Exemplar ausprobieren.