Abschied vom Mai

Die Kirschen haben das Wetter satt. Statt reif zu werden, platzen sie lieber. Foto: Marion Menrath

Die Kirschen haben das Wetter satt. Statt reif zu werden, platzen sie lieber. Foto: Marion Menrath

Nein diesen Mai werde ich mit Sicherheit nicht vermissen. Er brachte viel zu viel Regen, mindestens doppelt so viel wie in normalen Jahren. Und auch der letzte Maitag am Freitag soll noch mal bis zu 40 Liter pro Quadratmeter im Gepäck haben. Selbst der Griesheimer Sand ist irgendwann mal nicht mehr aufnahmefähig.

Dafür knauserte der Mai mit Sonne, die sich kaum einmal einen ganzen Tag lang blicken ließ. Zwei fast schon flügge Jungspatzen haben es nicht geschafft. Sie sind offenbar kurz hintereinander am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag aus dem Nest in der Weigelie in unsere Hofeinfahrt gefallen. Auch die Stare sind plötzlich weg. Dabei saßen deren Junge trocken in einem Dachhohlraum. Zuletzt gesehen habe ich sie am Sonntag. Jetzt ist es auf einmal so ruhig im Garten. Ob sie schon nach Süden aufgebrochen sind?

Im Garten wuchern derzeit Pflanzen wie wild, die ich nicht so schätze. Schlingknöterich und Efeu kämpfen um die Vorherrschaft am Zaun und sind mal wieder dabei, gleich den Rest des Gartens in Besitz zu nehmen. Die frischen Efeublätter ähneln von der Größe her bereits kleinen Feigenblättern.

Die Rosen kränkeln dagegen. Die einen haben Mehltau, die anderen Rostpilze. Da es heute mal ausnahmsweise trocken war, habe ich massenweise rostbefallene Blätter und Triebe herausgeschnitten. Gift kommt mir nämlich nicht in den Garten. Gegen Mehltau soll im Verhältnis 1:9 verdünnte Milch helfen. Auch das habe ich mal ausprobiert. Schaden kanns nicht. Die Alternative wäre ein mittlerer Kahlschlag.

Auch die Kirschen haben es satt, ständig nass zu sein. Die frühreife Sorte platzt lieber, statt reif zu werden. Normalerweise (wenn die Sonne scheint) werden erst die Früchte oben im Bäumchen reif. Diesmal ist es umgekehrt. Das haben selbst die Amseln noch nicht mitbekommen.

Doch nicht alles am Mai war schlecht. Durch das kühle Wetter konnte man den Frühling quasi in Zeitlupe, Blüte für Blüte verfolgen. Die wichtigsten habe ich fotografisch in einer Zeitreise festgehalten, die von der Gegenwart zum Anfang des Monats zurückführt. Und nun freue ich mich auf den Juni. Der Mai kann von mir aus abtreten!

Weigelie in voller Blüte. Im vergangenen Jahr war sie 14 Tage früher dran. Foto: Marion Menrath

Weigelie in voller Blüte. Im vergangenen Jahr war sie 14 Tage früher dran. Foto: Marion Menrath

Alte englische Rosensorte. Dauerregen mag sie aber gar nicht. Foto: Marion Menrath

Alte englische Rosensorte. Dauerregen mag sie aber gar nicht. Foto: Marion Menrath

Die Clematis nutzt den Wilden Wein an der Hauswand als Rankhilfe. Foto: Marion Menrath

Die Clematis nutzt den Wilden Wein an der Hauswand als Rankhilfe. Foto: Marion Menrath

Prächtige alte Frühlingstamariske über der Hofeinfahrt. Bei Dauerregen hängen die mittlerweile verblühten Wedel so tief, dass kein Auto mehr drunterdurch passt. Deshalb musste mittlerweile einiges weichen. Foto: Marion Menrath

Prächtige alte Frühlingstamariske über der Hofeinfahrt. Bei Dauerregen hängen die mittlerweile verblühten Wedel so tief, dass kein Auto mehr drunterdurch passt. Deshalb musste mittlerweile einiges weichen. Foto: Marion Menrath

Das Fliederbäumchen der Sorte Sensation habe ich vor zwei Jahren gesetzt. Dieses Jahr blühte es zum ersten Mal. Die dunkelvioletten Blüten sind weiß gesäumt. Foto: Marion Menrath

Das Fliederbäumchen der Sorte Sensation habe ich vor zwei Jahren gesetzt. Dieses Jahr blühte es zum ersten Mal. Die dunkelvioletten Blüten sind weiß gesäumt. Foto: Marion Menrath

Der Blauregen blühte dieses Jahr zum ersten Mal wieder. Im vergangenen Jahr musste er radikal gestutzt werden, weil die Pergola ersetzt werden musste. Hat leider die Tendenz seine Tentakel zur Nachbarin auszustrecken. Foto: Marion Menrath

Der Blauregen blühte dieses Jahr zum ersten Mal wieder. Im vergangenen Jahr musste er radikal gestutzt werden, weil die Pergola ersetzt werden musste. Hat leider die Tendenz seine Tentakel zur Nachbarin auszustrecken. Foto: Marion Menrath

Neues vom Untermieter

Geräumig und trocken: Mein Starenkasten im Format XXL (links im Bild). Das Schlupfloch ins Innere ist von unten nicht zu sehen. Foto: Marion Menrath

Geräumig und trocken: Mein Starenkasten im Format XXL (links im Bild). Das Schlupfloch ins Innere ist von unten nicht zu sehen. Foto: Marion Menrath

Die brütenden Stare haben es im Inneren meines Dachvorsprungs trotz des kalten Wetters zumindest trocken und geräumig. Mittlerweile sind die Eltern ununterbrochen damit beschäftigt, Futter für die Jungen beizuschaffen. Meist steht Regenwurm auf der Speisekarte, wobei ich mich langsam frage, wo die Vögel die vielen Würmer herbekommen. Schließlich leben in der Nachbarschaft auch einige Amseln, die als Weichfresser dasselbe Futtersprektum nutzen wie Stare.

Wie viele Junge es sind, weiß ich immer noch nicht. Vier bis acht wäre eine übliche Gelegegröße. Nur ganz am Anfang hat sich mir beim Nachgucken mit einer Taschenlampe am Einflugsloch mal ein offener Schnabel entgegengereckt. Mittlerweile sind die Jungen wohl darauf gepolt, dass sie nur ans Loch kommen, wenn dort etwas laut krakeelend landet.

Die Eltern sind noch immer fast ununterbrochen am Schimpfen, wenn sie mich sehen: Egal, ob ich friedlich fünf Meter entfernt am Schreibtisch sitze oder unten im Garten stehe. Ihr Glück, dass das Wetter so schlecht ist und das geplante Grillen heute ausfällt. Sie zu fotografieren ist schwierig, weil sie sich meist kopfüber ins Einflugsloch stürzen und kurz darauf schon wieder weg sind. Aber einmal hat es doch geklappt mit den Fotos:

Lecker! Foto: Marion Menrath

Lecker! Foto: Marion Menrath

Fette Beute. Foto: Marion Menrath

Fette Beute. Foto: Marion Menrath

Die Kehrseite ist die Hinterlassenschaft der Tiere. Dass sie nicht wirklich stubenrein sind, habe ich geahnt. Aber dass sie auf das Balkonfenster zielen und auf die kleine Balustrade davor ist doch sehr unfein. Auch die kleine Terrasse bekommte ständig Kleckerkram ab. Mein Mann, der dort grillen wollte, war nicht amüsiert. Zum Glück hat der Regen dort alles wieder saubergewaschen.

Auch an der Fensterscheibe zum Balkon weisen mittlerweile deutliche Spuren auf das Brutgeschäft der Stare hin. Das Schlupfloch ist oben rechts am Dachrand zu erkennen. Foto: Marion Menrath

Auch an der Fensterscheibe zum Balkon weisen mittlerweile deutliche Spuren auf das Brutgeschäft der Stare hin. Das Schlupfloch ist oben rechts am Dachrand zu erkennen. Foto: Marion Menrath

Was von der Mahlzeit übrig blieb.... Foto: Marion Menrath

Was von der Mahlzeit übrig blieb…. Foto: Marion Menrath

Na ja, bis Mitte Juni werde die Vögel wohl ausgezogen sein. Ich denke aber, dass sich nächstes Jahr unsere Wege trennen werden und der XXL-Brutkasten dann nicht mehr zur Verfügung steht.

Verspätete Eisheilige

Nachdem ich die Wettervorhersage für diese Woche gesehen habe, bin ich nun doch froh, dass meine Tomätlein noch unterm Glasdach stehen und nicht im Freien. Zwischen ein und zwölf Grad an Donnerstag und Freitag und kaum wärmer am nächsten Wochenende hört sich schon sehr eisig an. Dabei wollten wir eigentlich angrillen. Für das letzte Mai-Wochenende hörte sich das keineswegs verwegen an.

Normalerweise sollte mit der Kalten Sophie am 15. Mai die letzte der sogenannten Eisheiligen überwunden sein. Wikipedia rechnet allerdings vor, dass diese Bauernregeln möglicherweise schon vor der Umstellung auf den Gregorianischen Kalender entstanden sind und deshalb die wahren Eisheiligen heutzutage erst vom 23. bis 27. Mai drohen.
Eisheilige
Also wettermäßig alles noch im Lot? Notfalls bekommen die Tomaten über Nacht Unterschlupf im warmen Zimmer. Die Kartoffeln kommen vorerst auch nicht ins Freiland. Dabei haben einige sogar draußen überwintert: Im vergangenen Jahr hatte ich erstmals verschiedene Kartoffelsorten in Säcken geplanzt. Zwei der Säcke blieben nach der Ernte draußen stehen. Nun ist in beiden frisches Kartoffellaub zu sehen, was wiederum den Platz für die neuen Sorten, die auf ihren Auftritt warten, einschränkt.

Ansonsten wuchert im Garten im Schutz des Regens alles wild vor sich hin – na ja fast alles. Eine besonders mimosenhafte Rose hat sich schon Mehltau geholt. Da muss ich mal mit Hausmitteln ran. Sie mit verdünnter Milch einzusprühen oder mit einer Backpulver-Öl-Mischung soll angeblich helfen. Und an den zarten Jasminknospen tanzen die Blattläuse. Die mögen aber keine verdünnte Spülmittellauge.

Mickrige Tomaten

Pralle Tomatenernte 2012: Cocktail-, Fleischtomaten, schwarze und grüne - alles war dabei. Foto Marion Menrath

Pralle Tomatenernte 2012: Cocktail-, Fleischtomaten, schwarze und grüne – alles war dabei. Foto Marion Menrath

So langsam werde ich unruhig. Im Garten wuchert alles, der Vollfrühling ist endlich angekommen. Nur meine selbst gesäten Tomatenpflanzen halten nicht Schritt. So wie letztes Jahr, als ich in August/September kaum noch wusste, wohin mit den Tomaten sollte es auch dieses Jahr werden.

Das Beet vor dem Wohnzimmerfenster ist schon vorbereitet. Dort haben die Pflanzen im üppigen Kübel genügend Erde um sich auszubreiten.

Statt Blumen: Tomatenernte vor dem Wohnzimmerfenster. Foto: Marion Menrath

Statt Blumen: Tomatenernte vor dem Wohnzimmerfenster. Foto: Marion Menrath

Vor allen Dingen stehen sie aber überdacht und trotzdem luftig. Das ist in unseren Breiten wegen der Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) von Tomaten mittlerweile leider fast unverzichtbar geworden. Die Pilzerkrankung, die auch andere Nachtschattengewächse befällt, beispielsweise Kartoffeln, führt sonst oft zum Totalausfall der Ernte. Fünf, maximal sechs Pflanzen passen vor das Wohnzimmerfenster. Im Garten ist leider kein Platz für ein Tomatenhaus. Mittlerweile gibt es aber Krautfäule-tolerante Sorten, mit einer davon habe ich seit zwei Jahren gute Erfahrungen im Freiland gemacht.

Was nun leider noch fehlt, sind setzreife Tomatenpflänzchen. Während um mich herum die Nachbarn schon Tomaten gepflanzt haben, mickern meine selbstgezogenen Setzlinge noch immer herum.

Noch mickrig: Die Tomatenpflänzchen mögen das Wetter nicht. Foto: Marion Menrath

Noch mickrig: Die Tomatenpflänzchen mögen das Wetter nicht. Foto: Marion Menrath

Ich habe natürlich viel zu spät ausgesät, nämlich erst vor einem Monat. Aber vorher war das Wetter einfach zu schlecht. Auch so sind dieses Jahr nur knapp zwei Drittel der Samen gekeimt – 15 von 24. In den Vorjahren hatte ich dagegen praktische keine Ausfälle.

Warum ich dann nicht im nächsten Gartenmarkt Pflänzchen kaufe? Weil meine Tomaten etwas Besonderes sind; die überwiegend alten Sorten (und eine neue) habe ich vom Internetdealer meines Vertrauens erworben. In diesem Jahr habe ich folgende Sorten ausgesät:

  • Andenhorn: Eine Sorte aus Südamerika mit hörnchenförmigen, großen Tomaten, deren Form an Spitzpaprika erinnert und sehr viel Fleisch und wenig Kerne hat.
  • Auriga: Orangene Tomate, soll würzig-süß schmecken, ertragreich sein und aus der ehemaligen DDR stammen.
  • Feuerwerk: Alte russische Sorte, optisch sehr ansprechend, rot-gelb gestreift.
  • Philovita, F1-Hybride. Eine rote, sehr süße und ertragreiche Cocktailtomate. Für diese Sorte bin ich schwach geworden, sie  spaltet die Hobbygärtnerwelt. Gezüchtet wurde sie von De Ruiter Seeds, seit 2008 eine hundertprozentige Tochter von Monsanto. Monsanto wiederum ist berüchtigt dafür, weltweit Saatgutpatente aufzukaufen und die Patente insbesondere im Umgang mit Kleinbauern in der Dritten Welt rüde durchzusetzen. F1-Hybride bedeutet zudem, dass die Sorte nicht samenfest ist; das heißt bei den Nachkommen werden erwünschte Eigenschaften in nicht vorhersehbarer Weise vererbt.  F1-Hybriden müsse deshalb aufwendig immer neu aus zwei Elternsorten gekreuzt werden; entsprechend teuer sind die Samen. Gentechnik ist dabei übrigens nicht im Spiel. Doch wie man es dreht und wendet: Sie war bisher mit Ausnahme eines Wildlings vom Kompost in den beiden vergangenen Jahren die einzige, die bei mir im Freiland, völlig ohne Schutz, hohe Erträge gebracht hat und das bis zum ersten Frost.
  • Schwarzer Prinz: Eine alte russische Sorte aus Sibirien mit dunkelroter, purpurner Schale, die sehr gut schmecken soll. Der Prinz soll dieses Jahr die Schwarze Krim ablösen, ebenfalls eine schwärzliche russische Sorte, deren schwere Früchte bis 350 Gramm aber hohe Anforderungen an eine stabile Anbindung der Pflanzen stellen. Nun habe ich allerdings (zu spät) gelesen, dass auch die Prinztomaten dieses Gewicht erreichen.

Und falls zufällig jemand von der EU-Kommission mitlesen sollte. Ich habe diese Tomatensamen (mit Ausnahme der Philovita) natürlich als Zierpflanzen gekauft und baue sie wegen der hübschen Blüten auch im Blumenbeet vor dem Wohnzimmerfenster an. Die meisten dieser wunderbaren alten Bauernsorten haben nämlich keine Saatgutzulassung in der EU und wohl auch keine Chance eine zu bekommen.

In dieser Richtung droht übrigens neues Ungemach aus Brüssel, denn die EU-Kommission will das Saatgutrecht novellieren. Viele Initiativen, die sich für Vielfalt und alte Sorten auf dem Acker einsetzen, befürchten das Schlimmste. Spiegel zu Saatgutverordnung Eine erste Fassung las sich so, dass selbst Hobbygärtner kein Samenkörnchen mehr austauschen dürften. Das ist wohl schon vom Tisch. Auch “Mikrounternehmen” unter zwei Millionen Euro Umsatz sollen außen vor bleiben. Doch was ist mit größeren Unternehmen? Die Materie ist komplex. Auf alle Fälle sollte man die EU-Kommission im Auge behalten: Save our Seeds

Übeltäter auf der Spur

Suchbild mit Katze: Ein abendlicher Besucher im Blumenkasten vor dem Wohnzimmerfenster zwischen Goldlack und Lebensbaum. Foto: Marion Menrath

Suchbild mit Katze: Ein abendlicher Besucher im Blumenkasten vor dem Wohnzimmerfenster zwischen Goldlack und Lebensbaum. Foto: Marion Menrath

Möglicherweise bin ich nun per Zufall dem Übeltäter, der meinen Pflanzkübel mit frisch gesäten Radieschen und Salat in eine Katzentoilette verwandelt hat, auf die Spur gekommen. Vom Leid der verhinderten Salatgärtnerin hatte ich schon hier erzählt: Katzenklo

Beim Saubermachen im Frühjahr war ich auch im XXL-Blumenkübel vor dem Wohnzimmerfenster auf längliche, mumifizierte Reste gestoßen, die nach Katzenhinterlassenschaften aussahen. Doch das Wohnzimmerfenster liegt etliche Meter über dem Boden und sieht schwer erreichbar aus. Außerdem versicherten mir Freunde, die selbst eine Katze haben, dass die Miezen fürs große Geschäft einen ruhigen Platz suchen und nicht wenige Meter von fremden Menschen entfernt.

Doch heute Abend huschte in der Dämmerung plötzlich was Schwarzes am Wohnzimmerfenster vorbei. Es war eine der fünf bis sechs Stubentiger, deren Reviere sich in unserem Garten kreuzen. Die kleine Schwarze mit dem weißen Latz und weißen Pfoten dürfte höchstens zwei Jahre alt sein und ist eine der gelenkigsten Besucher.  Oben auf der Pergola ist sie schon öfters spazieren gegangen. Rückt ihr jemand zu sehr auf die Pelle, überwindet sie ohne Mühe den Gartenzaun. An anderen Tagen nimmt sie huldvoll Streicheleinheiten entgegen. Über Vordächer und Mauern ist offenbar auch der Blumenkübel vor dem  Wohnzimmerfenster erreichbar. Und da der Balkon obendrüber alles überdacht, ist dort selbst im Winter ein trockenes Plätzchen zu finden.

Nur die Augen verraten die Mieze. Foto: Marion Menrath

Nur die Augen verraten die Mieze. Foto: Marion Menrath

Seit ich das Radieschenklo nicht mehr saubermache, ist es offenbar uninteressant geworden. Doch das Wohnzimmerfenster ist schon für die Tomaten reserviert, falls diese es noch in diesem Frühjahr schaffen, zu einer brauchbaren Größe heranzuwachsen. Katzendreck brauche ich hier jedenfalls nicht.

Hermannshof in Weinheim

Hermannshof in Weinheim

Frühlingsidylle im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim. Im Vordergrund sind Tulpen mit Vergissmeinnicht, rechts ist ein Zierapfelbaum zu sehen. Im Hintergrund ist die Wachenburg zu erkennen. Foto: Marion Menrath

Einer meiner Lieblingsparks ist der Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim. Im milden Klima der Badischen Bergstraße gedeihen auf 2,3 Hektar 2000 Stauden und 400 Gehölze. 60.000 Tulpen setzen im Frühling bunte Akzente.
Dabei ist der Garten nicht nur zu allen Jahreszeiten schön anzusehen; dort wird auch erprobt, welche Pflanzenarten ausdauernd sind und sich wegen ähnlicher Ansprüche gut kombinieren lassen.

Ich könnte mich dort stundenlang umschauen und immer Neues entdecken. Beispielsweise habe ich die blauen ausdauernden Zwiebelgewächse in meinem Garten nun als Prärielilien identifiziert. Camassia gehört zu den Agavengewächsen und ist absolut pflegeleicht. Jedenfalls gedeihen die robusten Pflanzen bei mir auch im Halbschatten bis Schatten und dominieren derzeit die Beete.

Die Unternehmerfamilie Freudenberg hat den Garten 1888 anlegen lassen und begonnen seltene Gehölze zu sammeln, von denen etliche bis heute überlebt haben. Seit 1983 ist er als Sichtungsgarten mit wissenschaftlichem Auftrag für die Öffentlichkeit zugänglich.

Ein ausführlicher Bericht erscheint am Freitag (10.) auf den Gartensonderseiten im ECHO. Kollegin Ute Sebastian gibt Tipps, wie man einen insektenfreundlichen Garten gestaltet. Oh, und die Seiten sollen dieses Mal nach Maiglöckchen riechen; ich bin gespannt.

Tulpen im Hermannshof in Weinheim. Links das Gärtnerhaus, rechts das Konferenzhaus der Firma Freudenberg. Foto: Marion Menrath

Tulpen im Hermannshof in Weinheim. Links das Gärtnerhaus, rechts das Konferenzhaus der Firma Freudenberg. Foto: Marion Menrath

Tulpen im Hermannshof. Foto: Marion Menrath

Tulpen im Hermannshof. Foto: Marion Menrath

 

Brautmyrte im Hermannshof. Sie wurde 1879 aus dem Brautkranz von Helene Freudenberg gezogen. Im Winter wird sie von einem abbaubaren Gewächshaus geschützt. Foto: Marion Menrath

Brautmyrte im Hermannshof. Sie wurde 1879 aus dem Brautkranz von Helene Freudenberg gezogen. Im Winter wird sie von einem abbaubaren Gewächshaus geschützt. Foto: Marion Menrath

Im Dach piepst es

Seit Sonntag ist klar: Bei Familie Star hat sich Nachwuchs eingestellt. Sobald ich das Fenster des überdachten Balkons öffne, piepst es im angrenzenden Dach aus mehreren Kehlen. Sehen kann die Jungen durch das Loch nicht. Aber dieser Starenkasten ist eben ganz schön groß und tief.

Wikipedia berichtet von vier bis acht Eiern und einer Brutzeit von elf bis 13 Tagen. Am 28. April habe ich zum ersten Mal gesehen, wie die Eltern mit Nistmaterial im Schnabel ins Dach fliegen, Und am 1. Mai waren sie immer noch damit beschäftigt. Alles nur Tarnung, wie ich jetzt weiß! Da müssen sie längst heimlich auf den Eiern gesessen haben. Wahrscheinlich waren die letzten Strohhalme als Spielzeug gedacht. Am 4. Mai kamen die Eltern nämlich schon mit Futter an (sah nach Menü Regenwurm aus).

Wikipedia weiß auch, dass Sturnus vulgaris in Deutschland möglichst synchron zwischen 10. und 30. April Eier legt. Sind die Jungen geschlüpft, werden sie 17 bis 21 Tage gefüttert, bevor sie zwischen 20. Mai und 10. Juni ausfliegen. Sind die Jungtiere um den 4. Mai geschlüpft, kann ich also mit dem Ausfliegen um 21. bis 25. Mai rechnen. Natürlich gibt es einige Unsicherheitsfaktoren, weil ich unter der Woche nicht so oft vor Sonnenuntergang am Schreibtisch sitze und möglicherweise einiges verpasst habe. Starenurlaub gibt der Dienstplan leider nicht wirklich her.

Ziel des Synchronbrütens soll sein, dass die Stare im Herbst ihre großen Schwärme bilden können, die durch pure Masse Raubvögel verwirren. Wobei selbstständige Jungvögel wohl schon ab Mitte Juni eigene Schwärme bilden, die dann bis zum Abflug in Richtung Mittelmeerraum und Nordafrika immer größer werden. Hoffentlich verlegen sie den Treffpunkt der jungen Rabauken dann nicht in meinen Garten – um diese Zeit könnten die spärlichen Süßkirschen reif werden.

 

 

 

 

Ärger mit den Untermietern

Der Singstar der Vogelwelt: Sturnus vulgaris. Foto: Wikipedia

Der Singstar der Vogelwelt: Sturnus vulgaris. Foto: Wikipedia

Normalerweise helfen Untermieter, die Fixkosten für Haus oder Wohnung auf mehr Schultern zu verteilen und so den Bankrott zu vermeiden. Dafür nimmt man in Kauf, dass der Untermieter auch mal eigene Vorstellungen vom Wohnen verwirklichen will.

Meine Untermieter haben jedoch keinen Vertrag, zahlen nicht und gefragt haben sie vor dem Einzug auch niemanden. Doch nun haust das Starenpärchen nun mal im Vordach. Das Loch in der Seitenverkleidung, das dorthin führt, hätte ich für höchstens spatzengroß gehalten. Doch die Stare haben bewiesen, dass sie da gut durchpassen.

Während ich diese Woche arbeiten war, ist man bei den Stars offensichtlich mit der Familienplanung weitergekommen. Jedenfalls flogen die Vögel heute mit etwas wurmähnlichem im Schnabel heran.

Nicht o.k. ist aber, dass sie sich jedes Mal laut keckernd beschweren, wenn ich die Fenster zum überdachten Balkon, der an das Loch angrenzt, aufmache oder mich dort gar am Fenster zu zeigen wage. Schließlich war ich zuerst da. Und den Balkon brauche ich demnächst, um die endlich gekeimten Tomatenpflänzchen aufzuziehen.

Meine anderen Untermieter, die Spatzen im Bambus am Hauseingang, konnten sich auch nicht mit dem Wunsch durchsetzen, dass dort nach Sonnenuntergang kein Licht brennen darf. Schließlich ist das im Winter arg früh und unsere Besucher sind meist keine Fledermäuse, sodass sie den Weg zu uns nicht mit Ultraschall finden. Die Spatzen mussten sogar hinnehmen, dass Menschen manchmal im Dunkeln Schnee schippen müssen – was einen einst zum Flattern im Dunkeln brachte. Ich hab’ den Spatzen dann klargemacht, dass sie Kulturfolger sind und Schneeschippen etwas mit Kultur zu tun habe. Seitdem ist Ruhe.

Den Staren werde ich erzählen, dass sie laut Wikipedia angeblich zu den weltweit häufigsten Vögeln gehören. Bei der Stunde der Gartenvögel kamen sie 2012 in Deutschland allerdings nur auf Platz fünf, nach Spatz, Amsel, Kohl- und Blaumeisen. Die Neuauflage 2013 läuft nächste Woche, von 9. bis 12. Mai: Stunde der Gartenvögel

Rollrasen auf Gartensonderseiten

Erinnert entfernt an gigantische Rinderrouladen: Rollrasen wartet auf den Einsatz auf dem Sportplatz oder im Garten. Foto: Wikipedia

Erinnert entfernt an gigantische Rinderrouladen: Rollrasen wartet auf den Einsatz auf dem Sportplatz oder im Garten. Foto: Wikipedia

Als Jugendliche war ich neidisch auf Nachbarn im Schrebergartengelände, die ein eigenes Rasenstück hatten. Dort den Liegestuhl aufzustellen, mit nackten Füßen über den weichen, grünen Grasteppich zu gehen und Siesta im Schatten zu halten, schien mir der Gipfel des Gartenglücks.

Doch bei uns war der Platz um die Gartenhütte mit Betonplatten gepflastert – unverwüstlich, furchtbar praktisch und ganz und gar nicht weich. Auch in meinem jetzigen, vielleicht 100 Quadratmeter großen Gärtchen ist kein Platz für Rasen: Ziersträucher, Pflanzringe, viele Rosen, Kirsch- und Apfelbaum, Stachelbeerbäumchen, Himbeeren, Teich, Pergola und ein mäandernder Weg aus verschiedenen Materialien nehmen fast den gesamten Platz ein.

Umso faszinierender fand ich kürzlich den Besuch bei einem führenden deutschen  Rollrasenhersteller, der viele Fußballstadien mit robustem Grün versorgt hat, darunter fünf der zwölf Stadien für die Fußballweltschaft 2006 in Deutschland. Doch bis das frische Grün mit Spezialmaschinen in Rollen verpackt werden kann, ist zwölf bis 15 Monate intensive Pflege nötig. Damit er schön dicht wächst, wird der Rasen in dieser Zeit bis zu neunzig Mal gemäht.

Der ausführliche Bericht erscheint am Freitag, 3. Mai, auf den neuen ECHO-Gartensonderseiten, die immer freitags den Wonnemonat begleiten werden. Kollegin pep schreibt über temporäre Gärten mit künstlerischem Anspruch und gibt viele Gartentipps. Als Novum sollen die Seiten zudem mit Duft Frühlingsassoziationen wecken.

Radieschenbeet oder Katzenklo

Schaut harmlos aus, ist aber wahrscheinlich schon heimlich auf der Suche nach der nächsten Toilette im Garten, die gemeine Hauskatze (Foto ähnlich). Foto: Wikipedia

Schaut harmlos aus, ist aber wahrscheinlich schon heimlich auf der Suche nach der nächsten Toilette im Garten, die gemeine Hauskatze (Foto ähnlich). Foto: Wikipedia

Eigentlich liebe ich Katzen. Dass wir keine haben, liegt nur an dem leidigen Problem mit der Ferienbetreuung. Als Gewohnheitstier mag die Katze gar nicht verreisen und in eine Pension mag sie eigentlich auch nicht. Also blieb Susi, der Stubentiger meiner Kindheit, bisher ohne Nachfolger.

Einen ersten Knacks bekam die Katzenliebe in diesem Frühjahr, als ich den Veilchen zuliebe Laub von den Beeten räumte – und dabei voll in ein Katzenklo griff. Egal, was Helge Schneider singt, den Menschen macht das ganz und gar nicht froh. Na ja, selbst schuld, dachte ich andererseits, wenn man ohne Handschuhe Laub wegräumt. Der Boden war lange gefroren und das gepolsterte Plätzchen an der Hauswand war wohl angenehmer als der Rest des eisigen Gartens. Doch so langsam ist jetzt Schluss mit dem Verständnis für die Toilettennöte der Samtpfoten. Und das kam so: Continue reading