Untermieter im Anflug

Neugieriger Star am Balkonfenster. Foto: Marion Menrath

Neugieriger Star am Balkonfenster. Foto: Marion Menrath

Seit einer Woche schaut immer mal wieder ein neugieriger Star vom Fenster aus in den überdachten Balkon hinein. Vom Schreibtisch aus habe ich ihn gut im Blick. Ein zweiter war auch schon dabei. Meist sind die beiden aber so fotoscheu, dass sie sofort verschwinden, wenn ich die Kamera auf sie richte. Am Samstag hielt einer dann lange genug still, dass dieses Foto entstehen konnte.

Seit heute ist allerdings klar: Der will nicht nur spielen, der will sich einnisten. Wer Nistmaterial im Schnabel herumträgt, hat ernste Absichten.

Star: Der will nicht nur spielen, sondern sich einnisten. Foto: Marion Menrath

Star: Der will nicht nur spielen, sondern sich einnisten. Foto: Marion Menrath

Über ein Loch hat er den Zugang zu einem gigantischen Starkenkasten gefunden – unserem Vordach. Wie er sich mit dem mindestens 15-köpfigen Spatzenclan geeinigt hat, der den Garten als seinen Besitz betrachtet, ist unbekannt. Wobei die Spatzen meist im Bambus neben dem Hauseingang übernachten und ihre Nester unter Regenrinnen und in diverse Kletterpflanzen an der Westwand bauen.

Die Ankunft der Stare hinterlässt selbst bei mir als Vogelfreund zwiespältige Gefühle. Zwar singt er schöner als die Spatzen (was bei den kleinen Krawallmachern keine große Kunst ist), dafür hat er es anders als diese auf Obst abgesehen. Dass heißt ich muss mich voraussichtlich von noch mehr Frühkirschen verabschieden, als wenn nur die Amseln drauf rumhacken. Ob ein Schild hilft, dass die Vögel darauf hinweist, dass der Nachbar ebenfalls frühreife Kirschen hat und zwar einen viel größeren und schöneren Baum? Hoffentlich frisst er als Gegenleistung für Kost und Logis wenigstens ordentlich Schnecken.

Alles tropft

Die Wohlriechende Heckenkirsche hat mittlerweile nur noch sehr wenig Blüten. Immerhin entstand dieses Foto im Trockenen vom Frühstückstisch aus. Foto: Marion Menrath

Die Wohlriechende Heckenkirsche hat mittlerweile nur noch sehr wenig Blüten. Immerhin entstand dieses Foto im Trockenen vom Frühstückstisch aus. Foto: Marion Menrath

Eigentlich hatte ich nach dem schönen Frühlingsauftakt viele Pläne für ein gärtnerisches Wochenende. Auch erste Ideen für ein Angrillen gab es schon.

Und nun das: Tropf, tropf, tropf, schütt. So geht das schon den ganzen Tag über. Am Freitag habe ich mich noch über den Regen gefreut, nachdem ich diese Woche den ersten durstigen Frühjahrsblühern mit dem Gartenschlauch beistehen musste.

Doch diese Kälte habe ich nicht bestellt, wirklich nicht. Die mühsam gekeimten Tomaten versuchen gerade zurück ins Samenkorn zu kriechen, die Kartöffelchen keimen nur noch in Zeitlupe. Im Garten warten zum falschen Zeitpunkt geschlüpfte Insekten auf bessere Zeiten und ein Starenpaar hat an unserem Dach ein Schlupfloch ins Trockene gefunden.

Außerdem blüht mittlerweile mein Apfelbäumchen, das ich voriges Jahr gesetzt habe. Das Ballerinabäumchen der pflegeleichten Sorte Topaz ersetzte einen Vorgänger, der mehrere Jahre auf dem Balkon unserer früheren Wohnung überlebt hat. Im Winter 2009/2010 hat es ihn dann aber doch dahingerafft. Nachdem es vergangenes Jahr nicht geklappt hat, hoffe ich eigentlich in diesem Herbst auf die erste Ernte.

Nach der Kaltfront zur Kirschblüte ist es jetzt pünktlich zum Auftakt der Apfelblüte wieder kalt geworden. Foto: Marion Menrath

Nach der Kaltfront zur Kirschblüte ist es jetzt pünktlich zum Auftakt der Apfelblüte wieder kalt geworden. Foto: Marion Menrath

So wird's nichts mit der Bestäubung: Tropfnasse Apfelblüten. Foto: Marion Menrath

So wird’s nichts mit der Bestäubung: Tropfnasse Apfelblüten. Foto: Marion Menrath

Dass der Regen auch schöne Seiten hat, habe ich dann bei einem (nassen) Rundgang im Garten entdeckt.

Tropf, tropf an einer Kletterrose. Foto: Marion Menrath

Tropf, tropf an einer Kletterrose. Foto: Marion Menrath

Was von den Kirschblüten übrig blieb. Foto: Marion Menrath

Was von den Kirschblüten übrig blieb. Foto: Marion Menrath

Nasses Insekt. Wegen der Flügelhaltung tippe ich auf eine Raubfliege. Diese ernähren sich von anderen Insekten. Es könnte eine Schwarze Mordfliege sein - oder eine ähnliche Art.  Foto: Marion Menrath

Nasses Insekt. Wegen der Flügelhaltung tippe ich auf eine Raubfliege. Diese ernähren sich von anderen Insekten. Es könnte eine Schwarze Mordfliege sein – oder eine ähnliche Art. Foto: Marion Menrath

Tulpen im Regen. Foto: Marion Menrath

Tulpen im Regen. Foto: Marion Menrath

Tulpen im Regen. Foto: Marion Menrath

Tulpen im Regen. Foto: Marion Menrath

Tulpen im Regen. Foto: Marion Menrath

Tulpen im Regen. Foto: Marion Menrath

Fische haben es gut. Das Nass ist ihr Element und Regen bringt meist schönes sauberes Wasser in den Teich, der nun viel weniger verschlammt ist. Foto: Marion Menrath

Fische haben es gut. Das Nass ist ihr Element und Regen bringt meist schönes sauberes Wasser in den Teich, der nun viel weniger verschlammt ist. Foto: Marion Menrath

Mehr bunte Kartoffeln

Kaum beschäftige ich mich mit seltenen Kartoffelsorten, begegne ich Ihnen überall. Im Sonntagsecho vom 19. April gab es einen Bericht über die Slowfood-Messe in Stuttgart, bei der Rosa Tannenzapfen, Bamberger Hörnchen und Rote Emmalie, auch kurz Rote Emma genannt, verkostet wurden.
Slowfood-Messe in Stuttgart

Ganz so einfach, wie in dem Bericht geschildert, kommt man aber nicht an die seltenen Sorten. In gut sortierten Supermärkten gibt es ab und zu unter dem Label “französische Gourmetsorten” blaufleischige Vitelotte sowie Cherie, eine Sorte mit roter Schale und gelbem Fleisch. Meist sind diese aber mit Chemikalien behandelt, damit sie eben nicht austreiben. “Nach der Ernte behandelt” steht dann dabei. Schlechte Voraussetzungen also für Pflanzkartoffeln und essen mag ich die auch nicht.

Solange die Raritäten nicht weiter verbreitet sind, kommt man meist nur über das Internet an Pflanzkartoffeln oder zumindest unbehandelte Speisekartoffeln. ECHO-Fotograf Lutz Igiel ist mitten in der Heppenheimer Altstadt auf eine Gruppe von Menschen gestoßen, die dort alte Nutzpflanzensorten anbauen wollen. Artenvielfalt in Heppenheimer Altstadt
Weil die meisten Häuser direkt an der “Gass” stehen, bleibt nur der Anbau in Kübeln, wie ich das auch machen will.

Eine größere Sortenauswahl haben beispielsweise folgende Händler (wobei jetzt bereits einiges ausverkauft und die neue Ernte noch nicht eingebracht ist):
Kartoffel Müller
Bioland Hof Jeebel
Ellenbergs Kartoffelvielfalt Letzterer ist der Züchter neuer interessanter Sorten wie Rote Emmalie und Blaue Anneliese.

Rote Emmalie im Topf

Kartoffelvielfalt: Rote Emmalie und ein gelbfleischige Sorte, in diesem Fall die vorwiegend festkochende Marena. Foto: Marion Menrath

Kartoffelvielfalt: Rote Emmalie und ein gelbfleischige Sorte, in diesem Fall die vorwiegend festkochende Marena. Foto: Marion Menrath

Am Sonntag war es so weit: Die Rote Emmalie musste ihre Qualität als Speisekartoffel beweisen. Schließlich will man auch verkosten, was man anbaut. Und von dieser Kartoffelsorte hatte ich als einziger genügende Mengen für solche Experimente – ein ganzes Kilogramm!

Feierlicher Anlass für die Verkostung war unser Auftakt der Spargelsaison. Um Ostern herum war es noch so kalt, dass die Saisoneröffnung bei den meisten Spargelbauern sehr spärlich ausfiel. Dank des (überwiegend) warmen Wetters in den vergangenen 14 Tagen sprießt es jetzt endlich unter den Folien und das Gemüse wird bezahlbar. Wer ohne Folie angebauten Spargel genießen will, muss dagegen noch mindestens bis Anfang Mai warten.

Als Begleitung gab es Pellkartoffeln mit einer Prise Salz gekocht, darunter vier Kartöffelchen der Roten Emmalie. Ebenfalls im Topf war die Sorte Marena, eine vorwiegend festkochende, gelbfleischige Kartoffel aus dem Jahr 1995. Da letztere schon ganz schön ausgetrieben war, hätte ich sie auch gleich auspflanzen können. Aber die wenigen Plätze sind ja für Emmalie und ihre exotischen Geschwister reserviert.

Bunte Kartoffeln liegen im Trend.

Kontrastprogramm: Weißer Spargel und die Kartoffelsorte Rote Emmalie auf einem Teller vereint. Foto: Marion Menrath

Auf dem Teller sieht die Emmalie sehr ungewöhnlich aus – sie ist durch und durch rot gefärbt und macht als festkochende Sorte insbesondere als Pellkartoffel eine gute Figur. Zum weißen Spargel bildet sie einen aparten Kontrast.

Gezüchtet hat die Sorte im Jahr 2005 Karsten Ellenberg aus Barum  im Landkreis Lüneburg, der sich auch sehr für die Wiederzulassung der deutschen Sorte Linda eingesetzt hat. Die Farbe in bunten Kartoffeln kommt von Anthocyanen, Pflanzenfarbstoffen, die auch in roten Trauben, Auberginen sowie roten, blauen und schwarzen Beeren vorkommen und als Radikalfänger positive gesundheitliche Auswirkungen haben sollen.

Die Emmalie hat einen feinen Kartoffelgeschmack. Im Vergleich zu der sehr erdig schmeckenden Marena hatte sie jedoch etwas Probleme sich abzuheben. Das mag aber auch daran gelegen haben, dass die Marena ziemlich am Ende ihrer Lagerfähigkeit angelangt war und deshalb sehr kräftig schmeckte. Im Herbst weiß ich hoffentlich Näheres.

Kirschblütenfest

Foto: Marion Menrath

Foto: Marion Menrath

Im Moment könnte ich Kirschblütenfest im Garten feiern. Von einem Tag auf den anderen stand die kleine Süßkirsche in voller Blüte. Und anders als beim japanischen Kirschblütenfest Hanami (Blüten betrachten), bei dem die Blüte der Japanischen Blütenkirsche mit viel Sake gefeiert wird, kann ich sogar mit einer Ernte rechnen. Die Blütenkirsche ist ein reiner Zierbaum.

Biene bei der Arbeit. Foto: Marion Menrath

Biene bei der Arbeit. Foto: Marion Menrath

Das heißt ich könnte mit einer Ernte rechnen – wenn es nicht ausgerechnet jetzt schon wieder kälter geworden wäre. Seit einigen Tagen machen sich Bienen und Hummeln wieder rar. Eine einzige Biene habe ich eben bei der Arbeit gesehen. Zudem blüht jetzt vieles in der Nachbarschaft gleichzeitig, Tulpen, Weißdorn, Forsythien. Ohne Hautflügler fällt die Ernte jedoch deutlich kleiner aus. Schon im vergangenen Jahr begleitete eine Kaltfront die Kirschblüte. Manchmal ist es doch besser, nicht bei den frühen Vögeln dabei zu sein und lieber auf den späten Wurm zu warten.

Apropos Vögel. Die sind das nächste Problem. Denn sobald sich Ende Mai die ersten roten Bäckchen an den Kirschen zeigen, stürzen sich tieffliegende Amseln und marodierende Stare darauf. Und sie fressen natürlich nicht fein säuberlich eine Kirsche und wenden sich dann der nächsten zu. Nein, alles was leicht erreichbar ist, wird mal probehalber angepickt. Jedes Jahr kämpfe ich mit dem Impuls, den Kirschbaum in Netze zu hüllen. Doch der Kirschbaum ist auch ein wichtiger Landeplatz meines Spatzenclans. Und im Netz verhedderte Vögel müssen nicht sein. CDs und Alustreifen im Baum haben leider bisher kaum  abschreckende Wirkung gezeigt.

Foto: Marion Menrath

Foto: Marion Menrath

Kirschbaum in voller Blüte. Foto: Marion Menrath

Kirschbaum in voller Blüte. Foto: Marion Menrath

Foto: Marion Menrath

Foto: Marion Menrath

Foto: Marion Menrath

Foto: Marion Menrath

Rote Emmalie und Rosa Tannenzapfen

Die Rote Emmalie ist eine relativ neue Kartoffelsorte mit rotem Fleisch und roter Schale. Foto: Marion Menrath

Die Rote Emmalie ist eine relativ neue Kartoffelsorte mit rotem Fleisch und roter Schale. Foto: Marion Menrath

Die Rote Emmalie ist da – und sie hat ihre Freunde mitgebracht. Zum Glück beanspruchen sie nicht viel Platz. Jedenfalls jetzt noch nicht. Es geht um Kartoffeln.

Im vergangenen Jahr habe ich zum ersten Mal in meinem Ziergarten Kartoffeln angebaut. Im Kleingarten brauchen diese ganz schön viel Platz, der monatelang für nichts anderes zur Verfügung steht. Doch man kann Kartoffeln auch quasi hochkant anbauen, nämlich in stabilen Säcken. Im vergangenen Jahr habe ich das, inspiriert durch Bücher, zum ersten Mal ausprobiert. Continue reading

Rettungsaktion am Gartenteich

Teichrettung im Frühjahr Foto: Marion Menrath

Teichrettung im Frühjahr Foto: Marion Menrath

So viel ist zu tun im Garten. Doch am Sonntag rufen die Goldfische im Gartenteich plötzlich um Hilfe. Bildlich gesprochen natürlich, denn rufen können die überwiegend stummen Fische (abgesehen von speziellen Sorten wie Knurrenden Gurami) nicht. Die Fische hängen alle an der Wasseroberfläche und schnappen nach Luft. Und die trübe Brühe, in der sie schwimmen, riecht faulig. Oberste Priorität also.

Was war geschehen? Eigentlich hatte ich es gut gemeint mit den Fischen und hatte am Samstag endlich abgestorbene Pflanzen am und im Teich entfernt und dann die Pumpe gesäubert und wieder in Betrieb genommen. Die Pumpe lief die ganze Nacht über.

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Der Frühling kommt über Nacht

Foto: Marion Menrath

Im Vorgarten drängeln sich Pergola, Teich und Rosen. Das Foto entstand im Mai 2012. Foto: Marion Menrath

Hilfe, auf einmal ist es doch Frühling geworden. Und ich bin nicht vorbereitet. Die Tomaten sind noch nicht gesät, die Kartoffeln sind erst bestellt. Die Himbeeren brauchen Kompost, der Teich muss auf wärmere Temperaturen vorbereitet werden. Mir geht es im Kleinen wie den Bauern, die jetzt alles auf einmal erledigen müssen, was im kalten März liegengeblieben ist.

Doch ein neues Blog sollte man mit etwas Positivem beginnen: Alles in allem ist der Garten  gut über den Winter gekommen. Die Kamelie ist zum ersten Mal nicht erfroren. Selbst der Rosmarin hat überlebt. Himbeeren und Stachelbeerbäumchen schlagen kräftig aus; die Löwenmäulchen gehen an geschützten  Stellen ins zweite Jahr; der Goldlack steht kurz vor der Blüte. Und am Kirschbaum schwellen bereits die Knospen. Continue reading