Türk gazeteciler Istisnası

(kfe). Sie verstehen das nicht? Dann geht es Ihnen wie vielen türkischen Journalistenkolleginnen und -kollegen, die derzeit in ihrer Heimat inhaftiert sind. Denn „Freiheit für türkische Journalisten“, so in etwa der Titel dieses Beitrags, gibt es nicht. Derzeit sind 76 inhaftiert, teilweise seit Jahren schon, ohne Anklage und ohne dass ihnen in absehbarer Zeit der Prozess gemacht werden soll. Viele können selbst im Internet nicht freier schreiben, weil Zensur herrscht, auch viele ausländische Beiträge blockiert werden oder zeitweise gleich ganze Webseiten und Portale wie etwa YouTube.
Aus diesem Grund gibt es morgen eine europaweite Kampagne der Europäischen Journalisten-Föderation unter dem Motto „Stand up for journalism“. Denn auf dem Weg in die EU kann sich die Türkei die Beschneidung von Meinungs- und Pressefreiheit, mehr noch: von Menschenrechten, nicht leisten. Gerade erst war Ministerpräsident Erdogan in Deutschland und warb für sein Land und die absolute Aufklärung der fremdenfeindlichen NSU-Morde sowie anderer rassistischer Delikte gegen Türken in Deutschland. Aber Toleranz ist keine Einbahnstraße.
Auf der Rangliste der Pressefreiheit, die die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ jedes Jahr herausgibt, rangiert die Türkei aktuell auf Platz 148. Verglichen wird mit der Liste die Situation der Medien in 179 Staaten und Regionen jeweils für ein Jahr. Jedoch ist auch in Deutschland Pressefreiheit nach wie vor ein Thema; innerhalb der EU nehmen wir hier nicht gerade den ersten Platz ein, den hat Finnland. Aber wenigstens muss hier niemand für seine Sicht auf Politik und aktuelle Geschehnisse ins Gefängnis oder wird gefoltert.
Übrigens hat die Krise im Nachbarland der Türkei, in Griechenland, auch die Arbeit von Journalisten viel gefährlicher gemacht. So wurde der Journalist, der die Steuersünderliste seines Landes veröffentlichte, festgenommen. Dabei hatte diese Christine Lagarde, als sie noch Frankreichs Finanzministerin war, ihrem griechischen Kollegen geschickt. Und auf Korfu sitzt ein Blogger in Haft, wie der in Deutschland arbeitende griechische Journalist Wassilis Aswestopoulos berichtet. Das Vergehen des Bloggers: mit einem Foto von einer friedlichen antifaschistischen Kundgebung „das öffentliche Bild des Landes verunglimpft zu haben, mit der Gefahr, dessen Ruf im Ausland zu stören“. Auf dem Bild wie einigen weiteren ist zu sehen, wie die Polizei gewaltsam gegen die Demonstranten vorging.

Man kann übrigens „Reporter ohne Grenzen“ unterstützen, damit Szenen wie in diesem Video nicht mehr stattfinden:

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