„A video a day“: Um was uns alle beneiden. Nicht.

(kfe). Studierende von heute haben es nicht leicht. Der Bologna-Prozess ist schuld daran, dass man sich seinen Stundenplan nicht mehr selbst zusammenstellen kann (18 Stunden von Dienstag bis Donnerstag, das waren noch Zeiten!), Anwesenheitspflicht herrscht (nicht mehr schwänzen, weil man mit der süßen Austausch-Studentin aus Frankreich lieber Pastis trinken will), für fast alles am Ende von jedem Semester Klausuren abgenommen werden (Projektvorstellung oder Referat mit anschließender Diskussion, bei der es dann eigentlich nicht mehr um die Sache, sondern um „BWLer versus Sozialemos“ geht) und man lernt, lernt, lernt, selbst am Wochenende, wo doch eigentlich immer schon beginnend mit Donnerstag Fachschafts- und Studiengangs-Parties sind (die Sportler haben immer die besten geschmissen, da tropfte Wasser von der Decke!). Und obwohl man in viiiiiieeeeel kürzerer Zeit zu einem noch blitzgescheiteren, enorm wirtschaftskompatiblen, passgenauen Mitglied der Arbeitsgesellschaft gemacht wird, als noch zu Zeiten mit diesem komischen Diplom, das viele gar nicht schafften, weil sie lieber schon in prekären Theaterprojekten oder weiterhin in hochschulpolitischer Arbeit ab- und festhingen und so leider die Diplomarbeit nie fertig schreiben konnten, muss man trotzdem noch Geld verdienen, um sich Wohnen, Leben und ab und an eine Latte Macchiato außerhalb der Alma Mater leisten zu können. Eltern machen ja auch nicht alles mit. Mist aber auch.
Tja, es sei denn, man ist Deutschlandstipendiat der TU Darmstadt. Dann muss man nicht doof bei McDoof schuften oder überhaupt kellnern gehen, sondern hat Zeit und Geld und setzt sich ins Café, um anderen beim Kellnern zuzusehen. Das vermittelt uns jedenfalls ein Song samt Video der Darmstädter Studi-Band „Cavebeats“, das gestern zusammen mit der Entscheidung über die neue Förderrunde bei den Deutschlandstipendien erschienen ist. Im Deutschlandstipendiumstudileben à la „Cavebeats“ made in Darmstadt kann man außerdem bunte Klamotten kaufen, in denen man dann zwischen den Regalen der Unibib rumhängt, weil man die ganzen Bücher, die dort eigentlich stehen, alle zu Hause und eh schon gelesen hat. „Der Traum eigener Ideen“ macht es möglich und weil andere „Visionen in uns sehen“. Sind Politik-Studierende unter den Stipendiaten? Bestimmt nicht, oder wenn doch, sind die sicherlich jetzt alle beim Arzt.
„Heute ist der Tag, um den uns alle beneiden“ heißt der Song. Wem Struktur, Rhythmus und Stimmlage irgendwie bekannt vorkommen: Richtig, die „Cavebeats“ sind die, die im Jahre 2010 sage und schreibe gleich drei Fußball-Songs in südhessische Fan-Lager rausgeballert haben: einen für die WM, einen für die Lilien, einen für mal so. Welcher welcher ist? Tja… Beim Song, um den wir Darmstädter sicher nicht beneidet werden, haben die Studi-Rocker aber eines richtig richtig gemacht: Wie es sich für eine ordentliche Rockband gehört, gibt es auch ein Making-of, und das ist freilich doppelt so lang wie der Song, um den es geht.

Um was geht’s noch? „Gute Kontakte“ bedeute neben exzellenter Lehre das Deutschlandstipendium, so TU-Kanzler Efinger. Zum Beispiel die zu den „Cavebeats“. Kann man gebrauchen, wenn man nach dem Studium irgendwas in Darmstadt verkaufen oder fördern will. Obwohl die das bestimmt auch einfach so für den guten Zweck machen. Rhythmus und Struktur sind ja schon da, Text findet sich, und ein Refrain mit Nasallauten und Fangesang-Zügen geht immer.
Heute ist nicht der Tag, um den uns alle beneiden. Heute ist der Tag, an dem sich alle auf YouTube und Facebook fremdschämen. Irgendwie kein Gewinn für die hiesige Forschungslandschaft. Aber vielleicht hört man jetzt in der Unibib, in der man sonst ja immer gaaanz leise sein muss, öfters mal ein tiefgründiges „Ohoho, bapdapdadadada!“.

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