“A video a day”: Respekt muss man(n) sich eben verdienen

Screenshot: kfe

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(kfe). Erinnert sich noch jemand an den ARD-Spot zum Start der Bundesliga im vergangenen Jahr? In dem Knetfiguren-Comic versuchte eine Neandertalerin ihren Neandertaler von der Stein-Glotze mit Fußball-Übertragung wegzubringen, indem sie aus der Küche kommend strippte, bis nur noch die Unterwäsche mit dem BH in Fußball-Optik übrig blieb. Message der Werbung: “Männer sind eben so. Zumindest samstags.”. Der Sexismus-Vorwurf schlug der ARD hundertfach entgegen.
Zum jetzigen Start der Bundesliga eckt die ARD wieder an mit ihrem “Sportschau”-Spot. Dieses Mal nicht wegen überholter Geschlechter- und Rollenbilder. Sondern wegen des Spiels mit Skinhead-Symbolen und damit der Nähe zur Gewaltverherrlichung. Und weibliche Fußball-Fans spielen schon wieder keine Rolle. Zu sehen ist dieses Mal ein Setting in einem englischen Pub mit griesgrämig dreinblickenden, kurzgeschorenen, tätowierten Männern in Polo-Shirts und weißen Hosenträgern. Ein Deutscher kommt in das Pub und erlaubt sich, den Fernseher von der Premier League auf ARD umzuschalten, wo gerade die “Sportschau” beginnt. Zuerst wird er grimmig angestarrt, dann aber sofort von den harten Lads geherzt und umarmt. Slogan: “Respekt muss man sich verdienen”.
Auf dem dazugehörigen Plakat ist der “Sportschau”-Fan umringt von drei der griesgrämigen Engländer. Einer hat klar erkennbar “HATE” auf seinen Fingergliedern tätowiert, ein anderer “God save the Queen”. Hier muss man schon zwei Mal hingucken, um ansatzweise einen Zusammenhang zu verstehen, während der TV-Spot ja wenigstens noch eine Geschichte erzählt. Nämlich die vom deutsch-deutschen Champions-League-Finale in Großbritannien. Eine klare Referenz, findet die ARD, und fand auch die für die Kampagne zuständige Hamburger Agentur “thjnk”, die unter anderem auch schon Werbung entwickelt hat für Bahlsen, Base, Haribo, Audi, Henkel, die Commerzbank oder das “Hamburger Abendblatt”.
Bei aller Liebe: Die Ironie muss man da schwer suchen. Und schon wieder werden Frauen als Fußball-Fans vom größten deutschen Sender schlicht ignoriert. Klar, dass jetzt Frauen-Fan-Verbände entsprechend zurückschlagen und erneut eine Medienschlacht lostreten. Stimmt schon: Respekt muss man(n) sich eben verdienen, liebe ARD. Vielleicht will man Frauen aber auch einfach nicht erreichen. Im Showroom der ARD-Werbung heißt es: “In der vergangenen Saison verfolgten durchschnittlich 5,2 Millionen Zuschauer die zusammenfassenden Berichte der Bundesliga in der Samstagssportschau. Insgesamt ist dies eine Nettoreichweite von 41,81 Mio. Zuschauer ab 3 Jahren, was bedeutet, dass sich ca. 58 % aller Fernsehzuschauer für die Fußball-Bundesliga im Ersten begeistern konnten. Insbesondere bei der anspruchsvollen Männerzielgruppe mit höherer Bildung und bei den Entscheidern reichen die Marktanteile regelmäßig über 30 %.” Und da kann man die “Männerzielgruppe mit höherer Bildung” ja auch ruhig weiterhin mit niederen Instinkten ansprechen.

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