Pendeln macht robust!

Entspannt zur Arbeit: Die Deutsche Bahn spendierte Pendlern im Zug von Nidderau nach Frankfurt Anfang des Jahres testweise eine Schulter- und Nackenmassage. Das Unternehmen arbeitet bei der auf drei Tage befristeten Aktion mit ortsansässigen Firmen zusammen. Archivfoto: dpa

Pendeln macht stark und robust! Pendler sind hart im Nehmen! Wie gut, dass ich Pendler bin, denke ich mit einem Schmunzeln, als ich die Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse zu ihrem neusten Gesundheitsreport lese. Fast täglich landet solch eine Studie im Mail-Eingang, wir könnten täglich über Statistiken, Studien und neuste Erkenntnisse berichten. Doch diese hier sorgt für einen guten Start in den Arbeitstag und passt auch gut zur Aufmachung heute im Wirtschaftsteil, die ganz anderes behauptet: „Pendeln und Business-Mails machen krank“. 

Laut Statistischem Bundesamt waren zuletzt zwölf Prozent der Beschäftigten zwischen 25 und 50 Kilometer pro einfacher Fahrt zum Job unterwegs, vier Prozent über 50 Kilometer – Tendenz steigend. Fast die Hälfte der hessischen Berufstätigen (46 Prozent) sind laut Techniker Krankenkasse Berufspendler. In Darmstadt und Frankfurt sind sogar 70 Prozent der Berufstätigen Pendler, im Landkreis Groß-Gerau sind es 65 Prozent, im Kreis Darmstadt-Dieburg 46 Prozent. Unterdurchschnittlich sind die Pendler an der Bergstraße (42 Prozent) und im Odenwaldkreis (29 Prozent) vertreten.   

Zurück zur Erhebung: Pendler sind also robust! Die Erklärung, warum das so ist, ist aus Betroffenensicht eindeutig: Wer sich regelmässig über die Deutsche Bahn und ihre Verspätungen ärgert, wer öfter den Kopf schüttelt über Mitreisende und Autofahrer, die das Reissverschlusverfahren immer noch nicht kennen, wer in Staus ausharrt und sich im Baustellen-Fahren übt, der kannn doch nur abgehärtet und robust sein. Oder etwa nicht?

Laut Erhebung der Krankenkasse fehlten die Beschäftigten, die nahe an ihrem Arbeitsplatz wohnen, im vergangenen Jahr im Schnitt 12,9 Tage wegen Krankheit, Pendler lediglich 12,7 Tage. 0,2 Tage Unterschied, was macht das schon aus, fragt man sich vielleicht. Doch für die Krankenkasse ist das ein eindeutiges Zeichen. Ihr Fazit: Pendler sind robust.

Der tägliche Sprint zum Bahnhof, weil das Telefon doch nochmal geklingelt hat; das ständige Treten von Kupplung, Bremse und Gas im Stau – Pendler sind auch körperlich aktiv. Und so verwundert das Ergebnis des Gesundheitsreports nicht, dass Pendler seltener unter Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems wie etwa Rückenbeschwerden leiden. Laut Bericht sind Pendler wegen dieser Diagnosen im Durchschnitt 2,3 Tage lang krankgeschrieben – das sind neun Prozent weniger Fehltage als bei den Nichtpendlern. Fazit der Krankenkasse: Pendler sind robust.

Doch dann kommt der Satz, den man als Pendler lieber überliest und der den Bericht im Wirtschaftsteil bestätigt: „Bei den wohnortnah arbeitenden Erwerbstätigen scheint demgegenüber die Psyche stabiler zu sein. Sie sind mit 1,9 Fehltagen pro Kopf seltener und kürzer von psychischen Diagnosen betroffen als die Pendler mit 2,2 Krankheitstagen.“ Labile Psyche? Risiken für die Seele? Psychischen Leiden? Ach, bleiben wir heute doch mal bei den guten Nachrichten. (jlu)

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