“FTD”: Abschied mit Selbstironie

Mit viel Selbstironie gegangen: Der Comic, der am 7. Dezember die Startseite von ftd.de ziert. Screenshot: kfe

Mit dem teilweise geschwärzten Titel “Final Times Deutschland” ist heute die letzte Ausgabe der „Financial Times Deutschland“ erschienen. Auch die Titelseite der letzten Ausgabe ist schwarz und trägt die Worte: “Endlich schwarz”, in Anspielung auf die schwarzen Zahlen, die die Zeitung in 12 Jahren Bestehen nie schrieb. Dass die Zeitung nicht mehr weitergeführt wird, hatte der Verlag Gruner+Jahr vor zwei Wochen bekanntgegeben.
Die letzte Ausgabe versammelt eine Auswahl der besten Investigativ-Storys, Porträts und Karikaturen aus 12 Jahren “FTD”. Eine Seite sowie der Internetauftritt der “FTD” zeigt die 309 Mitarbeiter, an anderer Stelle gibt es Bild, wo sich das Team in Trauerkleidung verneigt und entschuldigt: “Entschuldigung, liebe Gesellschafter, dass wir so viele Millionen verbrannt haben. Entschuldigung, liebe Anzeigenkunden, dass wir so kritisch über Eure Unternehmen berichtet haben. Entschuldigung, liebe Pressesprecher, dass wir so oft Euren Formulierungsvorschlägen nicht gefolgt sind. Entschuldigung, liebe Politiker, dass wir Euch so wenig geglaubt haben. Entschuldigung, liebe Kollegen, dass wir Euch so viele Nächte und so viele Wochenenden haben durcharbeiten lassen. Entschuldigung, liebe Leser, dass dies jetzt die letzten Zeilen der FTD sind.”

Die letzte Ausgabe war an vielen Kiosken in Deutschland bereits am Morgen vergriffen. In Frankfurt wurde sie am Hauptbahnhof sogar gratis verteilt, jedoch wollte sie am deutschen Finanzplatz Nummer 1 keiner unbedingt haben, noch nicht mal geschenkt. Sicherlich hatte alle Banker sich bis 9 Uhr schon selbst ein Exemplar gekauft oder die letzten Worte im Netz gelesen. Dort wird der mit viel Selbstironie gespickte Auftritt voraussichtlich wohl noch bis Ende des Jahres zu klicken sein, teilte Gruner+Jahr mit.

Und damit man sieht, auf was man in Zukunft verzichten muss, haben die “FTD”-Mitarbeiter/innen auch noch eine Themenliste erstellt, über was sie gerne noch berichtet hätten, wenn sie dürften – freilich ein auch nicht ernst zu nehmender Ausblick. Von diesem Abschied mit so viel Selbstironie und Größe sind wir beeindruckt, wünschen den Kolleg/innen alles Gute und sagen: Danke, dass ihr dabei wart. (kfe)

Dieser Beitrag wurde unter Rascheln abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>