Die Schwarzmaler

Die Fußballer vom Deinster SV haben sich schwarz geschminkt – aus Solidarität mit zwei farbigen Spielern.	 Foto: Jörg Struwe

Die Fußballer vom Deinster SV haben sich schwarz geschminkt – aus Solidarität mit zwei farbigen Spielern. Foto: Jörg Struwe

In Deinste bei Stade hat sich die Kreisligamannschaft des lokalen Sportvereins fürs Mannschaftsfoto schwarz geschminkt. Aus Solidarität mit zwei Kickern aus dem Sudan, die zuvor attackiert worden waren. Schöne Geste.

Ob das Theater vom Fußball lernen kann? An Bühnen jedenfalls ist schwarze Schminke ja verpönt. „Blackfacing“ lautet die Anklage, wenn weiße Schauspieler sich als Schwarze anmalen. Machte Ulrich Wildgruber in den Siebzigern bei Zadek. Sein „Othello“ ist legendär. Hat damals niemanden gestört. Heute gilt es als rassistisch. So wie die „Minstrel Show“, bei denen vor 150 Jahren in Amerika weiße Schauspieler Schwarze als naive Narren darstellten. Gab es bei uns zwar nie.

Macht aber nix. Um Shakespeares „Mohr von Venedig“, den man wohl besser auch nicht mehr so nennen sollte, nicht anmalen zu müssen, ersinnen Regisseure immer neue Auswege. Bei den Festspielen in Klingenberg etwa spielte im vergangenen Jahr ein farbiges Ensemble das Drama, nur Othello war ein Weißer. Ob nun die Deinster Laienspielschar dem deutschen Regietheater aus der Patsche helfen kann? Ist es korrekt antirassistisch, wenn sich alle schwarz anmalen – auch Jago und Desdemona?

Nun, die Theatererfahrung lehrt. Es braucht nicht viel Farbe, sondern viel Schweiß. Schon Ulrich Wildgruber war im fünften Akt längst nicht mehr schwarz, dafür waren es seine Kollegen. So kann der Fußball vom Theater lernen: Wenn die Kicker aus Deinste auch mit Schminke kicken, wird ihr Gegner nach 90 Minuten Farbe bekennen.

Stefan Benz

Dieser Beitrag wurde unter Rascheln abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>