Die Bagatelle: Büchners Masken

Guy. to: dpa

Guy. Foto: dpa

Was würde Büchner dazu sagen? Säße er eher bei Maybrit Illner oder bei Frank Plasberg im Studio? Wäre er Chef der Kampagnenkommunikation bei Greenpeace oder Vorstandsvorsitzender bei Occupy Goddelau?  Zum 200. Geburtstag des Dichters und Revolutionärs muss man sich dauernd solchen Fragen stellen. Denn sind wir nicht alle ein bisschen Büchner?
Zur Eröffnung des Festivals „Büchner200“ sollen die Darmstädter Ende Juni diese edle Haltung  dokumentieren. Bei der geplanten Großdemonstration vom Staatstheater zum Hauptbahnhof herrscht ein strenges Vermummungsgebot. Wer  mit Büchner im Herzen marschiert, soll auch dessen Züge auf Karton übers  Gesicht ziehen. Allerdings weder das bekannte Porträt des Dicke-Backen-Dichters mit glasigem Blick noch das  neu entdeckte, aber umstrittene  Bildnis eines verliebten Jünglings, das Büchner ähnlich sehen soll.

Georg. Grafik: Büchner200

Georg. Grafik: Büchner200

Nein, zur Demo geht es mit einem Holzschnitt von Helmut Lortz. Das gemahnt zum einen an die bei institutionalisierten Aufständen beliebte Maske des gescheiterten katholischen Attentäters Guy Fawkes. Zum anderen erinnert das Konterfei mit spitzem Kinn, geschwungenen Brauen und hoher Stirn verblüffend an William Shakespeare. Als deutscher Shakespeare aber galt bislang nicht  Büchner, sondern Schiller.
Bei jenem Herrn aus Stratford  mit dem knickerigen Testament und der krakeligen Klaue kann man sich aber nie ganz sicher sein, ob er  wirklich Shakespeares  Werke geschrieben hat. Im Verdacht stehen neben vielen anderen auch Kollege Christopher Marlowe,  der 18. Earl of Oxford und der Philosoph Francis Bacon.

William. Foto: dpa

William. Foto: dpa

Büchner trauen wir ohnehin  einiges zu. Auch dass er den „Hamlet“ geschrieben hat. Aber wie er sich  178 Jahre nach seiner Flucht aus Darmstadt noch heute der erkennungsdienstlichen Behandlung entzieht, das verblüfft doch. Drum wird das bürgerliche  Maskenspiel  zu seinen Ehren zeigen: Unser Schorsch  ist nicht zu fassen.  (Stefan Benz)

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