Wort der Woche: „Shitstorm“

Grafik: kfe

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Wir haben ja keine wöchentliche Netz-Schau, aber vielleicht würde es sich jetzt lohnen, eine einzuführen. Dann wäre das Wort der Woche auf jeden Fall „Shitstorm„. Auf der Bühne: Gabriel/Slomka, die Werbeagentur Jung von Matt und noch mal Sigmar Gabriel, dieses Mal zum weltweiten Apell der 560 Autoren gegen Massenüberwachung.

Zuerst der Gabriel-Slomka-Schlagabtausch im ZDF. Shitstorm auf Journalist/innen, gerne von SPD-Mitgliedern, die den Medienleuten Arroganz und Häme in Sachen Mitgliederabstimmung vorwerfen. Shitstorm von Horst Seehofer auf Marietta Slomka und das ZDF und dann gleich auf alle Journalist/innen. Shitstorm auf Gabriel von Medienmenschen, er würde sich ja immer so „wenig zugänglich“ bei Interviews verhalten.

Dann Jung von Matt. Die Werbeagentur gilt als die kreativste Deutschlands. Und bewarb ihre eigene Weihnachtsfeier mit einem ziemlich freizügigen Bild eines tief ausgeschnittenen Dekolletés und dem Post „Wir freuen uns jetzt schon auf die Weihnachtsfeier am Freitag. Klamotteninspiration für die Damen?!“ auf Facebook. Entdeckt hat das Thomas Knüwer, bereits Montagabend getwittert:


und dann noch mal in seinem Blog „Indiskretion Ehrensache“ verarbeitet. Das machte zuerst auf Twitter die Runde, dann wurden auch die Branchendienste darauf aufmerksam und andere Blogger äußerten sich dazu, und da war es auch schon soweit: Shitstorm für Jung von Matt. Inzwischen hat die Agentur das Posting gelöscht und sich entschuldigt – nicht, ohne zuvor die ganze Angelegenheit herunterzuspielen, so nach dem Motto: Wir haben doch nur gescherzt.

Shitstorm Nummer 3: Wieder Sigmar Gabriel. Dieses Mal als Reaktion auf seine Äußerung auf Facebook zum weltweiten Appell „Die Demokratie verteidigen im digitalen Zeitalter“ von über 560 Schriftstellern gegen Massenüberwachung und pro Datenschutz, den übrigens auch das deutsche P.E.N.-Zentrum mit Sitz in Darmstadt unterschrieben hat (Die Petition kann man hier zeichnen.). Gabriel, dessen Partei in baldiger Regierungsverantwortung gerade per Koalitionsvertrag mit der CDU entschieden hat, die Vorratsdatenspeicherung einzuführen, schrieb: „Das ist eine
wunderbare und beeindruckende Aktion. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich Intellektuelle jemals global in dieser Form zusammengeschlossen  haben. Der Kampf um bürgerliche Freiheiten hat einst national begonnen,  jetzt findet er erstmals international gemeinsam statt. Ein tolles Zeichen! Ich werde die deutschen Unterzeichnerinnen und Unterzeichner Anfang des Jahres zu einem Gespräch einladen. Ein solcher Aufruf darf in der Politik nicht ungehört bleiben!“ Nun, Gabriels Posting blieb auch nicht ungehört bzw. ungelesen. Innerhalb weniger Stunden sammelten sich dazu über 800 Kommentare, der Beitrag wurde über 300 Mal geteilt. Shitstorm!

Sechs Stunden später sah sich Gabriel dazu veranlasst, in einem neuen Posting die Sache richtig zu stellen. Mehr noch, der SPD-Chef schrieb: „Mich verblüfft diese Argumentation.“ Der Unterschied zwischen der Vorratsdatenspeicherung und der NSA-Datensammelwut bestehe darin, dass von der NSA „ohne Verdacht auf eine schwere Straftat, ohne Richtervorbehalt, offensichtlich sogar ohne Rechtsgrundlage“ abgehört und gespeichert werde – sogar ganze Kommunikationsvorgänge. Gabriels Fazit: „Wer die NSA-Praxis mit der Vorratsdatenspeicherung im oben beschriebenen Sinne gleichsetzt, verniedlicht das, was Geheimdienste gegenwärtig treiben.“ Nun, das trug nicht zur Besserung bei. Bis zum Abend schon wieder mehrere Hundert Kommentare, die meisten nicht wohlwollend, zum Beispiel: „Wer hier was verniedlicht ist noch nicht ganz klar. Fakt ist: unter fadenscheinigen Argumenten werden Grundrechte immer weiter ausgehöhlt
und abgeschafft. Mit Billigung der SPD. Was kommt als nächstes?“. Und da war er immer noch, der Shitstorm!

Ob bei Gabriel und seiner Partei auch der gute, alte Spruch gilt, von wegen „Alle guten Dinge sind drei“? Also, auch wenn’s keine guten Dinge sind? Dann hätten wir noch diese Woche Shitstorm Nummer 3 zu erwarten. So wie es sich jedoch momentan abzeichnet, wird der nächste große Shitstorm Barack Obama treffen. Denn der schoß gut gelaunt auf der Trauerfeier für Nelson Mandela Selfies – eigentlich ein „popkultureller Sport“ von Jugendlichen, die sich bei Beerdigungen mit ihren Smartphones aufnehmen und dann mit den Ergebnissen Instagram schwemmen. (kfe)

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