Urbi@Orbi: Der Papst twittert jetzt

Pünktlich 20 Jahre nach Erfindung der SMS mikrobloggt seit heute auch der Papst auf Twitter. Das heißt, bis jetzt twittert er noch nicht. Seitdem die Pressestelle des Vatikans um circa 11.50 Uhr ebenfalls über Twitter mitteilte, dass Seine Heiligkeit nun mit gleich acht Accounts in Deutsch, Englisch, Spanisch, Arabisch, Portugiesisch, Italienisch, Polnisch und Französisch vertreten sei, steigen die Follower-Zahlen minütlich. Die Haupt-Adresse @pontifex auf Englisch verzeichnete direkt 15 Minuten nach Bekanntwerden knapp 2200 Follower, die deutsche Adresse @pontifex_de bereits 100. Und das, obwohl Papst Benedikt noch keinen einzigen Tweet abgesetzt hat. Freilich kommen auch 100 Follower schnell zusammen, wenn jede Bischöfliche Pressestelle, die vielen Institutionen der Deutschen Bischofskonferenz, die evangelische ”Konkurrenz”, … die heiligen Kurznachrichten abonnieren.

Bei den fehlbaren Schäfchen muss sich außerdem noch herumsprechen, dass es nun einen offiziellen Account gibt. Es gibt nämlich zahlreiche Fakes, so zum Beispiel @Papst_Benedikt, unter dem von September 2008 bis jetzt 14 Tweets entstanden sind und der – so sieht es auf den ersten Blick offiziell aus – auf das YouTube-Angebot des Vatikans verlinkt. Auch ein Account der Deutschen Bischofskonferenz ist da zum Verwechseln, er lautet @PapstBenedikt und wurde ganze zwei Mal während des Papst-Besuchs in Deutschland in Anspruch genommen. Das ist aber immerhin noch mehr als der Haupt-Account der Bischofskonferenz, wo noch nichts gezwitschert wurde. Aber vielleicht geht es gar nicht so sehr darum, von Rom aus die gute Nachricht unters Volk zu zwitschern, sondern eher darum, abzulauschen, was die Spatzen jenseits der Zentren der Macht von den Dächern pfeifen. Ein guter erster Tweet wäre heute doch gewesen: “Gott sei Dank ist kreuz.net jetzt offline!”.

Nachtrag um 14.18 Uhr: Offensichtlich wunderten sich nicht nur wir darüber, dass es noch keinen einzigen Tweet gab. Jetzt haben Vatikan und Twitter verkündet, dass es den ersten päpstlichen Tweet am 12. Dezember geben wird. Bis dahin könne man Fragen an Papst Benedikt mit dem Hashtag #AskPontifex versehen und schon mal über Twitter schicken, er werde dann auch gleich Fragen beantworten. Ein spontanes, direktes Twittern oder eine Echtzeit-Fragestunde per Twitter sind also wohl eher nicht zu erwarten aus Rom. Die Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche ist bisweilen ja eh ein bisschen schleppend, aber hier wagen wir schon vorab die Prognose: Da hat jemand das Medium überhaupt nicht verstanden. Eigentlich ist es jetzt im digitalen Zeitalter also immer noch wie vor 600 Jahren: Der Heilige Vater wird sprechen, seine Mitarbeiter verkünden das im Voraus, und das gemeine Volk soll folgen, darf aber an direkter Kommunikation nicht teilhaben. (kfe)

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2 Responses to Urbi@Orbi: Der Papst twittert jetzt

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