Nach der Wahl: Was uns fehlen wird

Der Kai und der Philipp sind ganz dicke. Naja, jetzt vielleicht nicht mehr. Screenshot: kfe

Der Kai und der Philipp sind ganz dicke. Naja, jetzt vielleicht nicht mehr. Screenshot: kfe

(kfe). Klar, es werden Neue kommen. Die auch Sachen verbocken, lustige Ideen haben oder einfach mal gesellschaftlich anecken. Neue Pannen verursachen, die uns Journalist/innen abseits vom Nachrichtenalltag mal kurz das Dasein versüßen, Satirikern und Netz-Kreativen Stoff geben. Aber nach dieser Bundestagswahl werden wir die FDP und ihre Protagonisten, allen voran Rainer Brüderle und Philipp Rösler, schon am meisten vermissen. Deswegen sei noch mal daran erinnert, was diese ehemalige 18-Prozent-Partei Großartiges für die deutsche Schelmerei geleistet hat. Allein all diese FDP-Tumblr in diesem Internet!

Da gibt es einen nur darüber, wie Rösler Leute umarmt. Weil er ja so ganz dicke mit dem Diekmann’s Kai von der BILD, vor allem nach einem Silicon-Valley-Besuch und so. Das Gleiche gibt’s als „Philipp Roesler worshipping evil“ noch mal auf Englisch, in coolem Internet-Sprech und mit Memes und so. Aber das hat die FDP schon damals wahrscheinlich gar nicht mitgekriegt, weil sie so dolle an der Rettung des Leistungsschutzrechtes für die deutschen Verlage gebastelt hat. Deswegen hat der Philipp ja auch den Diekmann-Kai umarmt.

Screenshot: kfe

Screenshot: kfe

Und dann Rainer Brüderle. Dass der gerne mal zu tief ins Glas guckt, lockt ja keinen Nerd hinterm Mac hervor, um sich dazu was Komisch-Kritisches zu überlegen. Aber nach dem zu tiefen Blick ins Dékolleté einer jungen Journalistin, gepaart mit dem passenden Spruch, war der Weinexperte aus Mainz plötzlich nicht nur Zielscheibe des Tumblrs „Rainer Brüderle looking at girls“, sondern er löste auch quasi indirekt Deutschlands erste große, Grimme-Online-Award-ausgezeichnete Twitter-Welle aus (#aufschrei). Wenn die FDP nun nicht mehr eine Regierung ausfüllen kann, wie soll denn dann die Welt auf wirklich gesellschaftlich relevante Themen aufmerksam gemacht werden? Wenn wir nicht mehr informiert werden, warum die Afghanistan-Besuche eines Entwicklungsministers Dirk Niebel wichtiger sind als seine „Teppich-Affäre“ (das bisschen Transport auf Staatskosten)? Wenn es keine Wahlplakate mehr gibt, die einem das wirklich Wichtige zeigen, wo man geht und steht, so wie der Tumblr „Gut gemacht, FDP!“ ein paar Monate für uns dokumentierte? Werden wir nie wieder Westerwave-English hören und uns für unseren Außenminister und Vize-Kanzler schämen müssen, denn „das ist Deutschland hier“?

Wo wir schon beim Thema „gut gemacht“ sind: Auch fehlen wird uns die geballte Kompetenz von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), die am Sonntag bekanntgab, aus familiären Gründen aufzuhören. Die erste Ministerin, die in ihrer Amtszeit ein Kind bekommen hat und Vorbild sein könnte für tausende junge Frauen. Führte das Betreuungsgeld ein und nimmt es jetzt selbst zu Hause in Anspruch. So viel zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Aber die „Herdprämie“ war ja nur die eine Errungenschaft von Schröder mit Hilfe ihrer Partei. Die andere war die Kürzung von Mitteln für Projekte in der Bekämpfung von Rechtsextremismus. Weil wir innerhalb Deutschlands eher ein Problem haben mit Linksextremismus, meist gepaart mit Deutschenfeindlichkeit. Frau Schröder hätte auch „Rassismus“ sagen können. Aber erklären konnte sie das nicht:

Immerhin hat sie es in ihrer Amtszeit geschafft, das Geschlechterthema mit dem Rassismusthema zusammenzubringen. Heraus kam das neue Thema „geschlechtsneutrale Erziehung“, wobei Schröder vor allem dem Rassismus in Märchen den Kampf ansagte und sich dabei gleichzeitig für eine neutralere Sprache aussprach. Neutral bis zur Aufgabe von männlichen und weiblichen Attributen. Das Sprachreform ihrer modernen Luise F. Pusch war dann selbst das CDU zu viel. Ob mit oder ohne Artikel und Minister-Titel: Einige Protagonisten der noch amtierenden Bundesregierung und des Bundestags werden uns richtig fehlen.

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