Fundstück der Woche: Typische Berliner als Playmobil-Figuren

Prenzlauer-Berg-Mütter. Screenshot: kfe

Prenzlauer-Berg-Mütter. Screenshot: kfe

Ihre Männer sind irgendwelche Manager und den ganzen Tag weg, und die Frauen sitzen als Latte-Macchiato-Mütter den ganzen Tag in Prenzlauer Berg am Helmholtzplatz mit ihren Kindern im Café. Sie kommen aus dem Schwäbischen, haben mal ein bisschen was mit Medien oder Psychologie studiert, aber jetzt finden sie ja wegen der Kinder keine Arbeit mehr, und außerdem muss der Designer-Kinderwagen ja ausgeführt werden. Ansonsten hält man die luxussanierte Altbauwohnung sauber und guckt sich an, wie das Viertel zwischen Bio-Supermärkten noch weiter gentrifiziert wird.

Friedrichshainer Punks. Screenshot: kfe

Friedrichshainer Punks. Screenshot: kfe

Der Punk an der Warschauer Brücke in Friedrichshain hat die Probleme nicht. Er merkt nur, dass es zunehmend schwieriger wird, zu schnorren und ein lockeres Leben zwischen zwei Sternis zu haben, weil diese ganzen eingewanderten, Prekariats-gefährdeten Spanier im Viertel plötzlich auch alle Hunde haben und ihre selbstgemachten Perlenketten neben ihm verkaufen. Kurz vorm Ruin ist auch die unterbezahlte Praktikantin, die in der Hauptstadt was mit Medien machen wollte. Aber es bleibt ja immer noch ein Job bei Starbuck’s…. Was wiederum den Hass der letzten verbliebenen Anti-Kapitalisten in Kreuzberg auf sich ziehen würde, die ignorieren, wie sich ihr Kiez verändert, weil sie so damit beschäftigt sind, gegen McDonald’s und Bio-Supermärkte zu kämpfen, nachdem die 1.-Mai-Feier seit Jahren ja irgendwie immer friedlich bleibt.

Hipster = Grafikdesigner Screenshot: kfe

Hipster = Grafikdesigner Screenshot: kfe

Bekannte Klischees von Berliner Typen. Die israelische Künstlerin Dorit Bialer hat sie als Playmobil-Figuren mit entsprechenden Accessoires aufgearbeitet und neulich in Berlin ausgestellt. Noch hinzu kommen der hungernde Künstler, der erfolgreiche Künstler, die Videokünstler und die gefrustete Aldi-Kassiererin. Mein absoluter Favorit ist aber der Hipster, der automatisch Grafikdesigner ist, und aus seinem Kreuzkölln nicht mehr rauskommt. Stilecht die Soja-Bio-Milch dabei, den iPod, eine Espressomaschine, eine Fotokamera mit Mini-Stativ, der obligatorische Mac, eine Flasche Augustiner-Bier, was Vintage-Kreatives vom Flohmarkt und eine Kollektion an Bärten. Fehlt nur noch ein geometrisches Tattoo und eine Strickmütze.
Das Tolle: Jeder narzisstisch Veranlagte kann so ein Set von sich selbst bei Bialer in Auftrag geben. Vielleicht gibt’s ja dann demnächst auch typische Heiner als Playmobil-Figuren. Wenn ja, schickt mir bitte Fotos! (kfe)

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