Die lieben Kollegen: Schwule Fußballer und runde Bälle

Das Interview mit einem schwulen Profi-Fußballer im Jugendmagazin “fluter”, vergangenen Dienstag veröffentlicht, hat für einigen Wirbel im Sportjournalismus gesorgt. Erst einmal wegen seines Inhalts. Das hat auch uns auf “Echo Online” und ECHO-Live beschäftigt. Dann aber wegen seiner Form und weil die Redaktion hinter dem “fluter” angeblich nicht ausreichend beweisen kann, dass das Interview stattgefunden und demnach echt ist. Vor allem der Chefredakteur des Fußball-Magazins “11 Freunde” hatte da massive Zweifel.
Längst ist die Debatte also nicht mehr eine um Homosexualität im Fußball (oder Sport allgemein), sondern eine um journalistische Sorgfaltspflicht. Und drittens natürlich auch eine Neid-Debatte.
Die wiederum von Medien zusammengefasst wird, damit man vom Scoop auch noch was abbekommt, wenn man ihn schon nicht selbst gelandet hat. Für den Online-Journalismus ist das Thema dabei denkbar ungeeignet, denn man kann keine Star-Namen suchmaschinengerecht in irgendwelche Überschriften mit reinnehmen, man kann das Thema schlecht bebildern, und man kann im Umfeld schlecht werben, weil man ja noch nicht mal eine eindeutige Zielgruppe hat. Die meisten Online-Portale machen also nichts, sondern einfach nur schlicht ihren Artikel mit einem Aufmacherbild. Nicht so die Kollegen von “Merkur Online”. Die weichen kein Bisschen von ihrer publizistischen Linie ab und stellen daher zu dem Thema schön eine Fotogalerie mit dem Titel “Die schönsten Spielerfrauen der Welt” – übrigens genau vor den Teil im Artikel, der sich damit beschäftigt, warum in dem Interview kein Klischee über Schwule ausgelassen wurde. Wenn ich mir da so das erste Bild der Galerie ansehe…
Schön auch die Werbung nebendran in der Marginalspalte – man weiß ja auch einfach nicht, welche Zielgruppe man jetzt mehr anspricht, die Heteros oder die Homos. Da fehlt eigentlich nur noch die ARD-Werbung für die “Sportschau”, und schon hat man die (heterosexuelle) Fußballer-Welt wieder geradegerückt. Oder nicht? Vielleicht empfiehlt es sich am Ende, einfach bei den Fakten zu bleiben, wenn man nicht mehr zu erzählen hat. Aber selbst Waldemar Hartmann ist ja bald nicht mehr da, der einem immer vertrauenswürdig versichert hat, dass der Ball immer noch rund ist und das Spiel 90 Minuten dauert.

Zu der Debatte und dem Umgang mit dem Thema passen auch die Thesen von Stefan Plöchinger, Chef von sueddeutsche.de, warum der deutsche Online-Journalismus derzeit in einem schlechten Zustand ist, so wie er sie bei seinem Vortrag auf dem “Besser online”-Kongress des Deutschen Journalisten-Verbandes am Wochenende referiert hat. Vor allem die erste: Wir sind zu zahlenhörig. Aber das ist wiederum ein anderes Thema und eine andere Debatte. (kfe)

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