Crowdfunding-Projekt will mit Insekten-Sauna Bienen retten

Bienen wuseln auf Waben herum. Aber wie lange noch? Archivfoto: Günther Jockel

Bienen wuseln auf Waben herum. Aber wie lange noch? Archivfoto: Günther Jockel


Crowdfunding kann man nach Angaben von Wikipedia mit Schwarmfinanzierung übersetzen. Diese Art der gemeinschaftlichen Kapitalbeschaffung für ein Projekt ist modern, selten passt es vom Thema her so gut wie in diesem Fall: Es geht um die Rettung von Bienen, die ja bekanntlich jedes Frühjahr ausschwärmen. Wenn da nicht die fiesen Varoa-Milben wären, die sich seit den siebziger Jahren in den Bienenstöcken ausbreiten und die Existenz der Honigbienen bedrohen.
Viele Imker setzen beispielsweise Ameisensäure ein, um die Milben zu bekämpfen. Die Säure reichert sich zwar nicht im Wachs, dafür aber im Honig an. Die Initiatoren der Initiative www.wir-retten-bienen.org wollen die Milben auf eine umweltverträgliche Art loswerden. Und zwar, indem sie ihnen einheizen. Die Idee dazu hatte Richard Rossa, von Haus aus Ingenieur für Regelungs-und Verfahrenstechnik. Er suchte nach Alternativen, als ihm ein Bienenvolk nach einer Säurebehandlung eingegangen war und stieß auf die Hyperthermie, die seit 30 Jahren immer mal wieder in der Literatur auftaucht, bislang aber als eher sperrige Methode galt. Hintergrund: Ab einer Temperatur von mehr als 39 Grad verlieren die Eiweiße in den Milbenkörpern ihre Struktur, die Spinnentiere sterben. Den Bienen passiert nichts, sie vertragen Temperaturen bis 45 Grad.
Der Ingenieur konstruierte aus Holz eine Sauna für die Bienen und gab ihr den Namen „Apiprofitherm“. Sie wird unterhalb des Einfluglochs in den Bienenstock eingesetzt und arbeitet wie eine Fußbodenheizung: Die Wärme steigt von unten nach oben. Nach 45 Minuten ist die Luft auf 40 bis 42 Grad Celsius erwärmt, und das Gerät schaltet automatisch ab. Milben, die versuchen, der Wärme nach unten auszuweichen, werden unterhalb des Trenngitters durch eine elektrische Milben-Barriere abgetötet. Während der ganzen Zeit werden Temperatur und Feuchtigkeit im Bienenstock kontrolliert. „Das Ergebnis sind gesunde und vitale Bienenvölker und Honig ohne Behandlungsrückstände“, so Richard Rossa. Die Wärme stärke zudem die Widerstandskraft der Bienen.
Die Initiative sucht nun per Crowdfunding noch bis Weihnachten nach Menschen, die bereit sind, zu Bienenrettern zu werden. Mit dem gesammelten Geld soll eine erste Serie von Bienen-Saunen hergestellt werden. Bislang kamen auf diese Weise mehr als 50 .000 Euro zusammen. Auch etwa 75 Imker haben bundeweit bereits zugesagt, bei dem Projekt mitzumachen. Im kommenden Frühjahr soll die Wärmebehandlung in den Bienenstöcken in einem Feldversuch getestet werden.
Weitere Informationen dazu gibt es Internet auf www.wir-retten-bienen.org. (Sabine Schiner)

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