Dieburger Schwimmer suchen nach neuem Trainingsbad

Christian Meister vom SV Blau-Gelb Dieburg

Der Umbruch in Dieburg geht auch am örtlichen Hallenbad nicht vorüber. 2019 läuft der städtebauliche Vertrag zwischen dem Betreiberverein, dem Wassersportverein Dieburg, und der Stadt aus – der Abriss wird folgen, um weiteren Wohnraum für das Neubaugebiet am Campus zu schaffen. Christian Meister, Leiter der Schwimmabteilung des SV Blau-Gelb Dieburg spricht mit uns über die Zukunft seiner Schützlinge und die vorerst gescheiterten Pläne für ein neues Bad.

Nach aktuellem Stand muss das Hallenbad in sieben Jahren dem Neubaugebiet weichen. Sitzen Ihre Schwimmer dann im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Trockenen?
Momentan sieht es ganz danach aus. Es ist schade, dass die Stadt und der Landkreis uns und dem WSV bei den Plänen für ein neues Bad nicht noch ein wenig entgegenkommen. Für die Detailplanung wurden 50.000 Euro und ein Grundstück zur Verfügung gestellt. Für die nötige Infrastruktur hätte man ebenfalls gesorgt, aber für das Hauptbauvorhaben sollte der WSV in die Bresche springen. Niemand wird es überraschen, dass das die finanziellen Möglichkeiten des Vereins deutlich übersteigt. Bitter ist, dass der Hessische Sportbund das Vorhaben mit rund einer Millionen Euro unterstützt hätte und die Kosten für die Stadt und den Landkreis damit schon gedrückt worden wären. Da wir mit einem baldigen Kurswechsel nicht rechnen, ist es für uns natürlich schon an der Zeit, nach Alternativen Ausschau zu halten. Vom Hallenbad sind zu viele Menschen in Dieburg abhängig, als das man sich in der Sache eine Verschnaufpause gönnen könnte.

Wen betrifft eine Schließung vor allem?
Das Bad wird sehr unterschiedlich genutzt. Da sind wir Schwimmvereine mit unserem Angebot für Jung und Alt, Schulen, die DLRG, Triathleten, Taucher und private Schwimmschulen. Letztens waren sogar Leute da, die Kanupolo gespielt haben – und das auf einer 25-Meter-Bahn! Insgesamt vermietet der WSV neunzig Stunden in der Woche.

Wie sehr betrifft Sie das bevorstehende Ende des Hallenbads persönlich?
In erster Linie geht es mir als Schwimmabteilungsleiter um unsere Mitglieder, die zukünftig große Probleme haben werden, einen Hallenbadplatz zu finden. Ungefähr die Hälfte unserer etwa 280 Schwimmer sind Kinder und Jugendliche, die umso mehr auf ein Bad in der Nähe angewiesen sind. Für mich persönlich ist es auch von großer Bedeutung. Als ich hier vor vierzig Jahren angefangen habe, an der Post-Hochschule zu studieren, habe ich von einem Kommilitonen das Schwimmen erst so richtig gelernt.

Könnte das örtliche Freibad für das Hallenbad einspringen?
Leider nicht wirklich, da das Freibad nur vier Monate im Jahr geöffnet hat. Die Vereine können es genauso wie das Hallenbad anmieten. Aber ich denke, jeder kann sich vorstellen, dass das Bad während der Ferienzeit aus allen Nähten platzt und die Übungseinheiten so deutlich behindert werden. Es lag sogar mal ein Entwurf bei der Stadt für eine Überdachung der 50-Meter-Bahnen vor. Weil das Freibad zu reparaturanfällig ist und der Plan zu energieineffizient war, hatte man sich dagegen entschieden.

Die Schwimmhalle ist schon über vierzig Jahre alt. Ob Abrissplanungen oder nicht – würde eine Nutzung über 2019 hinaus überhaupt Sinn machen?
Für so ein altes Bad ist es wirklich sehr gut in Schuss. Als vor acht Jahren einige Reparaturen anstanden, sollte es schon einmal geschlossen werden, wurde dann aber doch noch einmal funktional verbessert. Es gab neue Pumpen und eine neue Wärmeisolierung, mit dem Ziel, die Betriebskosten so niedrig wie möglich zu halten. Solange es keine anderen Pläne gibt, sind wir auf das Bad angewiesen. Einen eventuellen „Worst Case“, das heißt einen Ausfall wichtiger Geräte mit hohen Reparaturkosten, verkraftet es nicht. Niemand würde Geld in ein Hallenbad stecken, von dem man weiß, dass es bald abgerissen wird.

Gibt es neue Ideen für die Zukunft?
Es gibt neue Pläne, die sind aber leider noch nicht spruchreif. Ich finde es wichtig, die Gemeinden an einen gemeinsamen Tisch zu holen. In Groß-Zimmern und Münster gibt es zwar kaum freie Kapazitäten, aber durch eine Bildung gemeinsamer Trainingsgruppen könnte man schon einige Leute auffangen. Ich habe noch genug Hoffnung, dass wir eine Lösung, möglichst mit einem neuen Bad, finden werden.

Das Interview führte Max Gottschalk
Foto: Max Gottschalk

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