Wie Dieburg zur Hochschulstadt wurde

Standortjuwel Dieburg: Die Kreisstadt liegt günstig

Am 9. Oktober 1964 legte Alt-Bundespostminister Richard Stücklen den Grundstein für die Ingenieurschule in Dieburg. Vier Jahre später begrüßte die Akademie ihre ersten Studierenden. Doch wie kam es, dass die Kreisstadt Standort technischer Entwicklung wurde?

Die Tage der Wohntürme am Mediencampus Dieburg sind gezählt. Bald werden sie abgerissen und eine neue Wohnsiedlung entsteht dort, wo früher das Herz der Hochschule geschlagen hat.

Die Kreisstadt steht damit vor einem weiteren Umbruch – genau wie
damals, 1964, als der einstige Bundespostminister Richard Stücklen den Grundstein für den Neubau einer Ingenieurschule legte. „Möge Gottes Segen über dieser Ausbildungsstätte liegen“, sagte Stücklen an jenem Tag am Ende seiner Rede.

Daraufhin entstand eine stattliche Gebäudegruppe, die Platz für 1200 Studierende schuf. Auf dem Areal südlich der Aschaffenburger Straße entstanden fünf Unterrichtsgebäude, ein Verwaltungsteil, eine Aula, die erwähnten vier Studentenwohnheime, eine Turnhalle und mehrere Wirtschaftsbauten. Die staatlich anerkannte Akademie, deren Lehrbetrieb am 17. September 1968 aufgenommen wurde, war als Mittelbehörde direkt dem Bundespostministerium in Bonn unterstellt.

Die Verantwortlichen suchten bei der Planung der Hochschule in den sechziger Jahren nach einem günstigen Standort. Dabei hatten sie mehrere Forderungen und Bedingungen gestellt. Die Akademie sollte verkehrsmäßig günstig und nicht weit entfernt von einschlägigen Industriefirmen und Forschungszentren liegen, keine schwierigen Wohnverhältnisse aufweisen und zudem seinen Platz im Herzen der Bundesrepublik finden.

Man wählte Dieburg, das neben seinen Vorteilen im Schnitt des Rhein-Main-Neckar-Dreiecks und den Verbindungen zu Frankfurt und Darmstadt einen einflussreichen Interessenvertreter hatte: Der damalige Staatssekretär im Bundespostministerium, Dr. Hans Steinmetz, war Dieburger und kannte die Vorzüge seiner Heimatstadt.

Die Kreisstadt sei außerdem aufgrund der Dozentenfrage ideal gewesen. Sie liegt in der Nähe der Oberpostdirektion Frankfurt und den Zentralämtern, sowie dem Fernmeldeschulamt der Deutschen Post. In Darmstadt selbst, so sagte der Bundespostminister in seiner Rede, sei ein geeignetes  Gelände, was immerhin  eine Fläche von 100.000 Quadratmetern ausmachte, nicht zu finden gewesen. Zudem waren die Grundstückspreise in Dieburg deutlich günstiger.

Der ruhige Ort am Schnittpunkt der Bundesstraßen 26 und 45 wurde somit zum Sitz einer Ingenieurschule, die einen Meilenstein in der technischen Entwicklung der Deutschen Bundespost darstellte.

Die Kosten der Akademie beliefen sich einschließlich Bau- und Ausstattungskosten auf 100 Millionen Mark. Das Bundespostministerium sei anfangs von 50 Millionen Mark ausgegangen, wie das Darmstädter Echo berichtete.

Die Hochschule ist bis heute – nun als Campus der Hochschule Darmstadt – ein repräsentatives Schmuckstück der Stadt Dieburg geblieben.

Text und Infografik: Ilker Bicakci

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