Turmbewohner erinnern sich: „Der Campus war ein Meilenstein für meine Ehe und meinen Job“

Ehemalige Turmbewohnerin Sigrid Bork

Der Campus als Ehestifter: Das ist auch die Erfahrung von Sigrid Bork. Sie kam zwischen Hörsaal und Wohnheim mit ihrem heutigen Ehemann Karl-Heinz zusammen. „Der Campus war ein Meilenstein für meine Ehe und natürlich auch für mein weiteres Berufsleben“, sagt die ehemalige Bewohnerin.

Das erste Mal sah Sigrid Bork ihren Mann im Fernmeldeamt in Frankfurt. Sie war dort damals angestellt und hieß mit Nachnamen noch Hahn. “ Das war kurz vor Beginn meines Studiums. Ich bin erst nach Köln gegangen, bevor ich in Dieburg gelandet bin”, sagt sie. Als sie dann in Dieburg wohnte, fand sie heraus, dass Karl-Heinz ebenfalls in einem der Wohntürme lebte. Er residierte im Haus Nummer 8. Nach Beendigung ihrer Studien, zogen die beiden dann gemeinsam nach Groß-Zimmern.

Von 1982 bis 1984 wohnte die damalige Studentin in einem der vier Türme am Campus im Haus Nummer 6. Das duale Studium im Bereich Post und Telekommunikation bot viele Vorteile: „Es dauerte lediglich zwei Jahre und man bekam auch schon ein Ausbildungsgehalt“, erinnert sich Sigrid Bork und fügt hinzu: „So konnte man als Student schon ein recht angenehmes Leben führen.“  Allerdings gab es eine zeitliche Begrenzung, wie die ehemalige Turmbewohnerin berichtet: „Das Studium war in Blöcke von je vier Monaten aufgeteilt. Den Rest der Zeit wurde man im Betrieb durch diverse Praktika ausgebildet.“

Angesprochen auf die damalige Wohnsituation in den Türmen erinnert sich die ehemalige Bewohnerin: „Die Zimmer waren klein, dafür hatte ich aber eine eigene Toilette. Lediglich die Duschen musste man sich teilen.“ Eine Trennung von Männern und Frauen gab es nicht mehr. „Es gab aber auch recht wenige Frauen am Campus, da die Verwaltungsstudiengänge noch sehr neu waren“, erinnert sich die ehemalige Studentin und erzählt weiter: „Wir waren damals erst der dritte Jahrgang aus diesem Bereich.“

Das damalige Sport- und Freizeitprogramm unterschied sich nicht sonderlich vom heutigen. „Es gab das Hallenbad, das für Schwimmveranstaltungen genutzt wurde, sowie diverse andere Sportangebote. Manches davon fand in Darmstadt statt, allerdings habe ich hier am Campus einige Zeit Tennis gespielt, mein Mann auch“, zählt Sigrid Bork auf.

Von Anekdoten über wilde Parties kann sie nichts berichten: „Es gab zwar einmal im Jahr das Waldfest und auch die Discothek Druckwelle war recht beliebt, aber ansonsten war die Zeit eher ruhig.“ In Erinnerung blieb ihr allerdings die Faschingszeit, für die Dieburg berühmt ist und die eine lange Tradition hat. Zu dieser Zeit habe immer Ausnahmezustand geherrscht, erzählt die heute 52-Jährige.

Heute lebt Sigrid Bork gemeinsam mit ihrem 58 Jahre alten Ehemann und dem 18-Jährigen Sohn Philipp in Hergershausen. Sie ist aktuell bei der Agentur für Arbeit in Dieburg beschäftigt.  Mit Spannung und etwas Wehmut blickt sie auf die weiteren Ereignisse rund um die Türme: „Ein bisschen komisch ist es schon, die Türme gehörten so viele Jahre zu Dieburg und bald werden sie weg sein.“

Text und Foto: Christian Bunke

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