Turmbewohner erinnern sich: „Der Campus bedeutete Studentenleben“

Holger Bassarek

Mit Wehmut beobachtet Holger Bassarek den Abriss der „vier
Türme“. Der heutige Laboringenieur studierte dreieinhalb Jahre lang am ehemaligen Postcampus und wird die Wohnheimtürme als Erkennungsmerkmal Dieburgs vermissen.


Mit einer großen Begrüßungsfeier in der Mensa begann 1989 für Holger Bassarek die Studienzeit am Dieburger Campus. Was heutige Studenten vermissen war zu seiner Zeit gegeben: ein buntes und abwechslungsreiches Studentenleben. „Dadurch, dass wir alle zusammen gewohnt haben, gab es sehr viele Dinge, die neben dem Studium gelaufen sind“, erklärt er.

Mit leuchtenden Augen erinnert sich der gebürtige Vogelsberger an Freizeitangebote, wie wöchentliche Bandauftritte, das vom Kulturausschuss organisierte Campuskino oder an die vom Studentenverein getragene und berüchtigte Diskothek „Druckwelle“. Auch die Cocktailbar, die von Studenten eingerichtet wurde, war ein beliebter Treffpunkt. Hier konnte man Spiele ausleihen oder einfach in geselliger Runde Tee oder Cocktails trinken.

Außerdem weiß Bassarek von der ein oder anderen Anekdote aus alten Zeiten zu berichten. So gab es wilde Stockwerkspartys, bei denen die „Neuen“ Wettrennen bis in den 16. Stock in Haus 8 absolvieren mussten, mit Mehl eingepudert wurden und anschließend in der Badewanne gelandet sind. Oder Motorräder, die hin und wieder den Stockwerksflur entlang brausten. Manchmal waren nicht einmal die Aufzüge nutzbar, wenn diese kurzerhand umfunktioniert und von Studenten mit Tisch, Stühlen und Bier besetzt wurden.

Ein weiteres alljährlich im Oktober wiederkehrendes Highlight war das Waldfest. Die Popularität des von Studenten organisierten Events war so groß, dass sich das Fest schnell zum inoffiziellen Ehemaligentreff entwickelte. Hinter Haus 8 wurde ein großes Bierzelt aufgestellt und es gab Livemusik. Die Stimmung war immer sehr gut und alle haben auf Tischen und Bänken getanzt. „Es hat meistens damit geendet, dass die Bierzeltgarnituren kaputt waren”, erinnert sich Bassarek.

Zurückblickend möchte der Wahldieburger keinesfalls seine Studentenzeit am Campus Dieburg missen. Mit seinen Kommilitonen teilte er nicht nur das Studium, sondern auch seine gesamte Freizeit. „Es gibt unglaublich viele Ehen, die hier damals entstanden sind“, erzählt Bassarek. Auch er hat seine Frau während des Studiums kennengelernt. Nach einer so intensiven Zeit ist es naheliegend, dass er – wie viele Ehemalige auch – die Gelegenheit Ende Februar nutzte, um die Türme ein letztes Mal zu besichtigen. Die Investoren öffneten noch einmal für ein paar Stunden das ehemalige Wohnheim. Ursprünglich damit Möbelverwerter die zum Teil noch gut erhaltenen Einrichtungsgegenstände aus den Zimmern bergen konnten. „Ich habe nochmal mein altes Zimmer besichtigt – und mein Türschild abgeschraubt“, freut sich Bassarek.

Den Abriss der Türme verfolgt Bassarek mit Wehmut. „Man hätte das Konzept weiterführen sollen“, erzählt er traurig, „es wurde die Gelegenheit vertan, etwas Tolles daraus zu machen“.

Text und Foto: Fiona Lenz

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One Response to Turmbewohner erinnern sich: „Der Campus bedeutete Studentenleben“

  1. Torsten Fröhlich sagt:

    Sehr lesenswerter und gut geschriebener Artikel. Ich kenne Holger Bassarek als Kollegen, aber seine Geschichte und die des Campus kannte ich nicht.

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