Supermarkt am Campus: Lieferservice für Studentenpartys

Christian (links) und Herbert Kosch

Wenige hundert Meter vom Campus der Dieburger Fachhochschule entfernt steht ein beschaulicher Edeka-Markt; dort befindet er sich fast schon so lange wie die Hochschule selbst. Die ersten Nachrichtentechnik-Studenten begannen 1968, Inhaber Herbert Kosch eröffnete sein Geschäft im Jahr 1969. Zu dieser Zeit sah die Gegend um die Hochschule noch ganz anders aus.

„Zwischen Markt und FH war nur Feld. Die Einfamilienhäuser standen noch nicht“, schildert Kosch. Zudem habe es in der Nähe noch einen Bauern gegeben, der Schweinezucht betrieb. „Manchmal hat man das schon gerochen“, sagt er. Doch nicht nur die Gegend sah anders aus – auch die Zielgruppe der Studenten hat für den „Behelfsladen“ eine wichtigere Rolle gespielt. Der Großteil der Studenten lebten in den Wohntürmen auf dem Campusgelände, welche nun abgerissen werden sollen.  Die Folge: „Nachmittags war unser Laden mit Studenten voll belegt“, sagt Kosch.

Dabei waren die Studenten für den 76-Jährigen gern gesehene Kunden: „Sie sind mit ihren Anliegen zu uns gekommen. Wir hatten ein familiäres Verhältnis“, hebt er hervor. So familiär, dass er – per Lieferwagen – Speisen und Getränke zuweilen direkt vor die Haustür lieferte. Der Grund: „In den Wohnhäusern fanden häufig Studentenpartys statt. Meist im Haus 8, da es dort Gemeinschaftsräume gab.“ Dafür hätten die Studenten sehr große Bestellungen aufgegeben.

So sah die erste Filiale aus, die 1969 errichtet wurde.

Kein Wunder: Die Studentenzahlen stiegen in den Anfangsjahren rapide an. Zugleich veränderte sich die Gegend: Das unbebaute Feld wich den Wohngebieten und so konnte Kosch bald neue Kunden in seinem Markt begrüßen. Dieser stand bis zum Jahre 1978 auf dem heutigen Parkplatz der Konditorei „Schmitt“. Da die Fläche mit 250 Quadratmeter jedoch gering war, entschloss sich Kosch für den Bau eines neuen Geschäftes. Eine große Umstellung war dies aber weder für den Einzelhändler noch für seine Kunden. Denn der heute 550 Quadratmeter große Markt steht schräg gegenüber des alten Ladens.

Bereits in den ersten Jahren lernte Kosch drei Studenten kennen, die ihm in besonderer Erinnerung blieben. „Es war eine bayerische Crew“, betont der 76-Jährige. Eine Crew, die in den Anfangsjahren als freiwilliger Sicherheitsdienst am Campus fungierte. „Damals wurde in die FH eingebrochen und wohl auch Gerätschaften entwendet. Die drei haben Wache geschoben, da sie sagten: Die Einbrüche werden auf uns Studenten geschoben“, erzählt Kosch. Zu einem der Studenten pflege er noch heute Kontakt, da dieser sich hier angesiedelt und geheiratet habe.

Kontakt bestehe zudem auch noch zu ehemaligen Professoren. „Sie sind damals herzogen und kaufen heute noch ein“, weiß Koschs Sohn Christian. Er ist seit 1996 neuer Inhaber des Marktes, wird von seinem Vater aber weiterhin tatkräftig unterstützt. Als Geschäftsführer hat Christian die Zukunft im Blick – und damit auch den Bau der Einfamilienhäuser auf dem ehemaligen Campusgelände. Seine Geschäftsprognose? „Es kann nur von Vorteil sein, dass ein Siedlungsgebiet entsteht. Wir versprechen uns ein klares Umsatzplus.“

Text und Fotos: Fabian Sell

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