Studentenfutter

Francesco Nacci

Francesco Nacci, Studentenfreund und Besitzer der Pizzeria Romana

Mit leerem Magen lernt es sich nur halb so gut. Und da auch die beste Mensa auf Dauer langweilig wird, gehört eine Stammkneipe zum Studentenleben wie durchfeierte Nächte und Dosenbier. Doch warum zog es die Dieburger Studenten ausgerechnet zu Francesco ins benachbarte Münster?


In unseren Interviews mit ehemaligen Studierenden des Dieburger Campus erfuhren wir so einiges über die Wohnbedingungen innerhalb der vier Türme und die lustigen Anekdoten aus dem Hochschulalltag. Ein Name tauchte dabei immer wieder auf: Francesco. Der Retter für den knurrenden Studentenmagen. Der Geheimtipp für freie Seminarblöcke. Doch wer ist dieser Francesco, dessen Pizzen bei allen Studenten bekannt und beliebt sind?

Francesco Nacci führt die Pizzeria Romana in zweiter Generation. Üblicherweise gehen die meisten jedoch eher „zu Francesco“ essen, als in die Pizzeria Romana. Bereits seit 1973 besteht der Familienbetrieb im Herzen Münsters. In den ursprünglichen Gasträumen in der Hintergasse gehörten die Dieburger Studenten fast schon zum Inventar. Warum, das kann Francesco auch nicht wirklich erklären:  „Irgendwann sind sie einfach mal zu uns rübergekommen. Und dann hat sich das wohl schnell rumgesprochen. In den Achtzigern haben wir dann in der damaligen Studentenzeitung eine kleine Anzeige geschaltet und eine Mark Studentenrabatt auf jedes Essen geboten.“ Besonders die Pizzen seien bei den Studenten schon immer sehr beliebt gewesen. Das kann auch Raimund Turnwald bestätigen. Der ehemalige Nachrichtentechnik-Student und Turmbewohner gerät noch heute ins Schwärmen, wenn er von den Abenden bei Francesco erzählt. „Wir sind immer haufenweise nach Münster gefahren. Ab 23 Uhr hast du da gar keinen Platz mehr bekommen. Francesco kam immer zu uns an den Tisch und fragte „Schon bestellt mein Freund?“, weil er möglichst schnell wieder Platz für neue Gäste schaffen wollte.“ Er selbst habe meistens die Schinken-Pilze-Pizza gegessen und ein Weizenbier getrunken.

„Wir waren damals eines der ersten Lokale, die hier im Ort Weizenbier angeboten haben“, erklärt Francesco. Bevor er das Restaurant 1986 von seinem Vater übernommen hat, arbeitete er bereits im Betrieb mit und kann sich noch an viele lustige Geschichten aus dieser Zeit erinnern. „Es kam auch mal vor, dass die Studenten sich mit zehn Leuten an einen Tisch gesetzt haben, der eigentlich für sechs Mann bestimmt war. Das hat sie aber nicht gestört. Und wenn sie dann fertig gegessen hatten, haben sie sich manchmal noch 40 bis 50 Pizzen zum Einfrieren mit nach Hause genommen“, erzählt der Italiener. Auch das Waldfest hätten sie schon mit Pizzen und Nudeln versorgt. „Damals stand ich mitten im Gewühl und habe die Pizzen wie Frisbees in die Menge geworfen.“

Besonders großer Hunger und wagemutiges Wetten mit dem Gastwirt konnten schon mal zu Pizza-Wettessen führen. „Wir haben damals gewettet: Wer sechs Pizzen innerhalb einer Stunde isst, der muss das Essen nicht bezahlen und wird noch zweimal zum Essen eingeladen“, erklärt Francesco. Viele hätten sich auf diese Wette eingelassen, nur wenige hätten sie tatsächlich gewonnen. „Wir mussten nur irgendwann die Spielregeln ändern“, fügt er hinzu. Zu viele seien nach zwei bis drei Pizzen gescheitert und dann gegangen, ohne zu bezahlen.

Zwar kämen seit dem Ende der Telekom Hochschule weniger Studenten, dennoch fänden immer noch viele von ihnen den Weg nach Münster. Und auch für die Ehemaligen bleibt „bei Francesco“ eine Institution. „Wir haben eine Gruppe von zehn bis fünfzehn ehemaligen Studenten, die gut alle sechs Wochen vorbeikommen und dafür teilweise bis aus Berlin anreisen“, erzählt Francesco. „Auch eine Gruppe aus Bayern trifft sich noch regelmäßig bei uns. Einer von ihnen hat immer Schnupftabak dabei. Genau wie früher.“

Text und Foto: Laura Engels

Dieser Beitrag wurde unter Was ist?, Was war? abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

One Response to Studentenfutter

  1. Joe sagt:

    Ja an Francesco kann ich mich noch gut erinnern, Dort gab es Pizzen ohne Messer und Gabel – lecker.
    An einen lustigen Vorfall kann ich mich noch gut erinnern: Auf einer leckeren Pizza fand sich ein nicht definierbares Etwas. Als wir Francesco fragten sagte er in gebrochenem Deutsch Strumpf. Die Fragezeichen standen uns wohl in den Augen. Die Erklärung kam dann aber von einem besser sprechenden Mitarbeiter. Es handelte sich um einen Pilzstumpf. Wir lachten Alle herzlich über diese Geschichte.
    Wir sind auch öfters in der Mittagszeit dort gewesen. Die Mensa war nicht so ganz unser Geschmack.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.