Interview: „Die Telekom hätte sich an Kosten beteiligen sollen“

Heribert Sürder ist Gründungsmitglied der Unabhängigen Wählergemeinschaft Dieburg (UWD) und setzt sich seit vielen Jahren für Bürgeranliegen ein. Wie auch die Grünen, hat die UWD bei der Sitzung der Stadtverordneten im April 2011 gegen den aktuellen Bebauungsplan gestimmt. In einem Interview erzählt uns Sürder, warum die Wählergemeinschaft nicht mit dem Bebauungsplan einverstanden war und wie die Perspektiven für die Zukunft aussehen.

Herr Sürder, was war der Hauptgrund der die Mitglieder der UWD dazu gebracht hat, gegen den Bebauungsplan zu stimmen?

In erster Linie ging es darum, dass wir mit den Rahmenbedingungen, die der Telekom zugestanden wurden, nicht einverstanden waren. Über kurz oder lang wird das Schwimmbad wegfallen, dann ziehen dort Familien mit Kindern hin. Somit muss die Stadt für neue Kindergartenplätze sorgen. Wir waren nicht damit einverstanden, dass das Projekt der Telekom zu einem so günstigen Preis überlassen wurde. Wir hätten uns gewünscht, dass sich die Telekom an den neu entstehenden Kosten beteiligt, um wenigstens die Finanzierung eines neuen Kindergartens und die Teilfinanzierung eines neuen Hallenbades zu sichern.

Warum erwarten Sie von der Telekom eine Beteiligung an den Kosten?

Die Telekom hat das Grundstück damals recht preiswert bekommen. Heute werden die Bauflächen natürlich teurer verkauft und die Telekom profitiert davon. Deshalb wäre unser Wunsch gewesen, dass sich das Unternehmen an der Infrastruktur der Stadt Dieburg beteiligt.

Also sind Sie nicht gegen die Bebauung im Allgemeinen. Vielmehr stören Sie die Rahmenbedingungen des Bebauungsplans?

Natürlich sind wir nicht gegen die Bebauung. Ein attraktives Wohngebiet ist ein großer Vorteil für Dieburg. Viele Bürger haben schon ein Grundstück erworben. Außerdem ziehen viele junge Familien von außerhalb zu uns, das belebt die ganze Bevölkerungsstruktur. Aber wie gesagt: Für die neuen Familien müssen wir eben neue Kindergarten- und Hortplätze schaffen und das ist teuer. Momentan versuchen wir noch unsere Schulden zu senken, daher können wir die neuen Plätze nicht einfach aus der Portokasse bezahlen. Aber wir sind auf einem guten Weg.

Gibt es noch weitere Nachteile, die Sie beklagen würden?

Ja, wie man sich vorstellen kann, müssen die Anwohner der Baustelle viel Lärm und Staub ertragen. Unter Umständen wird auch die Straße strapaziert, bisher ist diese Befürchtung noch nicht eingetreten. Aber das sind generelle Nachteile, die bei jedem Bau entstehen. Die Anwohner dürfen nicht vergessen, dass sie selbst auch einmal gebaut haben.

Wie würde der Bebauungsplan aussehen, wenn die UWD ihn selbst gestalten könnte? Käme für Sie ein Sozialwohnungsbau anstelle der Einfamilienhäuser in Frage?

Wir würden den Plan ähnlich gestalten. Eine offene Bebauung mit Reihenhäusern entspricht schon unseren Vorstellungen. Mit der Ausführung sind wir mit Ausnahme der oben genannten Aspekte zufrieden. Ein Sozialwohnungsbau wäre auch eine Möglichkeit gewesen, jedoch haben wir auf diesem Baugelände nicht die idealen Bedingungen dafür.

Von der geplanten Schließung des Schwimmbades sind viele Bürger nicht begeistert. Wie kann man in Zukunft dieses Problem kompensieren?

Es ist bereits ein Sportzentrum in Vorplanung, aber es wird natürlich mittelfristig an der Finanzierung scheitern. Wenn wir das Sportzentrum heute anfangen zu bauen, dann müssen die Schulden unsere Kinder, also die Nachgenerationen, tragen. Hier hätte ein finanzieller Zuschuss der Telekom geholfen, aber das geht natürlich ins Extreme. Man muss auch sagen, dass das Unternehmen die Abrissarbeiten bezahlt und hohe Kosten auf sich nimmt, daher ist es reine Wunschvorstellung, Geld für ein neues Sportzentrum zu verlangen.

Danke für das Interview.

Interview und Text: Marcel Cichon

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