Erinnerungen: Das Waldfest

Im Zelt

So sah es damals beim Waldfest im Zelt aus

„Rock, oh rock my baby roll“

Besonderer Höhepunkt auf dem Campus Dieburg war das alljährlich stattfindende große Waldfest. Hier feierten Studenten und Ehemalige der Hochschule ein Wochenende lang gemeinsam. “Ernesto 8929”, ehemaliger Student und Wohnheimbewohner, erinnert sich an das legendäre Fest.



Von 1983 bis 1986 war “Ernesto 8929” (Spitzname plus Zimmernummer) Nachrichtentechnik-Student am Campus. Zum Waldfest ist er auch danach regelmäßig zurückgekehrt – “bis zu seinem Ende um das Jahr 2000”. Seine Erinnerungen hat er aufgeschrieben und uns zugeschickt:

Bierzelt von Haus10 von oben

Bierzelt an Haus 10 von oben

“Das Waldfest der FH Dieburg fand (ab den 1970er Jahren?) immer am ersten Oktoberwochenende statt. Ab den 1990er Jahren dann wohl am zweiten Oktoberwochenende (glaub ich wenigstens). Auf der Wiese hinter dem Haus 8 und Haus 10 wurde in der Woche vor Beginn ein „großes“ Bierzelt aufgebaut. Das jeweilige WOK (Waldfest Organisationskomitee) hatte das, wie auch alles andere rund ums Waldfest, organisiert. Direkt am Zelt – hinterm Ausschank stand der gekühlte Biercontainer. Von meinem Zimmer in 8929 war das gut zu beobachten und spätestens donnerstags war die Spannung schon kaum mehr auszuhalten: nur noch einen Tag..!

Ozapft is

Ozapft is

Freitags pünktlich um 20 Uhr wurde das erste Fass Bier (= Freibier) von einem Dozenten und Mitgliedern des WOK o’zapft. Auf der Bühne wurde von den Bands dann fast ausschließlich Skiffle gespielt, meist bis so gegen 4 Uhr in der Früh. Icecream musste X mal gespielt werden. Das feiernde und auf den Bänken tanzende Volk hat dabei einige der Tische und Bänke zu Bruch gehen lassen. Leider weiß ich den Namen der Band, die dort häufig gespielt hat, nicht mehr. Soweit ich mich erinnern kann, war einmal statt einer Skiffleband eine Rockband auf der Bühne, die hatten es aber echt schwer, das Publikum forderte ausdauernd und sehr nachdrücklich:
i scream, you scream
everybody wants ice cream
rock, oh rock my baby roll

Das Waldfest war immer auch ein Begegnungsfest von aktuellen und ehemaligen Studenten, egal ob Nachrichtentechniker oder FH-Bundler (Verwaltungsfachwirte). Hier haben sich auch die Skifahrer der Skifreizeit der FH Dieburg getroffen – auch um die Zimmerbelegung für die nächste Skifreizeit zu planen.

Frühstück in 8929

Frühstück in 8929

Als Ehemaliger parkte man seinen Schlafsack meist in einem Gruppenraum seines früheren Stockwerks. Ab und zu wurde im Schlafsack aber auch gepennt. Zum Frischmachen morgens früh (nicht vor 13 Uhr) ging’s in die Stockwerksdusche. Irgendwo gab’s dann einen Kaffee. Ideal war es, wenn man noch nicht zu lange „Ehemaliger“ war und man noch genügend Leute kannte. Die Versorgung hat aber immer geklappt. Samstags trafen sich viele, bevor es wieder um 20 Uhr ins Zelt ging, in Münster beim „Francesco“. Es war „der“ Italiener (Pizza Feuer).

Lauflicht

Lauflicht im 9. Stock

Samstags abends kamen noch mehr Ehemalige, viele auch von weiter her. Auf den Parkplätzen gegenüber vom Schwimmbad standen dann eine Menge Wohnmobile. Sonntags gab es kein Auspennen bis viertel nach spät. Um 10 Uhr startete der Frühschoppen im Zelt – beim Frühschoppen dabei sein war Ehrensache. Ein oder zwei Leute gaben Folkmusik zum Besten (auch hier lässt mich mein Namensgedächtnis im Stich). Sonntags zum Frühschoppen kamen dann auch – von Jahr zu Jahr – immer öfter Leute mit ihrem Nachwuchs im Kinderwagen. Das Waldfest „klingelte“ dann am – mehr oder weniger frühen – Nachmittag aus, abgesehen von einigen internen Nachfeiern im Haus 8.

Auch die Hausdiskothek Druckwelle (im Haus 10) hatte offen, und dort war es auch immer rappelvoll. Hier fand man die Skifflemusikallergischen. Im Raum neben der Druckwelle spielte meist noch irgendeine Rockband. In den letzten Jahren vor dem Aus des Waldfestes gab es meines Wissens dann kein Bierzelt mehr. Hier sind meine Erinnerungen jedoch so gut wie ausgelöscht, es ist wohl besser so…”

Kontakt und Text: Mirja Hirvonen
Bilder: Ernesto 8929

Hast Du auch noch Erlebnisse vom Waldfest zu berichten? Wir freuen uns über Kommentare!


Dieser Beitrag wurde unter Was war? abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten auf Erinnerungen: Das Waldfest

  1. Marco sagt:

    Ich war Mitglied der erwähnten Rockband (Blind Date), die einmal da spielte, und nichts von “Ice Cream” wusste. Das war so ca. 1995. Es war der Horror. Statt Musik zu machen mussten wir darüber diskutieren, was mit “Ice Cream” ist. Eine der Rockbands die im Haus 10 neben der Druckwelle spielte, waren meiner Erinnerung nach die “Wild Waltons”.

  2. Holger sagt:

    Der Folkmusik-Teil zum Frühschoppen wurde von Dave Meaney mit und ohne Barbara Clear absolviert.

  3. Und hier noch mehr Infos zu Ernestos schönem Artikel:

    Die klassische Skiffle-Band, die zu meiner Zeit (1985 – 1989) und auch davor und danach noch dort spielte, war die General Postmaster Skiffle Company.
    Die haben sogar eine Platte (Vynil !!!) rausgebracht mit dem Namen “Der Beamte kehrt bald zurück”. Die ist sogar noch in ebay zu finden.

    Parallel zu Blind Date haben wir damals im 2. Zelt vor den Wild Waltons gespielt, da in diesem Jahr das Haus 10 zu blieb (wohl aus Sicherheitsgründen oder so was). Das genaue Jahr weiß ich nicht mehr, bei Gelegenheit kann ich aber auf dem Plakat nachsehen, das sich noch irgendwo auf dem Dachboden befinden muß.

    Wie oft wir Icecream gepspielt haben weiß ich nicht mehr, nur noch daß ich beim letzten Country Roads froh war, daß das Publikum den Refrain alleine singen konnte :-)

    Und uns gibts auch noch musizierenderweise: Die Fissemadende

  4. 1976 habe ich das Waldfest zusammen mit ca 5 weiteren Leuten mitorganisert, 1977 zusammen mit Conny Schmidt, die Jahre davor war es mehrmals der legendäre Heinz Ade.
    Bis 1976 trat im Bierzelt meines Wissens keine Band auf. Wir haben dann überlegt wie wir die verstreuten Leute vom Haus 10 ins Zelt bekommen und welche Art von Musik ins Zelt passt, im Partykeller war natürlich Disco und im Grossen Saal im Haus 10 immer eine Tanzband. Ich habe überall rumgefragt nach Bands , da kam von Helge Heidenreich der Vorschlag die Light Mountain Ramblers, die er persönlich aus Braunschweig kennt, zu nehmen. Eine Country und Skiffle Gruppe war ein gewisses Risko.
    Der Erfolg war aber legendär. Die haben sowohl am Freitag wie auch am Samstag gespeilt bis teilweise 4 Uhr morgens. Die Light Mountain Ramblers haben noch 10 Jahre am Waldfest gespielt.

    • Was noch nachzutragen wäre:
      Die Light Mountain Ramblers haben das legendäre “Ice Cream” zum Ersten Mal als Kult etabliert. Da die Jungs am 2. Abend mit dem 2. Konzert so heisser waren haben Sie mal eine Stunde nur Ice Cream von den Zuhörern singen lassen. Bei diesem Lied sind grössere Kolateralschäden unvermeidlich gewesen, zu meinem Missfallen als Organisator: Die Leute standen auf den Biertischen und wir hatten viel Bruch.

  5. Hans Reinhard sagt:

    O`zapft is…. das Foto entstand im Oktober 1984 oder 1985. Prof. Kreher traf leider auch den Krug. Ich erinnere mich…

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>