„Es wäre schön, mehr Studierende in Dieburg unterzubringen“

Hauptgebäude der Hochschule in Darmstadt

Hauptgebäude der Hochschule in Darmstadt


Bereits im Wintersemester 1876/1877 wurde die Vorgängerin der heutigen Hochschule Darmstadt eröffnet: Architektur und Bauingenieurwesen waren die ersten Fachbereiche an der Landesbaugewerkeschule. Mehrere Umbenennungen und Fusionen folgten, bis die Hochschule Darmstadt daraus wurde. Im Interview äußert sich Katja Lenz, Vizepräsidentin der Hochschule, zur Geschichte der Hochschule und zum Mediencampus in Dieburg.

Frau Lenz, seit wann arbeiten Sie schon an der Hochschule Darmstadt und was hat sich in dieser Zeit hier verändert?
Ich habe hier im Oktober 2000 im Fachbereich Informatik angefangen. Seitdem hat sich an der Hochschule einiges getan, so gibt es inzwischen weniger Fachbereiche aber mehr Studiengänge. Die Journalismusstudiengänge, insbesondere der Master Medienentwicklung ist etwas ganz neues, das gab es früher nicht. Viele weitere neue Studiengänge sind geplant. Persönlich freue ich mich sehr darüber, dass die dualen Studienangebote für großes Interesse in den Fachbereichen sorgen. Wir möchten noch mehr Praxis ins Studium reinbringen.

Was hat sich sonst noch verändert?
Wir heißen jetzt anders. Ursprünglich Fachhochschule, jetzt University of Applied
Sciences – ich halte das für einen angemessenen Titel. Wir haben auch unser eigenes
Cooperate Design. Die Leute identifizieren uns durch das Logo, unsere Farben und
unsere Schrift. Der Vorruf hat sich auch in den letzten Jahren positiv geändert.

Was wird sich in den kommenden Jahren an der Hochschule Darmstand ändern?
Eine große Herausforderung sind für uns die doppelten Jahrgänge. Es drängen immer
mehr Studierende an die Hochschule. Gleichzeitig kommt aber nicht das entsprechende
Geld vom Land, was wir eigentlich bräuchten, um den Studienbetrieb zu finanzieren.
Die Hochschule vergibt mit dem Bachelor und Master die gleichen Abschlüssewie
Universitäten. Aber uns fällt der Mittelbau, wir haben keine wissenschaftliche Mitarbeiter in dem Umfang, wie sie die Universitäten haben. Das wollen wir aber mit dem Master by Research oder mit Ph.D. Programm aufbauen. Wir möchten die Möglichkeit geben, Forschungsprojekte durchzuführen, weil diese sehr wichtig für Forschung und Lehre sind.
Ein weiterer Schwerpunkt sind die Studierenden aus anderen Ländern. Zu uns kommen
bereits jetzt sehr viele Leute aus dem Ausland. Wir haben eine buntgemischte Vielfalt an
Nationen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen. Und eine riesige Herausforderung ist es,
diese Studierende am Anfang des Semesters studierfähig zu machen und erfolgreich zum
Studienabschluss zu führen.

Was ist das Besondere am Dieburger Campus?
Ich finde es sehr schön, dass wir den Campus Dieburg als Mediencampus positioniert
haben. Medien sind uns wichtig und in Dieburg können wir den benötigten Raum geben.
Dort gibt es viele multimediale Arbeitsräume. Das ist Luxus. In Darmstadt fehlt uns der
Platz, dort können wir unseren Studierenden das nicht anbieten.

Wie denken Sie über den Abriss der Wohntürme in Dieburg? Einerseits haben dort seit Jahren keine Studierenden gewohnt, aber anderseits verliert so eine kleine Stadt wie Dieburg damit auch einen wichtigen Teil seiner Geschichte.

Ja, das ist schade. Aber die Wohngebäude waren zuletzt nicht mehr bewohnbar und es
hätte zu viel gekostet, um sie zu renovieren.

Wie ist Dieburg als Hochschulstandort eigentlich zu bewerten? Bekommen Sie dazu Feedback von Studierenden?
Ich merke immer wieder, dass Leute sich für Medienstudiengänge bewerben und dann
völlig überrascht sind, dass diese in Dieburg stattfinden. Der öffentliche Nahverkehr ist
nicht optimal, es dauert immer eine gewisse Zeit um dorthin zu kommen und zu
bestimmten Zeiten würden mehr Busse gebraucht. Dieburg ist ein ganz nettes Städtchen,
aber man ist immer am Campus und nie in der Innenstadt. Die Medienstudierende ziehen
für das Studium aus der ganzen Bundesrepublik zu und es wäre schön, wenn wir mehr
Möglichkeiten hätten, dort Studierende wohnmäßig unterzubringen.

Wenn nur wenige Studierende in Dieburg wohnen: Fehlt dann nicht studentisches Leben am Mediencampus?
Ich merke auch hier in Darmstadt, dass abends am Campus relativ wenig los ist. Ich
glaube, das hängt auch ein bisschen an den Studierenden. Sie könnten ein eigenes
Programm auf die Beine stellen. Wir haben hier vor zwei Jahren bei der Fußball-
Weltmeisterschaft zusammen mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA)
ein „Public Viewing“ gemacht. Der AStA hat das mitfinanziert – und da war aufeinmal
Leben da.. Wenn die Studierende jetzt anfangen kreativ zu werden und sagen: „Wir
machen irgendwas gemeinsam“, weil sie in Dieburg einen guten Platz und Raum dafür
haben, um so was auf die Beine zu stellen, dann können wir von der Hochschulleitung das
nur begrüßen.


Interview und Bild: Hanna Ganpantsur

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Eine Antwort auf „Es wäre schön, mehr Studierende in Dieburg unterzubringen“

  1. Michael Kurmies sagt:

    Zitat von Frau Lenz “Ich merke auch hier in Darmstadt, dass abends am Campus relativ wenig los ist.”
    Das ist der Punkt, warum der Campus Dieburg mit dem angeschlossenen Wohnheimen so viel Charme hatte. Dort war am Abend fast immer etwas los. Lediglich an den Wochenenden verlief es etwas ruhiger. Am Sonntagabend gab es dann im Biergarten an der Hohen Straße im Sommer die Begrüßung der Wochenendrückkehrer.
    Der h_da und auch vielen anderen Hochschulen fehlt halt diese enge Verzahnung von Wohn- und Lehrbereich.
    Michael

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