Beim Naturschutz scheiden sich die Geister

Diese Grünanlage zwischen den Häusern 6 und 7 soll bestehen bleiben

Das neue Wohngebiet rund um den Dieburger Campus nimmt mehr als 60.000 Quadratmeter ein. Damit hat es erhebliche Auswirkungen auf die Natur. So wurden bereits etliche Bäume gefällt – damit verschwindet auch Lebensraum für Tiere. Die Projekt-Verantwortlichen betonen allerdings immer wieder, dass die Einbindung der Natur in das Wohngebiet wichtig sei. Einigen Politikern und Anwohnern ist das nicht genug.

Besonders bei den sogenannten Ausgleichsflächen gehen die Meinungen auseinander. “Pro 100 Quadratmeter müssen zwei Bäume erhalten oder neu gepflanzt werden”, sagt Corpus-Sireo-Architekt Sascha Querbach, der für den Bebauungsplan mitverantwortlich ist. Diese Flächen müssten nicht direkt in Dieburg geschaffen werden, aber immerhin in der Umgebung des Rhein-Main-Gebiets. Damit will sich Herbert Nebel von den Dieburger Grünen nicht abfinden: “Die Leute, die jetzt in Dieburg bauen, haben nichts von dem Ausgleich.”

Außerdem müsse man bedenken, dass die Bäume zum Teil schon 100 Jahre alt seien. “Ein vollwertiger Ausgleich ist dann auch erst in 100 Jahren geschaffen”, so Nebel. Fritz Tutt von der ehemaligen Interessengemeinschaft “IG Campus 80” glaubt indes nicht, dass es zu vollwertigen Neupflanzungen kommen wird: “Irgendwann verläuft sich das, weil sich niemand mehr drum kümmert.” Die ganze Sache sei eine “Verdummung der Menschen”.

Herbert Nebel versucht diesen Eindruck so schnell wie möglich zu zerstreuen. Zwar sei das Kreisbauamt zuständig, die Politiker dürften sich aber nicht aus der Verantwortung stehlen: “Es ist auch die Aufgabe meiner Partei zu kontrollieren, ob die Ausgleichsflächen geschaffen wurden.”

Ein großes Problem sieht der Politiker in der “mangelnden ökologischen Bebauung”. So hätte die Politik die Bauherren verpflichten müssen, sich Solar-Anlagen anzuschaffen. “Das haben wir auf jeden Fall befürwortet”, so Nebel. Ziel hätte es sein müssen, ein Alleinstellungsmerkmal zu erzielen, etwa durch ein Musterbaugebiet. “Jetzt entsteht am Campus ein Allerweltsbaugebiet.” In der Stadtverordnetenversammlung sei die Partei mit dieser Forderung aber nicht weit gekommen.

Architekt Sascha Querbach verweist unterdessen auf die enge Zusammenarbeit mit der Stadt und der Naturschutzbehörde Darmstadt-Dieburg. “Wir haben sämtliche Bäume erfasst und vermessen, das war ein großer Aufwand.” Zudem wurden alle Tierarten erfasst. Zusätzlich haben die Projekt-Verantwortlichen beschlossen, eine Schutzzone um den bestehenden Teich zu errichten. “Dort haben die Tiere ein Rückzugsgebiet”, sagt Querbach.

Diskussionen gab es in den vergangenen Wochen über die zu viel gefällten Bäume rund um das neue Wohngebiet. Dazu könne er nichts sagen, erklärt der Architekt. Für Herbert Nebel ist das Vorgehen nur teilweise nachvollziehbar. “Natürlich macht es Sinn, nicht sicher stehende Bäume zu fällen”, sagt der Politiker. Auf der anderen Seite sei es sowohl für die Investoren, als auch für die zukünftigen Bewohner gut, so viele grüne Flächen wie möglich zu erhalten. “Das steigert auch die Wertigkeit des Wohngebiets.”

Text: Timo Niemeier
Foto: Marco Wandura

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Eine Antwort auf Beim Naturschutz scheiden sich die Geister

  1. Jochen Beck sagt:

    Es ist wichtig, daß man sich um den Naturschutz kümmert. Leider haben die Studenten keine Schutzbehörde. Es gingen hier auch (bezahlbare) Lebensräume für 1400 Studenten verloren, das ist auch sehr schade.

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