„Einmal hing mein Bruder kopfüber aus dem achten Stock”

Yilmaz Yigit bei der Arbeit

Seit 1993 betreibt Yilmaz Yigit den Dieburger Dönerstand in der Nähe des Mediencampus. Vielen Studenten bietet er eine Alternative zum Essen in der Mensa. In den 19 Jahren hat der Imbiss-Besitzer bemerkt, dass sich in Dieburg vieles verändert hat.

Es ist nur eine kleine Seitenstraße, die den „Dieburger Döner” vom Mediencampus trennt. In den Mittagspausen stehen herzhaftes Grillfleisch und Knoblauchsauce hoch im Kurs. „Dass ich gerade in Dieburg gelandet bin, war reiner Zufall“, sagt Yigit. Seit knapp 20 Jahren ist er hier Imbiss-Besitzer und hat dementsprechend viel erlebt. „Ich erinnere mich noch genau an die ersten Jahre meiner Arbeit. Dank der vielen Studenten war Dieburg viel lebhafter.“

Bis zum Jahr 2000 lebte der Großteil der angehenden Telekom-Ingenieure in den Wohntürmen am Campus. Dann übernahm das Land Hessen das Ausbildungsgebäude, jedoch nicht die Wohnanlagen. Seitdem lebt in Dieburg nur ein Bruchteil der Studierenden. Dies ging auch nicht an Yigit vorbei: „Ich habe die Veränderung sofort bemerkt – Dieburg ist viel ruhiger geworden“. 25 Prozent seiner Kunden sind Studenten. Zu den meisten hat der Imbiss-Besitzer ein gutes Verhältnis.

Blickt Yigit in die Vergangenheit zurück, so kann er sich noch an viele lustige Ereignisse erinnern. Sein jüngerer Bruder studierte selbst am Mediencampus. „Damals waren die Einweihungsfeiern verrückt. Mein kleiner Bruder wurde kopfüber aus dem achten Stock gehängt und nur an den Beinen festgehalten. Das war so eine Art Mutprobe.“ Aber auch andere Studenten prägten sich bis heute in das Gedächtnis von Yigit ein. „Einmal wollte ein Mädchen unbedingt das Dönerfleisch anschneiden. Ich erlaubte es ihr. Sie nahm sich das größte Messer, doch verfehlte den Spieß und schnitt sich sofort in den Finger.“

In naher Zukunft sollen die Wohntürme abgerissen werden und es folgt ein neues Projekt: „Wohnen im Park“ beinhaltet den Bau von 117 Familienhäusern, umgeben von einer schönen Landschaft. In Dieburg findet also ein Umbruch statt – es entsteht eine neue Wohnsiedlung. Yigit hat sich von der kommenden Situation sein eigenes Bild gemacht: „Studenten habe ich in meiner Gegenwart generell lieber, aber die neue Wohnsiedlung ist für mein Geschäft gut. Die Familien sind potenzielle Dauerkunden, die Studenten verlassen dagegen Dieburg nach ihrem Abschluss.“

Egal wie sich die Zukunft gestalten wird, Yilmaz Yigit ist von einer Sache besonders überzeugt: „Die Studenten gehörten und gehören bis heute zu Dieburg – ohne sie würde in der Stadt etwas fehlen.“

Text und Foto: Marcel Cichon

Dieser Beitrag wurde unter Was ist? abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.